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Die Brüder Andreas und Markus Fetzer wollen den Gönninger Samenhandel fortführen
Die neue Generation der Samenhändler: Andreas und Markus Fetzer (von links) knien im Probefeld von Samen-Fetzer vor der Tulpensorte Madame Lefeber.Bild: Haas
Fachwissen tief verwurzelt

Die Brüder Andreas und Markus Fetzer wollen den Gönninger Samenhandel fortführen

In den nächsten Jahren möchten Andreas und Markus Fetzer den Samenhandel ihres Vaters Hartmut übernehmen und die Gönninger Tradition aufrecht erhalten. An den Tulpensonntagen am 17. und 24. April blühen wieder die Felder bei Samen-Fetzer.

12.04.2016
  • Maik Wilke

Gönningen.Der Großvater kauft, der Vater baut, der Sohn verkauft, der Enkel geht betteln. Ein Glück, dass dieses schottische Sprichwort in Gönningen definitiv nicht zutrifft. Zumindest nicht beim Samenhändler Fetzer. Denn dort möchten die Brüder Andreas, 30, und Markus, 28, in den nächsten Jahren bereits in sechster Generation den Familienbetrieb von Vater Hartmut übernehmen und die Gönninger Tradition des Samenhandels fortführen.

Schöne Dinge brauchen Zeit und Geduld, weiß Andreas Fetzer. Die Frühjahrsblüher wie Tulpen und Narzissen, die an den kommenden Sonntagen bei der Gönninger Tulpenblüte mit ihrer farbenfrohen Pracht über 10 000 Hobby-Botaniker in den Reutlinger Stadtteil locken, wurden bereits im Oktober und November gesetzt. „Einige Leute glauben, gleich haben zu können, was sie sehen.“ Aber hinter jeder Knospe stecke viel Arbeit, von heute auf morgen funktioniert der Samenhandel nicht. So wird auch der Übergang der Geschäftsführung bei Samen-Fetzer fließend sein – den Söhnen von Geschäftsführer Hartmut Fetzer, 62, ist das nur recht: „Wir wollen, dass unsere Eltern so lange wie möglich dabei sind. Bei ihnen ist das ganze Fachwissen verankert“, erklärt Andreas Fetzer.

Denn obwohl Andreas und Markus Fetzer seit ihrer Kindheit im Betrieb mitgeholfen und den Handel mit den mittlerweile deutschlandweit bekannten Gönninger Samen von den Wurzeln auf kennen gelernt haben, lernen sie jeden Tag noch etwas neues dazu, sagt Markus Fetzer. Bei einem Sortiment mit fast 8000 Samenarten verständlich – allein 450 bis 500 unterschiedliche Tulpenzwiebeln vertreibt Samen-Fetzer. Markus, der jüngere der Geschwister, hat eine kaufmännische Ausbildung absolviert und übernimmt bereits den Außendienst im Familienbetrieb. Andreas, der in Hohenheim BWL studiert hat, kümmert sich um den Innendienst.

Als Kinder mussten beide zunächst schlechte Steckzwiebeln aussortieren, bald wollen sie gleichberechtigte Geschäftsführer sein. Sorge wegen möglichen Reibereien haben sie nicht: Das Verständnis für den Familienbetrieb sei bei ihnen stark ausgeprägt, betont Andreas Fetzer. Jeder lasse dem anderen trotz enger Zusammenarbeit den nötigen Raum. „Natürlich wird auch bei uns diskutiert“, ergänzt Markus Fetzer. „Aber wir teilen bei vielen Aspekten die gleiche Sichtweise und haben das gleiche Ziel vor Augen.“

Dieses sei zum einen, den Samenhandel den neuen Marktstrukturen anzupassen. Der Online-Verkauf mache bereits jetzt gut ein Drittel des Umsatzes aus. Zum anderen beziehen die Brüder ihre Motivation aus dem Kontakt mit den Menschen. „Es ist ein außergewöhnlicher Beruf, der den Menschen viel Freude bringt“, sagt Markus Fetzer. Daher stellen sich die beiden gerne der Herausforderung Samenhandel – auch wenn dieser seine blühenden Zeiten hinter sich habe.

Denn selbst in der Hochburg und Tulpenhauptstadt Gönningen gibt es mittlerweile nur noch zwei Händler. Ein Dritter hat vor Kurzem altersbedingt aufgehört – einen Nachfolger hat dieser vergebens gesucht. Umso glücklicher ist Hartmut Fetzer, dass sich seine Söhne dem traditionsreichen Gewerbe annehmen. „Es ist gut, dass wir ein komfortables Zeitfenster haben, in dem wir den Wechsel vollziehen können. Denn die Kunden sollen den Wechsel am wenigsten spüren.“

Druck hätten die Söhne aber nie verspürt. Es sei ihre freie Entscheidung gewesen, sich im Familienbetrieb zu engagieren. „Es ist einfach eine spannende Aufgabe. Gerade weil sich der Beruf seit 500 Jahren immer wieder wandelt und entwickelt“, erklärt Andreas. Vater Hartmut wird die Tulpen-Brüder auch in dessen Ruhestand weiter unterstützen. Das habe schon der letzte Generationenwechsel im fetzerischen Samenhandel gezeigt, erzählt Andreas: „Unser Opa hat noch jahrelang seine engsten Kunden betreut. Dort besteht einfach großes Vertrauen in unsere Arbeit. Und das ist noch immer unser höchstes Gut.“

Ein Tulpenknacker zu den Tulpensonntagen

Am Sonntag, 17. April, feiert der Verein Gönninger Tulpenblüte mit der diesjährigen, zwölften Tulpenblüte sein zehnjähriges Bestehen. Der erste Tulpensonntag beginnt um 10 Uhr mit der Tulpenpredigt in der evangelischen Kirche Peter und Paul. Anschließend erfolgt um 11.15 Uhr die feierliche Eröffnungsrede am Tulpenbrunnen durch die Erste Vorsitzende des Vereins Margarete Walliser. Den Frühlings- und Künstlermarkt mit 43 Ausstellern können Besucher von 11 bis 18 Uhr bestaunen. In den Wochen der Tulpenblüte bietet der Gönninger Samenhändler Samen-Fetzer ab dem 14. April täglich von 11 bis 17 Uhr den „Tulpenknacker“ an, eine spezielle Bratwurst zur Tulpenblüte. Das Probefeld mit der farbenfrohen Blütenpracht, wo auch der zweite Tulpensonntag am 24. April stattfindet, ist zu jeder Zeit frei zugänglich.

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12.04.2016, 01:00 Uhr

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