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Tübinger Grüne sehen ihre Partei bestens aufgestellt

Die Basis hat eine eigene Weisheit

„Ich freue mich“, sagt Boris Palmer. Der Tübinger OB hatte Katrin Göring-Eckardt unterstützt. Nun setzte sie sich beim Mitgliederentscheid der Grünen neben Jürgen Trittin als Spitzenkandidatin durch.

12.11.2012
  • Renate Angstmann-Koch

Tübingen. „Ich bin nicht so sehr überrascht. Ich hatte schon lange die Auffassung, dass die große Zahl der Mitglieder in vielen Punkten ausgewogener entscheidet als ein Parteitag“, erklärte Boris Palmer gestern am Telefon. Er habe das Ergebnis der Urwahl über die Spitzenkandidatur erwartet – wenn auch nicht in dieser Deutlichkeit.

„Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt bieten die besten Wahlchancen, weil breitere Schichten angesprochen werden“, ist der Tübinger OB überzeugt. Eine Verschiebung der Positionen der Partei sieht der Grünen-Realo in dem Mitgliedervotum jedoch nicht. Allerdings: „Diejenigen, die glaubten, die Grünen würden nach links rücken, sprachen nicht für die Mitglieder.“

Wenn die unterlegene Claudia Roth erneut als Partei-Chefin kandidiert, werde sie dennoch „mit einem herausragenden Ergebnis gewählt“, ist Palmer überzeugt. Das sieht Chris Kühn ähnlich. Da die Urwahl Roths Vorschlag war, sei sie nun als Parteivorsitzende trotz ihrer „bitteren Niederlage“ sogar gestärkt.

Kühn sieht die Abstimmung mit einer Beteiligung von 61 Prozent als „Riesenerfolg“ und „Mobilisierungsschub“. Sie habe ein Zeichen innerparteilicher Demokratie gesetzt und gezeigt, dass „die Basis eine eigene Weisheit hat“. Mit Göring-Eckardt und Trittin könnten die Grünen „sehr, sehr gut in den Wahlkampf gehen“, findet der Landes-Chef und Tübinger Bundestagskandidat.

Die Mitglieder hätten einen Ausgleich zwischen den Flügeln gesucht und sich für eine Kandidatin entschieden, die nicht in der ersten Reihe stand und als Bundestags-Vizepräsidentin einen anderen Politikstil pflegt. Auch Kühn sieht in der Abstimmung keinen Richtungsentscheid. „Wir sind meilenweit weg von der CDU.“ Auch Katrin Göring-Eckardt habe erklärt, sie wolle Schwarz-Gelb ablösen und eine rot-grüne Regierung bilden.

Der Tübinger Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal kehrte erst gestern von einer USA-Reise als Wahlbeobachter zurück. „Ich hatte wie die allermeisten erwartet, dass sich die Spitzenkandidatur zwischen Claudia Roth und Renate Künast entscheiden würde“, sagte er. Ein Mitgliederentscheid schien ihm zunächst nicht der richtige Weg zu sein, da er das Programm der Grünen für wichtiger hält, räumt Lede Abal ein. Doch Beteiligung und Transparenz spielten derzeit eine große Rolle.

„Die beiden sind ein gutes Team“, findet Lede Abal. Er hoffe, dass mit dem klaren Votum die Diskussion nun abgeschlossen sei. Eine Richtungsentscheidung sei es nicht. Viele neue Mitglieder der Grünen könnten „die alten Debatten nicht nachvollziehen“ und hätten sich von Flügeldenken freigemacht. Da sich Göring-Eckardt klar gegen Schwarz-Grün aussprach, hätten „die neuen Mitglieder die Kandidatin gar nicht so eingeordnet, wie es die Medien machen“, ist Lede Abal überzeugt. Er hoffe, dass sich die Grünen jetzt auf ihr Wahlprogramm konzentrieren: „Wir brauchen klare Aussagen.“

Die Basis hat eine eigene Weisheit
Alte Gefährten: Katrin Göring-Eckardt half Boris Palmer 2006 im Landtagswahlkampf – hier bei einem Besuch in der TAGBLATT-Redaktion. Archivbild: Metz

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12.11.2012, 12:00 Uhr

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