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Aus dem Hafen der Träume in die neue Welt

Die Ausstellung über Auswanderung aus Europa

REUTLINGEN. Amerika, Land aller Träume nach Armut, Hunger, Krieg, religiöser und politischer Verfolgung, Objekt auch von Abenteuerlust. Die Gründe, Deutschland zu verlassen, auszuwandern, waren zahlreich. Fünf Millionen Menschen schifften sich zwischen 1850 und 1934 allein in Hamburg ein. Darunter viele Württemberger und Reutlinger. Heute wird im Heimatmuseum um 19 Uhr eine Ausstellung des Hamburger Büros für Auswanderungs- und Familienforschung eröffnet. Sie ist ergänzt mit Reutlinger Exponaten.

22.03.2007
  • Bernd Ulrich Steinhilber

„Mit offenem Herzen“ ist die Ausstellung des Hamburger „Büros für Auswanderungs- und Familienforschung Link to your Roots“ in Amerika aufgenommen worden. Für Projektleiter Franz Scheurer bedeutet sie die Heimkehr nach Reutlingen, wo er acht Jahre gelebt und studiert hat. Was er den Reutlingern in der Ausstellung zeigt, ist vornehmlich Hamburger Geschichte, illustriert mit Beispielen aus Württemberg.

„Es handelt sich um „Flachware“ sagte Dr. Helen Wanke vom Heimatmuseum gestern bei einem Pressegespräch, womit gemeint ist, dass es die Besucher vornehmlich mit Schriftstücken und Fotos zu tun haben. Ihr weniges Gut haben die Auswanderer schließlich mit in die neue Welt genommen – die für manche Reutlinger auch Russland war.

Großfotografien zeigen Bilder von auswandernden Frauen, Männern und Kindern, verweisen auf deren schwierige soziale Lage, auf Hintergründe und Ursachen für die Auswanderungswellen, die man grob in die Zeiträume bis zum 30-jährigen Krieg, dann von 1750 bis 1850 und schließlich in die Epoche danach einteilen kann.

Dokumentiert ist auch, wie Hamburg mit den Menschen umgegangen ist, die Migrantenströme organisatorisch bewältigte und daraus wirtschaftlichen Nutzen zog. Gezeigt wird, wie nach einer Choleraepidemie an der 8600 Menschen zugrunde gingen, von dem Reeder Albert Ballin Massenunterkünfte in einer „Auswandererstadt“ für 5000 Menschen gebaut wurden. Es war die letzte Station in der deutschen Heimat und für die damaligen Verhältnisse gut ausgestattet.

Ein Hinweis auf Friedrich List darf nicht fehlen. Von ihm ist – gar nicht flach – der Mantel zu sehen und der Holzkoffer, den er bei seiner Flucht nach Paris und London dabei hatte. Erzählt wird auch die Geschichte des Reutlinger Zeitungsverlegers und 48er-Revolutionärs Gustav Heerbrandt. Er gab den „Reutlinger und Metzinger Courier“ heraus und ergriff darin Partei für die sozial Schwachen.

Heerbrandt, der zum Widerstand gegen die Regierung aufgerufen hatte, musste 1850 aus politischen Gründen auswandern. In New York gründet er 1876 das florierende „Schwäbische New Yorker Wochenblatt“. Er war einer von 150 000 Auswanderern, die zwischen 1847 und 1854 das Königreich Württemberg verließen.

Mittellos ist der Betzinger Schneidersohn Jacob Schüßler 1820 nach Nordamerika ausgewandert, arbeitete als Knecht in Pennsylvania, um die Überfahrt nachträglich bezahlen zu können, und baute sich später eine Existenz als Schneider auf.

Ein Schiffsoberdeck und ein Zwischendeck mit Pritschen und Strohsäcken veranschaulichen in der foto- und textlastigen Ausstellung die Strapazen der Überfahrt. Und Kinder dürfen Koffer packen – mit dem Nötigsten für die Auswanderung.

Die Ausstellung über Auswanderung aus Europa
Ein Auswandererschiff im Hamburger Hafen. Die Hansestadt entwickelte sich zu einer Drehscheibe für Auswanderer aus Ost- und Westeuropa. Fünf Millionen waren es zwischen 1850 und 1934.

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22.03.2007, 12:00 Uhr

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