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Die Einkommen der Bauern gehen weiter zurück
Steigende Milchpreise und eine große Nachfrage aus Asien haben das Geschäft der Milchbauern positiv beeinflusst. Doch im Schnitt sinken die Einkommen der Landwirte. Foto: Bildquelle
Landwirtschaft

Die Einkommen der Bauern gehen weiter zurück

Schweinehalter kämpfen mit sinkenden Preisen. Milcherzeuger können ihr Ergebnis gegen den Trend verbessern.

16.12.2016
  • SIMONE DÜRMUTH

Der Brexit wird uns viel mehr beschäftigen als Trump“, davon ist Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes (LBV) Baden-Württemberg überzeugt. Zwar müsse man davon ausgehen, dass das Freihandelsabkommen TTIP mit dem Amtsantritt von Donald Trump in den USA Geschichte sei, aber mit einem Exportvolumen von 1,6 Mrd. EUR sei der amerikanische Markt für die Deutsche Landwirtschaft eher weniger bedeutsam. Mit 4,8 Mrd. EUR liegt das Exportvolumen nach Großbritannien deutlich darüber. „Die Frage bleibt, worauf einigt man sich und wie wird der Marktzugang geregelt“, so Rukwied bei der Jahrespressekonferenz des Landesbauernverbands (LBV) in Stuttgart.

Um durchschnittlich 0,8 Prozent sind die Unternehmensergebnisse von landwirtschaftlichen Betrieben in Baden-Württemberg im Wirtschaftsjahr 2015/2016 zurückgegangen und liegen damit noch bei 35 135 EUR. Der LBV-Präsident betrachtet diese Entwicklung mit Sorge: „Ändert sich nichts an der Einkommenssituation unserer Bauern, verlieren wir einen wichtigen Teil der regionalen Erzeugung.“

Im Bundesschnitt erzielten die Betriebe mit 39 688 EUR ein um rund 13 Prozent höheres Ergebnis. Trotzdem habe Baden-Württemberg endlich die „rote Laterne“ abgegeben, sagt Rukwied. Allerdings habe man den drittletzten Platz vor Hessen und Nordrhein-Westfalen nicht unbedingt den eigenen Ergebnissen zu verdanken: Da der Schweinepreis im abgelaufenen Geschäftsjahr stark gesunken ist, traf dies zum Beispiel Nordrhein-Westfalen überdurchschnittlich hart. „Wenn der Schweinepreis wieder steigt, überholen die uns im kommenden Jahr“, ist Rukwied überzeugt.

Doch auch in Baden-Württemberg haben es die Veredelungsbetriebe, also Nutztierhalter, schwer. Deren ohnehin niedrige Einkommen sind um weitere 20 Prozent gesunken. Damit erwirtschaftete ein Betrieb noch 27 021 EUR. Vor allem der starke Rückgang der Schweinepreise um 9 Prozent macht ihnen zu schaffen.

Eher unerwartet ist das positive Ergebnis der Milchbauern, sie erwirtschafteten 2,3 Prozent (37 374 EUR) mehr als im Vorjahr. Sie profitierten von sinkenden Preisen für Energie, Wasser und Treibstoffe, aber auch vom Wegfall der Quotenkosten, wenn zum Beispiel mehr produziert wurde als vorgesehen. Zwar sank der Milchpreis im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent, trotzdem stand für die Milchbauern am Ende ein Plus. Jüngst zog der Milchpreis wieder an, im November lag er in Baden-Württemberg bei 32,5 Cent je Liter und damit über dem Bundesdurchschnitt. Rukwied macht hier ein Nord-Süd-Gefälle aus, der Unterschied liege bei bis zu 5 Cent je Liter. Grund für den Anstieg sei unter anderem die steigende Nachfrage aus dem asiatischen Raum. Zwar machten Exporte in den außereuropäischen Raum nur etwa 5 Prozent aus, die könnten aber entscheidend sein um den Markt zu entspannen.

Ebenfalls zulegen konnte der Weinbau mit einem Plus von 6,5 Prozent (48 515 EUR). 2015 sei was Qualität und Quantität angeht ein guter Jahrgang gewesen, der lange trockene Sommer haben den Winzern in die Hände gespielt. Auch der Jahrgang 2016 dürfte gut werden, schätzt Rukwied. Allerdings werde er wegen starken Regens regional sehr unterschiedlich ausfallen.

Eine Spitzenreiterposition nehmen die Obstbetriebe ein, sie verbessern ihr Ergebnis um 12,3 Prozent (34 835 EUR). Zwar sei die Erntemenge um ein Viertel niedriger als im Vorjahr, aber die höheren Preise machten dies wieder wett. Zu kämpfen haben neben den Veredelungsbetrieben vor allem der Ackerbau (minus 10,3 Prozent) und Futteranbaubetriebe (minus 6,7 Prozent).

Keine Rücklagen möglich

Besorgniserregend an der Gesamtentwicklung ist laut Rukwied vor allem, dass die Betriebe keine Rücklagen bilden könnten. „Damit ein Familienbetrieb seine Existenz dauerhaft sichern kann, ist eine Eigenkapitalbildung von jährlich 10 000 bis 15 000 EUR nötig.“ Im vergangenen Wirtschaftsjahr konnten die Landwirte im Schnitt aber gerade mal 2000 EUR zur Seite legen. Auch Investitionen seien mit einer so dünnen Finanzdecke kaum zu stemmen. Gegenüber dem Vorjahr haben sich diese etwa halbiert. Die Nettoinvestitionen je Betrieb hätten bei gerade ml 2900 EUR gelegen. „Dafür bekommt man einen Hinterreifen für einen Schlepper“, so Rukwied.

Etwas besser stehen allgemein Bio-Betriebe da, auch wegen der deutlich höheren Direktzahlungen – also zum Beispiel EU-Subventionen. Aber die Umstellung des Betriebs allein reiche nicht, so Rukwied. „Man muss auch Möglichkeiten zur Vermarktung haben.“

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16.12.2016, 06:00 Uhr

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