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Mit Schwung und Schinken

Die Altstadt ist zum 20. Mal südländischer Marktplatz

Viele Hände gingen nicht in die Höhe, als Oberbürgermeister Boris Palmer am Donnerstagmittag bei der Eröffnung des Umbrisch-Provenzalischen Marktes fragte, wer denn nicht aus Tübingen sei. Kein Wunder: Tübinger genießen seit 20 Jahren schon nahezu exklusiv den Eröffnungstag des Marktes.

18.09.2014
  • Sabine Lohr

Tübingen. Hirschragout oder Trüffelnudeln, Lammeintopf oder Flammkuchen, Gemüsewrap oder Fettuccine mit Steinpilzen – die meisten Besucher am Eröffnungstag des Umbrisch-Provenzalischen Marktes müssen gar nicht lange nachdenken. Sie haben sich vor Jahren schon entschieden und schwören auf ihr jeweiliges Mittagessen, das sie an diesem Tag einnehmen. Dazu gehört für viele auch der Gang in die Neue Straße, wo der Gastrobetrieb Corradi aus Perugia seine Pasta mit Trüffelsoße anbietet.

Was für die Gastronomie auf dem Markt gilt, gilt auch für viele andere Anbieter. Sie kommen alle Jahre wieder und bringen mit, was sie immer mitbringen: feine Lavendelseifen, Wildschweinschinken, Brote, Gebäck, Pecorino in fast allen Geschmacksrichtungen – sogar „betrunkenen Pecorino“ gibt es – Fischsuppe und Säcke voller Lavendelblüten. So gerät der Gang über den Markt zu einem wahren Geruchsspaziergang. Neues gibt es aber auch. Ein Korbmacher ist da, Nicolas Appel heißt er, ein älterer Mann mit langen weißen Haaren und einem Rauschebart. Auf dem Holzmarkt kann man ihm zuschauen, wie er aus provenzalischen Weiden geduldig und geschickt seine Kunstwerke fertigt. Ganz in der Nähe erklärt Luca Leandri unermüdlich, wie er seine Okarinas herstellt – rundliche Keramikpfeifen, die er bunt lasiert.

„Wir legen Wert darauf, dass die Händler authentisch sind und nicht einfach Ware anbieten, die sie selber nur einkaufen“, sagt Ordnungsamtsleiter Rainer Kaltenmark, der überall auf dem Marktgelände gleichzeitig zu sein scheint und nach dem Rechten guckt. Ob Wurst oder Keramik, Käse oder Schmuck – vieles ist von Hand hergestellt.

Neu ist auch das breite kulturelle Angebot. Einen kleinen Teil davon sahen die Gäste bei der Eröffnung auf dem Marktplatz: Die Fahnenschwinger aus Gubbio – Männer in zweifarbigen Strumpfhosen mit kurzen Kitteln aus mittelalterlich anmutenden Stoffen. Sie brauchen Platz für ihre Kunst, schleudern ihre Fahnen herum, werfen sie hoch, fangen sie wieder auf, lassen sie knatternd flattern – einer aus der Gruppe kann sogar mit drei Fahnen gleichzeitig hantieren. Begleitet werden sie von Trommeln und Trompeten und von viel Beifall. Am Freitag und Samstag sind sie jeweils um 11, um 15 und um 18 Uhr zu bewundern.

Auch der italienische Puppenspieler „Il Laborincolo“ unterhielt die Marktbesucher bei der offiziellen Eröffnung. Die eigentlich gar keine ist, denn das Marktgeschehen begann am Donnerstag schon um 11 Uhr und war in vollem Gange, als OB Boris Palmer und Jörg Romanowski vom Handel- und Gewerbeverein die Besucher und Händler begrüßten. „Geben Sie möglichst viele Euros für liquide Anlagen in Form von Wein und als Festgeldanlage in Form von Käse aus“, forderte Palmer die Gäste auf. Romanowski erinnerte daran, dass die Partnerschaft zwischen Perugia und Tübingen nunmehr seit 30 Jahren besteht und es den Umbrisch-Provenzalischen Markt nun schon seit 20 Jahren in Tübingen gibt. Perugias stellvertretende Bürgermeisterin Cristina Casaioli bezeichnete den Markt als ein gutes Mittel, „Nähe zwischen den Völkern herzustellen“.

Das taten die Besucher gerne und ausgiebig – selbst als am Nachmittag der Regen kam.

Die Altstadt ist zum 20. Mal südländischer Marktplatz
Mittelalterliches vor Mittelalterkulisse: Die Fahnenschwinger aus Gubbio unterhielten bei der Eröffnung des Umbrisch-Provenzalischen Markts am Donnerstagmittag.

Neben den Fahnenschwingern aus Gubbio (Freitag und Samstag jeweils, 11, 15 und 18 Uhr auf dem Marktplatz) tritt auch das Figurentheater „Il Laborincolo“ mehrmals auf: Am Freitag sind die kurzen und kurzweiligen Stücke um 12, 15.30 und 18.30 Uhr auf der Bühne auf dem Marktplatz zu sehen, am Samstag erweckt Marco Lucci die Puppen um 12, 14 und 15.30 Uhr zum Leben. Italienische Romanzen, Opernarien und klassische neapolitanische Lieder singt der italienische Tenor Massimiliano d’Antonio am Samstag um 13, 15, 17 und 19 Uhr an der Krummen Brücke, am Sonntag tritt er dort um 11, 13 und 15.30 Uhr auf. Der Sonntag ist neben Markt- auch Stadtlauftag. Die ersten Läufer, die Schüler, starten gegen 9.30 Uhr. Der Hauptlauf beginnt um 12.30 Uhr an der Mensa Wilhelmstraße. Am Sonntag haben zudem die Geschäfte von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

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18.09.2014, 12:00 Uhr

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