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Die Dorfladen-GmbH
Landmarkt Unterkirnach: Bürgermeister Andreas Braun und Marktleiterin Birgit Krezalek. Foto: Petra Walheim
Nahversorgung

Die Dorfladen-GmbH

In Unterkirnach betreibt die Gemeinde über eine eigene Gesellschaft einen Supermarkt. Das ist einmalig im Land und Teil eines Forschungsprojekts.

04.11.2016
  • PETRA WALHEIM

Unterkirnach. Andreas Braun ist stolz auf sein Projekt, auch wenn er sich damit verwaltungsrechtlich in einer Grauzone bewegt. Vor gut einem Jahr sah es so aus, als würde die Gemeinde Unterkirnach im Schwarzwald-Baar-Kreis mit knapp 2600 Einwohner ihren einzigen Einkaufsladen verlieren. Das wollte und konnte der Bürgermeister nicht zulassen. Er schöpfte alle Möglichkeiten aus, holte Genehmigungen vom Landratsamt und der Kommunalaufsicht ein, gründete eine GmbH, stellte Mitarbeiterinnen ein und schaffte es so, den Landmarkt als 100-prozentige Tochter der Gemeinde zu halten. „Das ist landesweit einmalig“, betont Braun. Aber es werde keine Dauerlösung sein.

Aktueller Stand ist, dass die Gemeinde einen „Vollsortimenter mit über 4000 Artikeln“ betreibt. Vom Schulheft bis zum Schweineschnitzel gibt es alles. „Wir haben hier 90 000 Übernachtungen im Jahr“, sagt Braun. Im Umkreis von fünf Kilometern gebe es keine Einkaufsmöglichkeit. Ihm sei nichts anderes übrig geblieben, als den Landmarkt zu halten. „Das ist für die Bürger und den Tourismus wichtig.“ 20 Prozent des Umsatzes werden nach seiner Aussage von Feriengästen erzielt. „Hätten wir ihn zugemacht, wäre das für die Feriengäste ein Desaster gewesen.“

Das Problem, mit dem Unterkirnach zu kämpfen hat, ist nicht neu und auch kein Einzelfall. In vielen kleineren oder auch größeren Orten auf dem Land gibt es schon lange keine Einkaufsmöglichkeit mehr. In manchen sind die Bürger selbst aktiv geworden, haben Genossenschaften gegründet und betreiben einen Laden.

In vielen Fällen jedoch ist es schon ein Glücksfall, wenn die Bürger in den Ortskernen ihr Brot in der Filiale einer Bäckereikette holen können. Ärzte, eine Apotheke, eine Metzgerei sucht man vergeblich. Die Einkaufsmärkte stehen in den Gewerbegebieten, weit draußen, für ältere Menschen oft nicht mehr erreichbar.

Deshalb und weil die Bevölkerung immer älter wird, stellt sich die Frage, wie das mit der Nahversorgung weitergehen soll. Das AGP-Institut, eine Einrichtung für angewandte Sozialforschung an der evangelischen Hochschule Freiburg, hat zu diesem Thema das Forschungsprojekt „Soziale Nachbarschaft und Technik“ (SoNaTe) gestartet. Dessen Ziel ist, ein „neuartiges, digitales Kommunikationsnetzwerk“ für die Nachbarschaftshilfe zu entwickeln.

„Das soll genossenschaftlich organisiert und digital unterstützt sein“, sagt Birgit Schuhmacher. Sie ist im Institut in den Bereichen Geschäftsführung, Wissenschaft und Projektleitung tätig. Da das Forschungsprojekt noch in den Anfängen steckt, ist sie mit Informationen zurückhaltend.

Das Projekt läuft unter der Rubrik „Technik zum Menschen bringen“. Es hat ein Volumen von 6,43 Millionen Euro und wird vom Bundesforschungsministerium mit 77 Prozent gefördert. Es läuft bis Oktober 2020. Kooperationspartner sind unter anderem die Stadt und die Uni Freiburg,

Es geht darum, in mehreren Kommunen in Südbaden herauszufinden, welche Infrastruktur vorhanden ist, was fehlt, und wie Angebote, die es vielleicht in einer Kommune gibt, anderen zugänglich gemacht werden können. Dafür soll ein „stärkendes, digitales Netzwerk aufgebaut werden“, sagt Schuhmacher. Dabei geht es um Einkaufsmöglichkeiten, Fahrdienste, Freizeitangebote und mehr.

Einer der Kooperationspartner ist die Großhandelszentrale Okle in Singen. Über sie bezieht der Landmarkt in Unterkirnach seine Waren. Damit gehört Unterkirnach zum Forschungsgebiet. Das erstreckt sich über mehrere Regionen in Südbaden. Schuhmacher: „Es ist kein zusammenhängendes Gebiet, es sind einzelne Punkte, die wir untersuchen.“

Unterkirnach ist nicht nur wegen des Landmarkts interessant. Das Dorf, zu dem 180 Höfe im Außenbereich gehören, hat es geschafft, sich eine vorzeigbare Infrastruktur zu erhalten und damit bewiesen, dass es möglich ist. „Wir haben zwar von jedem nur eins“, sagt Braun. Aber immerhin gebe es einen Arzt, eine Apotheke, eine Tankstelle und den Landmarkt, in dem Bäckerei und Metzgerei integriert sind.

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04.11.2016, 06:00 Uhr

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