Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
„Die Botschaft lautet Liebe“
Queen Esther Marrow hält Hof auch in Stuttgart und Ulm. Foto: Sven Darmer
Legende

„Die Botschaft lautet Liebe“

Nach mehr als 50 Jahren im Musikgeschäft geht Queen Esther Marrow mit den Harlem Gospel Singers auf Abschiedstournee.

17.01.2017
  • CHRISTOPH FORSTHOFF

Ulm. Swing-Legende Duke Ellington entdeckte ihr Ausnahme-Talent einst in Harlem – heute, nach mehr als 50 Jahren auf der Bühne, zählt Queen Esther Marrow selbst zu den Superstars der Musikwelt. Sie hat mit Aretha Franklin, Bob Dylan, Ray Charles und auch B.B. King gearbeitet. Nun ist die Gospelkönigin mit ihren Harlem Gospel Singers auf Abschiedstournee und gastiert auch in Stuttgart und Ulm. Ein Gespräch mit der 75-jährigen Grande Dame, die selbst am Gehstock noch ein Charisma verströmt, von dem junge Künstler nur träumen können.

Montserrat Caballé hat mir mal erzählt, sie wolle bis ans Ende ihrer Tage singen . . .

Queen Esther Marrow : . . . ich fühle ähnlich. Die Harlem Gospel Singers und ich haben jetzt 25 Jahre lang zusammen gearbeitet, und dieser Abschied macht mich schon traurig, denn gerade mein deutsches und europäisches Publikum werde ich wirklich vermissen. Aber irgendwann im Leben kommt eben die Zeit, wo man erkennt, dass es noch andere Dinge gibt, die man gern tun möchte – und dann sollte man diese auch tun.

Aber kann ein Künstler wirklich jemals von der Bühne Abschied nehmen?

Nun, ich verabschiede mich ja in Deutschland und Europa nur mit den Harlem Gospel Singers von der Bühne. Daheim in den USA habe ich viele Pläne: Ich möchte ein Buch schreiben, Musik aufnehmen, schauspielern – ich setze mich noch nicht zur Ruhe.

Was wird das für ein Buch werden?

Über mein Leben und meine Karriere im Musik-Business – von meinen Anfängen über die Begegnungen und Auftritte mit berühmten Kollegen, natürlich über meine Arbeit mit den Harlem Gospel Singers und meine Zeit in Deutschland. Es wird eine Art Autobiografie über rund 50 Jahre meines Lebens.

Sie sind als „Königin“ zur Welt gekommen, tragen den Namen Queen Esther seit Ihrer Geburt: Ist dieser Name mal eine Last gewesen?

Anfangs habe ich es schon als Last empfunden. Wenn jemand wie ich vom Land kommt, und du rufst dort ein Kind, dass es nach Hause kommen soll, und es tönt plötzlich „Queen Esther“ (lacht) . . . Das hat mir gar nicht gefallen. Von daher habe ich bald schon die Queen weggelassen, und als ich nach New York gegangen bin, großen Wert darauf gelegt, nur Esther genannt zu werden.

Doch irgendwann besannen Sie sich dann wieder Ihres vollen Namens.

Wie für alle jungen Leute, waren die Anfänge in New York auch für mich schwer. Ich fand keine Arbeit, und so habe ich gedacht: Vielleicht sollte ich doch zu meinem ursprünglichen Namen zurückkehren – und so habe ich die Queen einfach wieder hinzugefügt.

Ihr sängerisches Talent hat Swing-Legende Duke Ellington entdeckt, später haben Sie mit Harry Belafonte, Ray Charles, Ella Fitzgerald oder auch Miriam Makeba zusammengearbeitet – wer hat Sie am stärksten geprägt?

Duke Ellington – denn durch ihn bin ich ins Musik-Business gekommen. Er war es, der mich meine Fähigkeiten entdecken ließ und mich fragte, ob ich nicht mit ihm zusammen die Midwest-Tour beenden wolle. Und danach war mir klar: Das ist mein Ding!

Was hat er Ihnen musikalisch gegeben?

Nachdem ich ihm vorgesungen hatte, rief er mich an und fragte mich, ob ich nicht den Gesangspart in seinen „Sacred Concerts“ übernehmen wolle, die er 1965 in San Francisco als Uraufführung geplant hatte – und hat mich dann ganz allein machen lassen. Ich glaube, dass ich vom Schöpfer beschenkt worden bin – und als ich erstmal angefangen hatte, mehr und mehr zu singen, entwickelte sich auch meine Stimme immer prächtiger.

Sie haben nie Gesangsunterricht genommen?

Erst Jahre später, da war ich schon Mitte Vierzig, habe ich mir einen Stimmcoach gesucht und gelernt, wie dieses Instrument der Stimme zu benutzen ist. Bis dahin hatte ich keinerlei Vorstellung: Alles was ich machte, war meinen großen Mund zu öffnen.

Was charakterisiert Gospelmusik?

Gospel ist eine Musik, die den Menschen gute Nachrichten verkündet, Hoffnung bringt und eine geistige Verbindung aufbaut: Ich fühle mit Gott, Gott fühlt mit mir. Deshalb muss man als Sänger auch etwas über Gott wissen – erinnern Sie sich an den Film „E.T.“, an den Moment, wo sein Finger plötzlich leuchtet? Solch eine Verbindung mit der Musik und dem Geist Gottes meine ich. Und genauso geht die Musik von Gott in die Herzen der Menschen – und das macht Gospel zu einer ganz besonderen Musik.

Gospel als Fingerzeig Gottes?

Liebeslieder lassen einen vielleicht weinen, wenn man verliebt ist, Rock-Songs können einen vor Freude springen lassen – aber Gospel ist diese unmittelbare Verbindung der guten Nachricht zum Herzen. In dieser Musik gibt es immer etwas, das die Menschen sich besser fühlen lässt.

Weshalb denn auch viele Menschen Gospel in einem Atemzug mit dem Glauben nennen – wie wichtig ist für Sie die Religion?

Über allem steht bei mir stets Gott. Ich bitte Gott immer, durch mich zu sprechen und zu singen, um so die Menschen zu berühren. Und ich sage ihm: Lass mich Dein Instrument sein. Denn ich vertraue Gott: Er weiß, wohin ich zu gehen und was ich zu tun habe – ohne ihn kann der Mensch nicht existieren.

Und was ist Ihre Botschaft?

Liebe, Frieden und Harmonie untereinander. Keine Hautfarben mehr zu kennen, denn alle Menschen sind gleich.

Kann Gospelmusik das Denken der Menschen verändern?

Musik spielt eine große Rolle. Als Quincy Jones 1985 „We Are The World“ produziert hat, da ließ dieser Song Menschen überall auf der Welt für einen Moment innehalten. Und eben dies ist auch unser Antrieb: Wir wollen auf die Bühne hinaustreten und das Publikum erreichen – wir wollen euch packen und erleuchten!

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

17.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball