Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Wirbel um den Spätzleshaker

Die Erfinderin und ihr Geschäftspartner setzen sich nun gerichtlich auseinander

Schon im Mai sollte er auf dem Markt sein, und derzeit liegen sogar zwei fertige Spätzleshaker-Modelle auf Eis. Die Tübinger Erfinderin Susann Hartung und ihr Geschäftspartner streiten sich jedoch um die Rechte.

22.07.2010
  • Ulla Steuernagel

Tübingen. Anfang des Jahres testeten TAGBLATT-Leser einen Mixbecher, der zum Entwicklungshelfer einer bislang unterentwickelten schwäbischen Schnellküche werden könnte. Susann Hartung hatte zusammen mit ihrem Sohn Julien einen Spätzleshaker erfunden. Der Küchenhelfer, der blitzschnell eine kleine Spätzles-Mahlzeit möglich macht, ist eine umgewandelte Sportflasche mit einem Deckel, durch dessen Löcher der Teig in den Topf pladdert. Im Becher werden die Spätzle-Zutaten gemixt und schließlich in etwas flüssigerer Form als beim normalen Nudelteig durch die Düsen im Verschluss in das siedende Wasser gespritzt.

Die Sportflasche brachte sie zusammen

Tübingen schien auf diese Idee gewartet zu haben, denn Anfang Januar standen TAGBLATT-Leser Schlange, um einen Shaker der limitierten Testauflage zu ergattern. Damals dachte Hartung, sie sei kurz vorm Ziel und glaubte, den Shaker bald serienweise zum Verkauf anbieten zu können. Die Tübinger Tester benannten eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen für den Shaker. Ein paar Schwachpunkte waren zutage getreten, und die Erfinderin überarbeitete die Testversion dementsprechend. Doch es wurde Mai, und der Spätzleshaker kam nicht auf den Markt. Der Weg von der Erfindung über die Herstellung bis hin zum Vertrieb erwies sich als dornenreich. Dabei hatte Susann Hartung recht schnell einen Partner gefunden, einen Fachmann für Kaufmännisches und Vertrieb.

Auf Peter Weghorn war Hartung über ein Produkt in einem Tübinger Drogeriemarkt gestoßen. Eine Sporttrinkflasche aus Polypropylen, die genau die Kriterien erfüllte, die Hartung für ihren Shaker vorschwebten. Denn die Erfinderin wollte nicht für jedes einzelne Teil ihres Shakers eine neue teure Stahlform herstellen lassen. Weghorn empfahl sich ihr nicht nur, weil er eine in Tschechien produzierte Sportflasche mit Eignung zum Spätzleshaker vertreibt, er empfahl sich auch als Geschäftsführer der „Freewater Limited“, die unter anderem die Tübinger Kliniken und auch Schulen mit Trinkwasseranlagen versorgt.

Der Geschäftsmann und die Erfinderin kamen überein, eine „Spaetzleshaker Limited“ zu gründen, mit, wie bei Limiteds üblich, Firmensitz in England. Beide ließen sich als gleichberechtigte Direktoren eintragen, mit jeweils fünfzigprozentiger Beteiligung. Die Investitionen und Erträge wollten sie halbieren.

„Normalerweise“, so sagt Weghorn, „kriegen Erfinder drei bis fünf Prozent vom Gewinn.“ Seiner Meinung nach habe man in der Spätzle-Firma eine großzügige Lösung gefunden.

„Ich dachte immer, wir ergänzen uns gut“, sagt Hartung. Doch aus heutiger Sicht denkt sie das nicht mehr. Die Frage der Zuständigkeiten und der Rechte des neuen Partners und Geschäftsführers bot Konfliktstoff. Hartung, die drei Jahre lang an der Entwicklung des Shakers gearbeitet hatte und ihn als Gebrauchsmuster schützen ließ, wollte ihr Baby nicht so einfach aus der Hand geben. Sie wollte bei den Verhandlungen mit potenziellen Vertriebspartnern dabei sein. Weghorn jedoch verlangte, möglichst freie Hand zu haben und von Hartung eine schriftliche Vollmacht zu bekommen, mit der er die Gespräche über Lizenzvergaben auch alleine führen konnte. „Ohne ein solches Fundament kann man nicht in die Verhandlungen gehen“, sagt Weghorn. Auch habe er Hartung gesagt: „Was soll Ihnen schon passieren? Sie sind doch 50-Prozent-Partner!“

Das zweite Modell ist betont regional

Hartung jedoch mochte diese Rechte nicht ungeprüft auf den Partner übertragen und wollte an den Verhandlungen teilnehmen. Weghorn zeigt sich dagegen verwundert über den seines Erachtens unnötigen Einsatz der Erfinderin: „Frau Hartung hätte ihre 50 Prozent bekommen und sich in die Sonne legen können.“

Mittlerweile ist aus dem Hin und Her ein Rechtsstreit geworden. Susann Hartung kündigte ihre Beteiligung an der Limited auf. Weghorn klagt gegen die Kündigung und wirft seiner Partnerin geschäftsschädigendes Verhalten vor. Denn Hartung hat mittlerweile eine neue Gesellschaft (UG) gegründet, in der sie alleinige Geschäftsführerin ist. Diese Firma bringt ein zweites Spätzleshaker-Modell heraus, das fast ausschließlich in Baden-Württemberg produziert wird. Es unterscheidet sich vor allem als betont regionales Produkt, ansonsten jedoch nur in wenigen Details von dem Shaker der Limited.

Welcher der beiden Spätzleshaker nun das Rennen macht, das bedarf erst noch einer juristischen Klärung. Sie steht im Oktober vor dem Landgericht in Mannheim an. Jede der beiden Parteien zeigt sich siegessicher. „Wenn ein Geschäftsführer in Deutschland parallel eine Gesellschaft gründen kann, dann verliere ich meinen Glauben in unser Rechtssystem“, sagt Peter Weghorn.

Er habe außerdem schon rund 100 000 Euro in die Vorbereitung und Herstellung des Limited-Shakers gesteckt, während Hartung bisher wenig in die Limited investiert habe. Umso mehr wundert er sich, dass sie Geld für die Entwicklung eines zweiten Shakers herauswerfe. „Wir haben eine saublöde Situation“, ärgert er sich. Und auch darüber, dass Hartung ja „auf keinen Fall verlieren“ könne. Denn sie sei als Mit-Geschäftsführerin der Limited immer auf der sicheren Seite.

Hartung wundert sich ebenfalls über die Situation. Es will ihr nicht einleuchten, dass Weghorn im Namen der Spaetzleshaker Limited, die von ihm ja nur zu 50 Prozent vertreten werde, überhaupt gegen sie als die andere Hälfte klagen kann.

Bleibt zu hoffen, dass der Shaker nicht nur juristischen Wirbel verursacht, sondern demnächst auch die Zutaten, die für die Herstellung der Spätzle light nötig sind, durcheinander schüttelt.

Riesenandrang auf den Spätzle-Shaker

Riesenandrang auf den Spätzle-Shaker --

01:45 min

Die Erfinderin und ihr Geschäftspartner setzen sich nun gerichtlich auseinander
Schon rund drei Jahre lang haben Susann und ihr Sohn Julien Hartung an dem Spätzle-Shaker und seiner Optimierung gearbeitet. Archivbild: Metz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.07.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball