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Jommelli-Oper

Die Chance ergreifen

Frischer Wind fürs nächste Tübinger Opernprojekt: Im kommenden Herbst soll das barocke Kronjuwel „Il cacciatore deluso“ mit städtischer Unterstützung herausgebracht werden.

06.12.2016
  • Wilhelm Triebold

Das Wallander-Abenteuer machte gehörig Mut. Nachdem Philipp Amelung im vergangenen Sommer mit der Kriminal-Oper „W – The Truth beyond“ auch über Tübingen hinaus großen Erfolg einheimste, wendet sich der rührige Universitätsmusikdirektor jetzt wieder einem ursprünglichen Herzenswunsch zu. Amelung möchte im nächsten Jahr Niccolò Jommellis lange Zeit vergessene Opera buffa „ „Il cacciatore deluso“ („Der enttäuschte Jäger“) wieder in Tübingen auf die Bühne bringen, wo das barocke Kleinod bereits 250 Jahre zuvor uraufgeführt worden war.

Wallander hat sehr geholfen

Damals gefiel es dem weisen Herzog Carl Eugen, seinen universitären Außenstandort zur höfischen Opernfiliale zu erheben: Am Rand des heutigen Botanischen Gartens wurde ein Reitstall zum Opernhaus umfunktioniert und am 4. November 1767 im Beisein des Landesherrn mit dem Opus seines italienischen Hofkapellmeisters auch eröffnet. Tübingens erstes und bisher einziges Opernhaus hielt danach zwar 35 Jahre durch, bevor es abgerissen wurde. Viel bespielt wurde es bis dahin aber nicht.

Ausgegraben hatte das kleine musikalische Meisterwerk vor zehn Jahren der Tübinger Stadtarchivar Udo Rauch, der eine spätere Fassung in der Lissabonner Nationalbibliothek aufspürte. Mit städtischen Mitteln wurde die Partitur im musikwissenschaftlichen Institut rekonstruiert und aufgemöbelt, bis Amelung wegen Wallander eine schöpferische Pause einlegte, zumindest was das Jommelli-Projekt betraf. Einen Vorgeschmack gab es allerdings während der Kulturnacht 2007 – im Tübinger Rathaus-Sitzungssaal.

Dort ging es mit dem Rückenwind der Wallander-Uraufführung jetzt wieder ans Werk. Genau 250 Jahre nach der Tübinger Premiere soll „Il cacciatore deluso“ am 4. November 2017 wieder erklingen, und zwar im Festsaal der Neuen Aula, wo zwei weitere Aufführungen folgen. Dank der Erfahrungen mit Fredrik Sixtens Wallander-Oper ließen sich einzelne Posten der Kalkulation besser beziffern und eine Umsetzung präziser planen, wurde gestern dem Kulturausschuss mitgeteilt. Denn der Gemeinderat entscheidet, wie schon bei der Arbeit an der Partitur, über einen Zuschuss für dieses – auch stadtgeschichtlich bedeutsame – musikalische Unterfangen.

Amelung will Jommellis Opera buffa mit Spezialkräften der historischen Aufführungspraxis und wiederum Studierenden einer Musikhochschule (in Frage kommen Stuttgart, Trossingen oder Köln) verwirklichen. Auch beim Bühnenbild werde man auf die Erfahrung der Wallander-Oper zurückgreifen, heißt es. Eine szenische Aufführung wirkungsvoll mit einfachen, sparsamen Mitteln.

Trotzdem benötigt „Der enttäuschte Jäger“ einen Zuschuss. Die Gesamtkosten werden dabei mit 135000 Euro berechnet. Rund 37000 Euro ließen sich über den Verkauf von Eintrittskarten hereinholen, etwa 45000 Euro sollen über Sponsoren und andere Geldgeber eingesammelt werden. Denn gerade auch vom Land, letztlich dem politischen „Nachfolger“ des Auftraggebers Carl Eugen, erhoffen sich die Macher einen Förderbetrag.

Zu teuer fürs Bach-Jahr

Die restlichen 50000 Euro wurden jetzt bei der Stadt beantragt. In der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses, in der Amelung das Projekt noch einmal vorstellte, wurde es überwiegend begrüßt. Auf die Frage, warum „Il cacciatore deluso“ nicht häufiger – und womöglich auch im darauffolgenden Bach-Jahr – aufgeführt werden könne, kam die Erwiderung, dass es dann wohl doppelt so teuer kommen würde. Bis auf die sich enthaltende SPD-Stadträtin Ingeborg Höhne-Mack sprachen sich alle Ausschussmitglieder aber für eine Unterstützung aus. Auch Kulturamtsleiterin Dagmar Waizenegger meinte, man solle „die Chance ergreifen“.

Außerdem steht noch im Raum, dass die Jommelli-Oper wieder von den Medienwissenschaftlern aufgezeichnet – und somit für die Nachwelt dokumentiert – werden könnte.

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06.12.2016, 01:00 Uhr

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