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Mit Engelszungen

Die Echaz: Es ist was im Fluss

Ganz Reutlingen – na, übertreiben wir mal nicht und sagen vorsichtig halb – schwärmt von der „Kulturmeile“ entlang der Echaz. Und wir schwärmen auch – begründetermaßen:

18.09.2012
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Was das Forum Reutlingen, die weiblich dominierte und sicher deshalb kreativste Bürgerinitiative in der Stadt – am Samstag auf die Beine gestellt hat, wird so schnell keiner toppen. Dem Forum um seine beiden Protagonistinnen Martina Kaplan und Annette Sommer ist es gelungen, sichtbar zu machen, wovon andere bisher nur geredet haben: die „Kulturmeile“ an der Echaz auf eine zum weiteren Mitmachen anregende Weise sinnlich werden zu lassen. Entlang von Ateliers, vorbei an eigens für diesen Tag kreierten Performances, den etablierten kulturellen Einrichtungen von VHS, Kunstmuseum und Bibliothek hat die Idee der Echaz-„Kulturmeile“ gezündet – eines, nebenbei bemerkt, von den soziokulturellen Zentren Kulturschock Zelle am oberen und franz. K am unteren Ende markierten Corsos.

Neu daran ist, dass der Gedanke noch nie so greifbar und anschaulich präsentiert wurde. Zwar hat auch schon die Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz dem Gemeinderat Planungen zur Renaturierung der Echaz vorgelegt, bei denen irgendwie auch die Idee eines verbindenden kulturellen Bandes durchschimmerte. Ernst genommen hat sie, allerdings eher im Konjunktiv, erst die Hamburger Einkaufscenter Entwicklungsgesellschaft (ECE), als sie Reutlingen auf dem Hauptpost-Areal ein überdimensionales Einkaufszentrum verpassen wollte. Tatsächlich versprachen im Juni 2008 die ECE-Manager Gerd Wilhelmus und Sandra Harms der Stadt eine, wie sie es nannten, „Kulturpromenade“, auf der man die Perlen des Reutlinger Kulturlebens auffädeln könnte – vom Spendhaus bis zur Firma Stoll in der Emil-Adolff-Straße, wo sie Raum für das Industriemuseum erkundet hatten. Den Kunstverein wollten sie ins Center am Wandelknoten integrieren, damit die Männer etwas zu tun haben, solange die Frauen shoppen gehen.

Fast zu schön, um wahr zu sein. Und weil es so verführerisch klang, klang es auch vergiftet. Was sich die ECE-Manager ausgedacht hatten, war nichts anderes, als ein schillernder Marketing-Gag: Ihr gebt uns das Hauptpost-Areal, wir bezahlen mit Kultur. Kultur als Münze.

Man kann froh sein, dass Reutlingen dank geballten Widerstands dieser Import erspart blieb. Eine Vision aber, deren Antrieb sich aus dem Genius Loci speist, ist dem gegenüber ein unschätzbarer Gewinn. So gesehen setzen wir darauf, dass das Event am Samstag erst der Anfang einer Serie war, die „Wasser in der Stadt“ als Kultur befördernde – und durch Kultur befruchtete – städtebauliche Chance begreift. Das ist ein Traum und doch keiner. Vor 50 Jahren war die Echaz eine Dreckbrühe, heute baden dort Forellen. Es wird keine 50 Jahre mehr zu dauern, bis die „Kulturmeile“ entlang der Echaz Realität ist. Es ist etwas in Fluss gekommen.

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18.09.2012, 12:00 Uhr

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