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Die Erscheinungen der Fata Morgana
Claude Monets Ölgemälde „In der Barke“ (1887). Foto: © RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Ausstellungen

Die Erscheinungen der Fata Morgana

Die Fondation Beyeler begeht ihr 20-jähriges Bestehen mit einer grandiosen Monet-Schau. Mit 62 Bildern zeigt sie sogar noch mehr als das Palais Barberini in Potsdam.

25.01.2017
  • CHRISTOPH MÜLLER

Basel. Kein großer Maler steht fortdauernd so sehr in der Gunst von Ausstellungsbesuchern wie Claude Monet, der 1926 86-jährig gestorben ist und ein so umfangreiches wie stilistisch sich atemraubend weiterentwickelndes Werk hinterlassen hat, das auf dem Kunstmark verlässlich die höchsten Preise erzielt. Monet, ein wahrhafter Urvater der Moderne, ist der Inbegriff des Impressionismus. Es vergeht kein Jahr, in dem es nicht mindestens eine Freude spendende Monet-Ausstellung gibt, weltweit. Alle meinen deshalb, ihn bis zum kleinsten Erforschungs-Detail in- und auswendig zu kennen. Monet garantiert ewigen Sonntag.

Noch nie aber haben es gleich zwei private Museen geschafft, fast am gleichen Eröffnungs-Tag mit einer spektakulären, in dreistelliger Millionenhöhe versicherten Monet-Ausstellung ihr Glück beim Publikum zu machen. In Potsdams neugeschaffenem Palais Barberini steht Monet mit 41 Gemälden aus fast allen Schaffensphasen im Mittelpunkt der weitausholenden Ausstellung „Impressionismus – die Kunst der Landschaft“, und im Baseler Vorort Riehen zieren ausschließlich 62 noch bedeutendere Monet-Meisterwerke das damit sein 20-Jähriges feiernde naturdurchlässige (Glashaus-)Museum der Fondation Beyeler, wo man gerade jetzt im Winter sehnlich darauf wartet, dass vor der Tür die berühmten Monet-Seerosen auch im echten Teich erblühen.

Alles Gesehene wird zu Farbe

Dabei ist nichts unnatürlicher als die alles in der Wirklichkeit Sichtbare auf magische Weise verzaubernde und auflösende Malkunst des Claude Monet. Die Ausstellungen legen großen Wert darauf, zu beweisen, dass es sich um artifizielle Konstrukte einer experimentierfreudigen Neusicht auf die genau studierte Wirkung von Licht und Schatten handelt. Alles Gesehene wird zu Farbe mit einer Vorliebe für Lila. Fleckenhaft, als hingetupfte Punkte oder in leichten, straffen Pinselstrichen. Die Welt als Wille und Vorstellung eines das ihm quälerisch als unmöglich Erscheinende doch möglich machenden Subjekts.

Natürlich wird die Natur, je weiter der Maler vordringt, immer abstrakter, also nicht mehr gegenständlich richtig wahrnehmbar. Selbst der Himmel als Licht- und Stimmungsspender bekommt am immer höher gelegten Horizont keine Einflussmöglichkeit mehr, er verschwindet spätestens bei den Seerosen. In Dunst und Nebel verschwimmen auf den topografisch stimmigen London-Bildern die Umrisse von kaum noch identifizierbaren Brücken und Gebäuden und werden zur Fata Morgana.

Das gewichtigere Spätwerk ist stärker vertreten in Basel. Potsdam fängt dafür früher an: Der früheste datierte Monet stammt dort von 1869, der früheste in Basel von 1879, beide noch von einem erst Lernenden. Äußerst atmosphärehaltige, absichtsvoll überbelichtete Schnee- und Überschwemmungsbilder sowie die mit farbigen Schatten in die abendländische Kunstgeschichte eingegangenen Heuschober sieht man in größerer Auswahl in Potsdam, dafür gibt es dort überhaupt keine vernebelte London-Ansicht und auch weniger aus den je nach Tageszeit ihr Erscheinungsbild wechselnden Pappel-Serien.

Bei den letztlich ausschlaggebenden Seerosen herrscht fast Gleichstand: vier in Potsdam, fünf in Basel (davon drei hauseigene). Alles in allem aber ist die weniger dicht gehängte und dafür schlüssiger durchkomponierte Basler Schau eine Klasse höher – die Chance, vergleichend dem beliebtesten aller Moderne-Maler gleich zwiefach genussvoll auf die Spur zu kommen, sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.

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25.01.2017, 06:00 Uhr

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