Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Beim Jahresempfang pries Annette Widmann-Mauz die Kanzlerin

Die CDU im Kreis Tübingen will nach vorn blicken

Bundespolitisch obenauf, im Land nach dem ersten Oppositions-Jahr und unter dem Druck der Mappus-Affäre nachdenklich: So präsentierte sich die Kreis-CDU bei ihrem Jahres-empfang am Mittwochabend.

20.07.2012
  • Renate Angstmann-Koch

Tübingen. Die Wahl der oberen Säle des „Museums“ als Veranstaltungsort machte deutlich, dass die CDU mit mehr Gästen gerechnet hatte. Es gab reichlich Platz an den Stehtischen, als das Querflötenquartett der Stadtkapelle Rottenburg zur musikalischen Eröffnung anhob, und auch später zu Häppchen und Wein. Der Kreisvorsitzende Klaus Tappeser begrüßte neben CDU-Mandatsträgern und Rathaus-Chefs vor allem Gäste aus der Universität. Von den konkurrierenden Parteien hatten nur die FDP und die Linke Vertreter entsandt.

Eine Abordnung der Klinikums-Beschäftigten demonstrierte vor dem Eingang, um von Annette Widmann-Mauz als Parlamentarischer Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium höhere Budgets zu fordern, damit Tariferhöhungen nicht in Stellenabbau münden. Es wurde ein Gespräch vereinbart, und die Protestierenden kamen in den Saal, um der Bundestagsabgeordneten und dem CDU-Kreisvorsitzenden zuzuhören.

Klaus Tappeser mahnte, man solle bei allen Problemen nicht vergessen, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland konkurrenzlos niedrig sein, der Euro stabil und die Inflationsrate niedrig, dass es soziale Sicherheit gebe und die Demografieprobleme angegangen würden. „Wir haben verstanden“ – so beschrieb der Kreisvorsitzende die Reaktion der CDU auf ihr Ausscheiden aus der Regierung. Intensiv habe man sich seither mit Themen wie Inklusion, Integration und Migration beschäftigt, sich aber ebenso Gedanken über die Verkehrsinfrastruktur gemacht.

Annette Widmann-Mauz, ganz in Schwarz und Grün gekleidet, wagte unter dem Motto „Im Denken voran, im Handeln klar“ eine „Tour d’horizon“ (Tappeser) in beträchtlichem Tempo. Die Union ducke sich in der Euro-Krise nicht weg. Man habe vorausschauend gehandelt: die Lohnnebenkosten gesenkt, den Mittelstand von Bürokratie entlastet, die Sozialsysteme „wieder fit gemacht“. So sei es etwa möglich gewesen, die Leistungen der Pflegeversicherung um fünf Prozent auszudehnen: „Wir haben die Weichen richtig gestellt“, aus Sicht der Abgeordneten aber auch „an den richtigen Stellschrauben gedreht, um Massenarbeitslosigkeit und einen Konjunktureinbruch zu verhindern“.

Als Exportland brauche Deutschland mehr als jedes andere Land einen verlässlichen Euroraum, sagte die Bundestagabgeordnete unter Zwischenapplaus. Sie verteidigte die Milliarden-Investitionen und -Bürgschaften zur Eurorettung. Man gehe Risiken ein, doch sie seien auf jeden Fall beherrschbarer als eine Rezession.

„Es ist großartig, dass die Kanzlerin mit dem Wachstums- und Fiskalpakt einen historischen Schritt geschafft hat“, sagte Widmann-Mauz und erhielt zum zweiten Mal Szenenapplaus. Doch nicht jeder im Bundestag trage dazu bei, Angela Merkel den Rücken zu stärken.

„Wir unterlagen auch mancher Fehleinschätzung“, spielte Widmann-Mauz auf die Mappus-Affäre an und sprach von „für viele Mitglieder“ schmerzhaften Tagen. Wichtig sei nun, sich christdemokratischer Fundamente zu vergewissern: „Fehlbarkeit ist nicht nur eine Kategorie im Leben anderer.“ Sachliche Aufklärung und Selbstkritik seien angezeigt, aber auch „im Umgang miteinander Maß und Besonnenheit“.

„Wer’s mit der Wahlfreiheit der Eltern wirklich ernst meint, muss Voraussetzungen für sie schaffen“, sagte die Abgeordnete, die dem von der CSU geforderten Betreuungsgeld kritisch gegenüber steht. Doch „Eltern als Heimchen am Herd zu diskreditieren, ist mit mir nicht zu machen“. Sie erinnerte an die großen Unterschiede bei der Rente: Männer hätten im Schnitt eine Alterssicherung von 1600 Euro monatlich, Frauen nur knapp 650 Euro. Daher müssten auch Erziehungszeiten für die Jahre vor 1992 angerechnet werden.

„Nicht die Größe der Bevölkerung gewährleistet Wohlstand, sondern die Qualität ihrer Köpfe“, betonte die Abgeordnete zuletzt und hob die günstigen Bedingungen im Kreis Tübingen hervor. Das Querflötenquartett stimmte nach der Rede keine Hymne auf Neckar und Schwabenland an, sondern den Walzer „An der schönen blauen Donau“ – wobei es manche in den Beinen juckte. Aufs Parkett wagte sich aber niemand.

Die CDU im Kreis Tübingen will nach vorn blicken
Neben dem ehemaligen Kanzler der Universität Georg Sandberger (Zweiter von rechts) wurde auch Prof. Omar Hamdan (links), Leiter des Zentrums für Islamwissenschaften in Tübingen, beim CDU-Jahresempfang im „Museum“ mit Applaus empfangen. Bild: Metz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.07.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball