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Das schönste Bett

Die Dorfrocker, eine fränkische Bierzelt-Boygroup, in Hirschau

Wenn die Adventszeit da ist, ist der Herbst definitiv vorbei. Außer bei den Katholiken. Deren Gebiet beginnt, von Tübingen aus gesehen, in Hirschau. Was dort am Samstagabend in der Stefan-Hartmann-Halle stattfindet, ist jahreszeitlich eindeutig dem Herbst zuzurechnen, widerspricht jedoch der winterlichen Kälte um die Halle herum.

03.12.2012

Drinnen herrschen Bierzeltatmosphäre und eine enorm hohe Dirndl-Quote. Männer, die keine bayerische Lederhose, ja noch nicht einmal ein kariertes Hemd tragen, ernten missbilligende Blicke. Gut, die vierte Jahreszeit hat ja bereits begonnen, am 11. November, wie immer.

Für die Oktoberfeststimmung tut die Vorgruppe wenig zur Sache. Sie nennt sich Wälderblut. Alexander am Akkordeon, Gitarrist Thorsten und Rainer, der hinter einem Keyboard sitzt, einen Bass umhängen, sowie eine Tuba neben sich stehen hat, mühen sich um Stimmung. AC/DC‘s „Highway to Hell“ mag nicht recht zünden, selbst „Schatzi, schenk mir ein Foto“ reißt das Publikum nicht auf die Bierbänke. Immerhin tanzt ein Paar vor der Bühne Disco-Fox.

Nein, die Leute sind nicht wegen Wälderblut da. Die Pausenmusik vom Band gibt auch keinen Hinweis: „Er hat ein knallrotes Gummiboot“, „Anita“ und Heinz-Rudolf Kunzes „Dein ist mein ganzes Herz“ laufen kommentarlos hintereinander. Aber dann: Wie auf Kommando stehen plötzlich alle im vorderen Teil des Saals auf den Bierbänken. Eine hymnische Eingangsmelodie. Plötzlich sind die drei dauergrinsenden Brüder Tobias, Markus und Philipp Thomann überall auf der Bühne. Sie sind die Dorfrocker. Ihr Motto: „Wir rocken jedes Kaff.“ Und weil das so ist, heißt die erste Zeile ihres Auftaktstücks „Remmidemmi“ selbstverständlich auch „Jetzt geht’s los“.

Über 700 Konzertgäste gehen voll ab. Aus Bitz und aus Beffendorf bei Oberndorf am Neckar sind Fanbusse voller Feierbiester da. Die Mädels sind besonders wild, sie zerren an Jacken und Notizblöcken, die die Feierfreudigkeit der Männer nur sinnlos einschränken.

Vor der Bühne klebt bereits der Boden. Die Musiker stimmen derweil ihren Gassenhauer Vogelbeerbaum an. Darin wird verraten, das schönste Bett sei die Elisabeth, der teuerste Wald der Rechtsanwalt und das bitterste Bier das Klopapier. Und das alles in einer Mischung aus Brettljausen-Fröhlichkeit und Bierzelt-Hardrock.

In der Pause wird der „Dorfladen“ gestürmt, der Merchandising-Stand der Dorfrocker. Für diejenigen, die noch kein „Dorfkind“- oder „Vogelbeerbaum“-T-Shirt ihr eigen nennen, gibt es dort noch Dorfrocker-Fanschals, -Bierkrüge, -Teddys und -Damenslips zu erwerben. Zu Weihnachten will man ja jemanden beschenken .Michael Sturm

Die Dorfrocker, eine fränkische Bierzelt-Boygroup, in Hirschau
Posen auf die fränkische Art: Die Dorfrocker. Von rechts: die Brüder Markus, Tobias und Philipp Thomann, sowie der nachnamenlose Keyboarder Kevin. Bild: Franke

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03.12.2012, 12:00 Uhr

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