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"Die Deutschen-Hasser sitzen ganz oben"
AfD-Landeschef Jörg Meuthen in Waiblingen: "Wir wollen Volkspartei sein, die Geschicke lenken." Foto: dpa
AfD grenzt sich von anderen Parteien scharf ab - Meuthen für offene Oppositionsarbeit

"Die Deutschen-Hasser sitzen ganz oben"

Auf ihrem Waiblinger Parteitag zeigte sich die AfD mit zwei Gesichtern: Im Landtag will man unbequem, aber auch konstruktiv auftreten. Gleichzeitig gab es verbale Prügel für die verhassten "Kartellparteien".

25.04.2016
  • BETTINA WIESELMANN

Waiblingen. Starker Polizeischutz sicherte am Samstag das Waiblinger Bürgerzentrum, wo sich über 300 Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) zum 9. Landesparteitag versammelten. Rund 200 Demonstranten machten zum Auftakt vor dem abgeschrankten Zugang gewaltfrei ihrem Unmut Luft. Einige skandierten: "Verpisst euch, keiner vermisst euch!" Andere zeigten Schilder wie "Blau ist das neue Braun." Oberbürgermeister Andreas Hesky (Freie Wähler) unterhielt sich mit Demonstranten.

Von einer "kleinen Meute" sprach Bernd Grimmer, direkt gewählter Abgeordneter aus Pforzheim und einer der drei Sprecher des Landesvorstands. Der Stuttgarter Stadtrat Lothar Maier ("wir sagen, was ist") gefiel sich mit einer an braune Zeiten erinnernden Wortwahl. Er machte "zum Teil die verkommendsten Elemente, die es in diesem Land gibt" vor der Tür aus.

Überdeutlich waren zuvor schon die frenetisch beklatschten Grußworte. Die rheinland-pfälzische stellvertretende Landesvorsitzende Christiane Christen erkannte in den jüngsten AfD-Wahlerfolgen den Auftrag, "dass wir dieses gesamte verkrustete System der Altparteien durchschütteln. Die ungestörte Zeit des Durchregierens ist vorbei."

Alice Weidel, Beisitzerin im AfD-Bundesvorstand, behauptete, "die SPD will Scharia-Gerichte einführen." Unter Bezug auf die überfällige Islam-Debatte ("wir machen ernst mit der Verteidigung westlicher Werte") fügte sie an: "Die Deutschen-Hasser sitzen ganz oben." Eine Vorgabe, die Maier aufgriff, als er mit Blick auf "jene furchtbare Frau im Kanzleramt" sich den "Repräsentanten der Unkultur" zuwandte. Wenn diese von Weltoffenheit sprächen, meinten sie "die Auslieferung des Landes an fremde Interessen." Hinter dem Begriff Bündnistreue verstecke sich bloß "die vasallenhafte Unterwerfung unter amerikanische Machtinteressen." Der AfD hingegen gehe es um "die konsequente Verteidigung des Eigenen."

AfD-Landeschef Jörg Meuthen, Fraktionsvorsitzender im neuen Landtag, lobte die "hervorragenden Reden". Er machte sich über "die ach so aufrechten Demokraten in den Kartellparteien" lustig, die dem Volk vorwürfen, mit der AfD die falsche Partei gewählt zu haben. Meuthen, der zusammen mit Frauke Petry auch die Bundespartei führt, unterstrich wie die Vorredner das strategische Ziel: "Wir wollen Volkspartei sein, die Geschicke lenken." Ein Wahlergebnis von 30 Prozent bei der Bundestagswahl 2017 nannte er "nicht unrealistisch."

Sowohl inhaltlich wie stilistisch "dürfen wir nicht werden wie die anderen Parteien." Der Programm-Bundesparteitag in Stuttgart Ende dieser Woche werde die AfD positionieren als Partei des "modernen Konservatismus, der konsequenten Freiheitlichkeit und des weltoffenen Patriotismus", kündigte Meuthen an. Er verwahrte sich gegen "boshafte Zuschreibungen", wonach die AfD rassistisch oder eine Rechtsaußen-Partei sei: "Wir sind nicht generell gegen jede Zuwanderung, aber gegen massenhafte aus anderen Kulturkreisen."

Als Landtagsabgeordnete müsse man Ansprechpartner "auch für jene, die uns kritisch sehen" sein. "Wir wollen sie überzeugen und mit einer konstruktiven, offenen Oppositionsarbeit auffallen." Meuthen forderte seine Partei auf, "ein Stück wegzukommen von der Wagenburgmentalität." Dabei gehe es nicht um Anbiederung: "Wir tragen Volkes Stimme ins Parlament. Mit uns wird es ein ganzes Stück ungemütlicher."

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25.04.2016, 06:00 Uhr

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