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Fachgerechte Lösungen für knifflige Ecken

Die Dachsanierung ist längst nicht alles, was an Sankt Stephanus gemacht wird

Expertentreffen war gestern wieder einmal auf der Baustelle Sankt Stephanus. Die aufwändige Dachsanierung der katholischen Kirche in Eutingen bedarf der laufenden Abstimmung zwischen Architekt, Planern, ausführenden Handwerkern.

03.09.2010
  • Rainer Sattler

Eutingen. Auch das Landesdenkmal hat ein wachsames Auge darauf, dass die denkmalpflegerischen Aspekte bei den Arbeiten am 1494 erbauten Gotteshaus so gut wie möglich beachtet werden. Vor allem die Zimmerleute werden dabei immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt – Handwerkskunst und kreative Lösungen sind an vielen Stellen gefragt.

Ulrich Boeyng vom Amt für Denkmalpflege war vor Ort und auch Architekt Ralph Schneider vom bischöflichen Bauamt verfolgt den Fortschritt der Arbeiten aufmerksam – schließlich trägt das Ordinariat mit erheblichen Zuschüssen zur Maßnahme bei. Ebenfalls gestern dabei waren der Eutinger Architekt und Bauleiter Timo Raible, Steinmetzmeister Jürgen Poppitz, Kirchenpflegerin Cäcilia Arnoldt, Ortshistoriker Willi Schaupp und Mitglieder des Bauausschusses.

Eine der Hauptaufgaben bei der Dachstuhlsanierung besteht darin, neben der Behebung von Schäden am Gebälk Teile wieder auszubauen, die irgendwann in den letzten Jahrhundert eingesetzt wurden – und das nicht immer fachmännisch. Da ist es mit einfachem „Flicken“ nicht mehr getan.

Da ist die Eutinger Kirche übrigens kein Einzelfall, zahlreiche Gotteshäuser im Lande stehen vor ähnlichen Problemen, wie Ulrich Boeyng erläuterte. Lange Zeit habe man die Aufmerksamkeit auf die Raumschale, die Innengestaltung der Kirchen gerichtet, der Dachstuhl wurde oft stiefmütterlich behandelt. Erst in den Achtzigerjahren habe hier ein Umdenken eingesetzt. Dafür wolle man es jetzt richtig machen – zwar nicht ohne Rücksicht auf die Kosten aber doch so, dass eine „Baustelle Dachstuhl“ auf Jahrzehnte hinweg vermieden werden kann. Der notwendige Aufwand müsse betrieben werden und das mit größter Sorgfalt.

Bauleiter Timo Raible ist denn auch mit den Zimmerleuten der Firma Ott recht zufrieden, die auch für knifflige Ecken fachgerechte Lösungen finden, so wenn es beispielsweise gilt, sich 70 Zentimeter durchs Holz zu bohren. Geradezu geizig ist man im Absägen von alten Holzteilen, soviel wie möglich wird erhalten. Neues Holz kommt zum Einsatz, wird eng verbunden mit dem vorhandenen Bestand. Interessante und variantenreiche Techniken kommen zur Verwendung. Wo die alte Substanz nicht ausreicht, um im Verbund mit neuem Holz die notwendige Statik wieder herzustellen, muss Metall helfen. Eiserne und verzinkte Zuganker und Zuglaschen gewährleisten kraftschlüssige Verbindungen. Diese Teile gibt es aber nicht im Baumarkt zu kaufen, sie werden eigens nach den jeweiligen Bedürfnissen geschmiedet. So verschieden die technischen Lösungen auch sind, nach Meinung der besichtigenden Gruppe sieht das sehr vertrauenerweckend aus. Auch im Außenbereich kam man nicht um Sanierungsmaßnahmen herum. Ursprünglich war diesjedoch nicht in dem jetzt betriebenen Aufwand vorgesehen. Es ergab sich jedoch die Erkenntnis, dass man nicht die Kirche komplett herrichten und die Mauerwerksschäden belassen kann. Steinmetzmeister Jürgen Poppitz hat im Sockelbereich, an Gesimsen und an den Pfeilern etliche Sandsteinblöcke ausgewechselt, teilwiese saniert und Risse ausgebessert. Auch im Turmgewölbe ist das Mauerwerk bearbeitet und zur Sicherung der Natursteine neu ausgefugt. Zeitlich ist man relativ im Rahmen, soweit es in dieser Bauphase abschätzbar ist. Die Hoffnung bleibt bestehen, dass die Kirche bis zum Jahresende wieder benutzbar wird und eventuell sogar die Weihnachtsgottesdienst in Sankt Stephanus gefeiert werden können.

Wenngleich der Zeitrahmen wohl eingehalten werden kann, beim Kostenrahmen wird das mit Sicherheit nicht gelingen. Im ursprünglichen Finanzierungsplan war ein Spendenaufkommen von 40 000 Euro kalkuliert, gut 20 000 Euro sind bis jetzt in der Spendenkasse angekommen, damit wäre eigentlich der Halbwert erreicht. Allerdings ist in diesen Kosten der zusätzliche Aufwand für die Restaurierung des Chores noch nicht berücksichtigt, hier müssen voraussichtlich weitere 50 000 Euro aufgebracht werden.

Info Spendenkonto für die Kirchenrenovation: Kreissparkasse Freudenstadt, Konto 517146, Bankleitzahl 64251060; Volksbank Horb, Konto 34964010, Bankleitzahl 64291010.

Die Dachsanierung ist längst nicht alles, was an Sankt Stephanus gemacht wird
Ein Altes Grabkreuz fand sich in der Kirchenbühne an einen Balken genagelt. Es stammt mit großer Wahrscheinlichkeit von dem „Kirchhof“, der einst direkt um die Kirche herum angelegt war. Restaurator Erich Buff, welcher die Deckengemälde im Kircheninneren saniert, wird das Kreuz in seiner Werkstatt restaurieren. Bilder: rs

Die Dachsanierung ist längst nicht alles, was an Sankt Stephanus gemacht wird
Altes und neues Holz verbunden mit der uralten Technik der Holznägel.

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03.09.2010, 12:00 Uhr

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