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Foto-Ausstellung von TAGBLATT-Redakteur Rainer Mozer

Die Bandbreite des Lebens

Einen ungeahnten Besucheransturm erlebte Rainer Mozers Ausstellungseröffnung am Sonntagabend im Haus am Nepomuk. An die 400 Leute wollten seine Fotos aus drei Jahrzehnten Arbeit fürs TAGBLATT sehen.

12.06.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Zum Abschied aus dem aktiven Berufsleben zeigt Rainer Mozer der Öffentlichkeit einen Querschnitt dessen, was er seit 1982 vornehmlich in Rottenburg für das SCHWÄBISCHE TAGBLATT gemacht hat: Fotografien aus journalistischem Blickwinkel. Rund hundert seiner insgesamt etwa 35 000 Bilder hat er ausgestellt.

Oberbürgermeister Stephan Neher sagte, Mozers Kunst sei es gewesen, „die Zeitgeschehnisse ins Bild zu setzen“, die dann durch die Zeitung verbreitet wurden. Seit wenigen Jahren sei es dem Internet zu verdanken, dass lokale Ereignisse weltweit nachzuvollziehen sind. Die Menschen erlebten heute, „welche Macht und Brisanz in einem Bild manchmal steckt“. Die aktuellen Zustände in Syrien seien Beleg dafür, „wie wichtig es ist, dass Bilder uns erreichen“.

Im lokalen Rahmen, wo es weniger dramatisch zugeht, würden Fotos bei Jubiläen hervorgeholt, um sich zu erinnern, „was hat unsere Geschichte geprägt“. Der OB dankte Mozer, dass ein Teil der Rottenburger Stadtgeschichte durch seine Bilder nachvollziehbar ist. Neher: „Deshalb wird Ihr Name immer mit der Stadt verbunden bleiben.“

TAGBLATT-Geschäftsführer Alexander Frate, der wie auch seine Frau und Verlegerin Elisabeth Frate zur Ausstellungseröffnung gekommen waren, bedankte sich bei Mozer für dessen Arbeit und für die „gelungene Ausstellung“. Er freue sich, dass Mozer „so einen Namen“ in Rottenburg und dass er „so einen Bahnhof zusammenbekommen“ habe.

Nach dem Sebastian-Blau-Marsch, den das Saxofon-Quartett der Stadtkapelle spielte, sprach Rainer Mozer über sich und sein Werk – nicht ohne zuvor den Musikern zu danken, sie sonst in der Stadtkapelle seine Satz-Kollegen sind. Wie in dem Western, wo ein Mann nach Australien wollte, aber in einer Goldgräberstadt hängen blieb und Sheriff wurde, so habe er Lehrer werden wollen, erzählte Mozer.

Dieser Beruf war sein Australien, Rottenburg die Goldgräberstadt. Weil der Staat in den achtziger Jahren keine Französisch- und Erdkundelehrer einstellte, heuerte Mozer 1982 als ambitionierter Hobbyfotograf beim TAGBLATT an. Er bekam bald das erste Foto-Volontariat in der Geschichte des Unternehmens und wurde Foto-Redakteur.

Eine – von den meisten Zeitungsfotografen – anfangs sehr kritisch beäugte technische Revolution brachte die digitale Fotografie in die Redaktionen. Im Jahr 2000 habe er die erste „Digi“ bekommen. Alexander Frate erinnerte sich genau und murmelte: „20 000 Mark.“

Bei 35 000 Aufnahmen, die Mozer fotografiert und veröffentlicht hat, hundert für eine Ausstellung auszusuchen, war schwierig. Mozer: „Es ist eine subjektive, aber auch objektive Auswahl von Bildern über Menschen, Begegnungen, Ereignisse in dieser Raumschaft.“

Schön am Beruf des Foto-Journalisten sei es, auch dahin zu kommen, wo nicht jedermann hinkommt: in die Wohnungen, in den Schlachthof, ins Gefängnis. „Die ganze Bandbreite des Lebens“ sei ihm vor die Linse gekommen, auch belastende Ereignisse wie tödliche Unfälle.

Diese Seite des Fotografen-Lebens hat Mozer hinter sich, aber die Kamera legt er noch nicht zur Seite. Seit neun Jahren hat er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Forstwirtschaft, den er gern ausbauen würde. Doch noch pädagogisch tätig zu sein, bedeute ihm, sein Australien erreicht zu haben.

Die Bandbreite des Lebens
„Eine Ausstellung ohne Rechtschreibfehler“, so lobte TAGBLATT-Geschäftsführer Alexander Frate (links) die Schau von rund hundert Fotografien Rainer Mozers (Bildmitte, mit Schal), der drei Jahrzehnte lang für die Zeitung das Zeitgeschehen ablichtete. Bild: Franke

Die Foto-Ausstellung „30 Jahre Bild: Mozer“ in Ernst Heimes’ „Haus am Nepomuk“ bei der mittleren Neckarbrücke ist bis zum 28. Juni geöffnet. Heute, morgen und am Freitag ist von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Am Samstag, 16. Juni, ist von 11 bis 16 Uhr, am Sonntag drauf von 13 bis 16 Uhr. Nächste Woche ist die Ausstellung am Freitag, 22. Juni, von 15 bis 20 Uhr und am Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Die verlängerte Öffnungszeiten hängen am Freitag mit dem Brückenfest, am Samstag und Sonntag mit dem Neckarfest zusammen.

Den Katalog zur Ausstellung zeigt 260 Bilder auf 140 Seiten. Er ist er-schienen im Verlag Haus am Nepomuk, Rottenburg, und kostet 20 Euro. Zu haben ist er bisher allein in der Ausstellung.

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12.06.2012, 12:00 Uhr

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