Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Notfalls durchs Feuer

Die Entringer Wehr feierte ihre 150-Jähriges

1862 nahm die Entringer Freiwillige Feuerwehr den organisierten Kampf gegen die Flammen auf. So abwechslungsreich wie ihre Aufgaben war auch ihr dreitägiges Jubiläumsprogramm.

18.06.2012
  • Sascha Geldermann

Entringen. Der Startschuss fiel am Freitagabend mit einer Schaumparty am Feuerwehrhaus, das sich in dieser Zeit in einen Strand verwandelte. Es folgten zwei weitere Tage mit einem umfangreichen Programm. Besonders feierlich war der Festakt am Samstag in der Kelter.

Vertreter aus Politik, Kirche und Vereinen gaben sich hier die Klinke in die Hand, um zum 150-jährigen Bestehen zu gratulieren. „Im Laufe der Zeit hat sich viel geändert, die Motivation ist aber geblieben“, sagte Ammerbuchs Bürgermeister Friedrich von Ow-Wachendorf. Zwei Brände habe es in diesem Jahr bereits gegeben, und beide hatten die Einsatzkräfte schnell unter Kontrolle. Von Ow-Wachendorf dankte dafür und auch für all die anderen Einsätze der Wehr, die weit über die Brandbekämpfung hinausgehen.

32 Feuerwehrmänner und eine Feuerwehrfrau zählen zur Entringer Abteilung. Ammerbuchs Kommandant Horst Hiller betonte, wie wertvoll deren ehrenamtlicher Dienst für die Bürger sei. Einer für alle, alle für einen – das sei heute nicht mehr selbstverständlich. Für Hiller soll die Freiwillige Feuerwehr idealerweise „wie eine alte Jungfrau“ sein: „Stets bereit, aber doch nie gebraucht.“

Landrat Joachim Walter hob hervor, wie vielfältig und umfangreich die Aufgaben der Einsatzkräfte sind. Um denen gewachsen zu sein, müsste die technische Ausrüstung auf höchstem Niveau gehalten werden. Da passte es, dass Bürgermeister von Ow-Wachendorf gestern den neuen Gerätewagen Logistik GW/L2 an die Freiwillige Feuerwehr übergab.

Feuerwehr- und Weltgeschichte beim Festakt

„Die Geschichte der Brandbekämpfung wird nicht nur von technischem Fortschritt bestimmt, sondern vor allem von dem Einsatz der Feuerwehrmänner und -frauen“, sagte Walter. Dennoch tauchte der Landrat ein bisschen in die Geschichte des Löschwesens ein, sodass die rund 100 Gäste erfuhren, wann das erste Feuerwehrauto in Deutschland zum Einsatz kam – nämlich 1902 und damit 40 Jahre nach Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Entringen.

Kreisbrandmeister Karl Hermann ging bei seiner humorvollen Festrede in der Zeit noch viel weiter zurück: „Als Gott Land und Wasser trennte“, begann er, „schaffte er in weiser Voraussicht die Grundlage für das Feuerwehrwesen.“ Bedarf dafür sei erst viel später aufgekommen. Dann habe es aber im Jahr 64 in Rom, 1666 in London und vor einigen Wochen im Kreis Tübingen gebrannt. In den ersten beiden Fällen sei das fatal ausgegangen, doch letztgenannter Brand konnte schnell gelöscht werden. Welchen Vorteil Tübingen hatte? „Eine koordinierte Feuerwehr.“

Entringens Abteilungskommandant Dieter Karmann konzentrierte sich nach diesem Ausflug in die Weltgeschichte lieber wieder auf die vergangenen 150 Jahre. Dabei erinnerte er auch daran, dass die Freiwillige Feuerwehr von 1906 bis 1979 in der Kelter untergebracht war – ganz ohne fließendes Wasser und sanitäre Einrichtungen. Danach zog die Abteilung in das heute bekannte Feuerwehrhaus und bekam als „Morgengabe“ auch noch ein neues Tanklöschfahrzeug.

Generell gingen die großen Feierlichkeiten der Freiwilligen Feuerwehr oft mit neuen Fahrzeugen einher. Zum 125-jährigen Bestehen gab es einen neuen Mannschaftstransportwagen, der noch bis heute im Einsatz ist, Ende des Jahres aber ersetzt werden soll. Einen näheren Blick auf ihre Vehikel ermöglichte die Entringer Abteilung gestern bei einer Fahrzeugschau.

Am letzten Tag der Jubiläumsfeierlichkeiten gab es außerdem ein Kinderprogramm, während der Musikverein Entringen die Ohren verwöhnte. Beim Festakt am Samstag waren es Anja Beuer, Achim Braun und Dieter Dörrenbächer von der Musikschule , die für eine klassische Untermalung sorgten. Am selben Tag, aber ein bisschen später, gab es außerdem Kabarett: „Die Drei vom Dohlengässle“ brachten im Feuerwehrhaus zum Lachen.

Zwei Schauübungen demonstrierten Können

Die Feuerwehr tischte aber nicht nur Unterhaltung auf, sondern demonstrierte auch die eigenen Fähigkeiten. Sowohl die Abteilung Entringen als auch die Jugendfeuerwehr Ammerbuch (siehe Kasten) bewiesen bei Schauübungen, dass auf sie Verlass ist. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Abteilungskommandant Karmann versprach den Bürgern: „Wie gehen auch weiterhin für Sie durchs Feuer.“

Die Entringer Wehr feierte ihre 150-Jähriges
Bürgermeister Friedrich von Ow-Wachendorf (rechts) übergab symbolisch den Schlüssel für ein neues Feuerwehrfahrzeug an Dieter Karmann.Bild: Franke

„Nachwuchssorgen haben wir keine“, sagte Abteilungsleiter Dieter Karmann. Seit zwei Jahren gibt es die Jugendfeuerwehr Ammerbuch mit 40 Mitgliedern zwischen zehn und 18 Jahren. Zehn davon stammen aus Entringen. Die Kinder und Jugendlichen erhalten auf spielerische Art und Weise eine Grundausbildung. Landrat Walter hob die Bedeutung des Nachwuchses bei der Feier hervor. Für dessen Förderung überreichte er eine Spende an die Freiwillige Feuerwehr Entringen. Den Betrag nannte er nicht, sagte aber: „Ganz viel ist es nicht – aber auch kein Münzgeld.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

18.06.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball