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Alarm am Katzenbach

Die Feuerwehr wird 125 Jahre alt

Mit einem großen Fest begeht die Freiwillige Feuerwehr Bad Niedernau morgen und übermorgen ihr 125-Jahr-Jubiläum.

12.06.2009
  • Walther Puza

Bad Niedernau. 570 Einwohner hat der Ort. 31 sind aktiv in der Feuerwehr. Die Jugendabteilung hat doppelt so viel Mädchen wie Jungen. Die Freiwillige Feuerwehr Bad Niedernau ist etwas Besonderes; nicht nur, weil sie sich meist nicht mit Bränden beschäftigt, sondern mit dem Wasser aus dem Katzenbach. Feuer gibt es im Ort eigentlich nie, Hochwasser fast regelmäßig.

Um 1850 wurden in Deutschland die ersten Freiwilligen Feuerwehren gegründet. Freilich war schon zuvor geregelt, wie sich Bewohner im Brandfall zu verhalten hatten. Jeder Einwohner war verpflichtet, beim Löschen zu helfen. In Bad Niedernau erinnert die historische Spritze aus von 1843 an diese Vorzeiten. Zur Gründung einer offiziellen Feuerwehr kam es am 28. Januar 1884.

Einen Tag später bewilligten Gemeinderat und Bürgerausschuss „zur Anschaffung der Requisiten eine runde Summe von 300 Mark aus der Gemeindekasse“. 1886 wurde die Wehr nach neuester Landesfeuerlöschordnung in fünf Abteilungen eingeteilt und erhielt weitere Schläuche, Seile sowie drei Helme für die Steiger. Allerdings nahmen die Räte davon Abstand, weiteres Material zum Wassertransport anzuschaffen.

Material- und Raumnot machten zu schaffen

Im Protokoll vom 26. November 1886 heißt es: „Die Gemeinde besitzt 4 Butten, neben den Wasserträgern sind 18 – 20 Mädchen verpflichtet mit Kübeln Wasser zu tragen, somit ist die Anschaffung von weiteren Butten entbehrlich.“ Auch ein Rädergestell sparten die Räte ein: Zum einen, weil keine Räumlichkeiten für dessen Aufbewahrung vorhanden seien; zum anderen „ist der Ort so klein, daß man im Falle eines Brandes in 3 Minuten am äußersten Haus mit den Leitern angelangt ist“.

An der Größe des Orts hat sich bis heute nicht viel geändert. Spätestens mit der Gründung der Jugendwehr vor elf Jahren kann von den Mädchen nicht mehr nur als Wasserträgerinnen gesprochen werden. Material- und Raumnot machten den Kameraden noch bis in die vergangenen Jahrzehnte zu schaffen. Erst 1971 bekamen die Niedernauer ein motorisiertes Löschfahrzeug. Zunächst stand es im Rathaus. Mit vereinten Kräften renovierten die Feuerwehrmänner zwei Jahre lang das ehemalige Armenhaus und bezogen es im Jahr des 100-jährigen Jubiläums als Gerätehaus. Heute ist es Garage für zwei moderne Fahrzeuge, ein Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 und einen Sprinter als Mannschaftstransportwagen. Es bietet zudem einen Kameradschafts- und Schulungsraum.

„Was bei einer Feuerwehr groß geschrieben werden soll und muss, ist die Kameradschaft“, sagt Abteilungskommandant Rainer Gramer: „Wenn man sich im Einsatz aufeinander verlassen muss, muss es auch danach stimmen.“

Gemeinsam gehen die Feuerwehrleute in die Berge. Für zehn Jahre waren sie mit ihrer restaurierten Handdruckspritze absolute Spitze: 1988, 1989 und 1992 gewannen sie den Wettbewerb für historische Handdruckspritzen der Markgräflich Badischen Museen in Salem. Gramer: „Das ist die Erste Bundesliga“. 1997 richteten die Niedernauer den Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des Markgrafen sogar aus. Selbst im Ausland konnte niemand die Pumpenmannschaft schlagen: 1995 gewann sie den 1. Schweizerischen Handdruckwettbewerb.

Spitze mit der Handdruckspritze

Im Ort kommt die Feuerwehr nicht nur, wenn‘s brennt: Mit über 30 Metern ragt der Maibaum Jahr für Jahr weit über die Dächer hinaus. Ortsvorsteher Albert Bodenmiller schätzt das gute Verhältnis zwischen Bürgerschaft und Wehr, „weil wir immer wieder den Schutz durch die Feuerwehr erfahren. Wenn wir Hochwasser haben, ist das ganze Dorf betroffen; da brennt nicht ein einzelnes Haus.“

Kam die Gefahr früher nur vom Neckar, bedrohen heute vor allem die urplötzlichen Hochwasser nach Regenfällen den Ort. Vor einem Jahr verwandelte ein Unwetter den lieblichen Katzenbach in einen Strom. Gramer: „Wir wissen, dass das nächste Hochwasser kommt. Meistens kommt es dann auch noch bei Nacht. Da ist der Bürger froh, wenn er eine örtliche Feuerwehr hat.“

Zwei Festtage mit großer Geräteschau

Die Bad Niedernauer Feuerwehr feiert am 13. und 14. Juni. Am Samstag um 18 Uhr sticht Oberbürgermeister Stephan Neher beim Gerätehaus das Fass an. Es folgt ein Festakt. Ab 20 Uhr spielen die Burroländer Musikanten auf. Der Sonntag beginnt um 8.45 Uhr mit einem Festgottesdienst, danach gibt‘s Frühschoppen und Mittagessen. Den Familiennachmittag mit Hüpfburg und Kinderschminken ab 14 Uhr bereichert die Jugendfeuerwehr mit einer Schau übung. Fast den ganzen Ort nimmt eine historische Geräteschau ein, ergänzt durch Ausstellungen in Backhäusle und Gerätehaus. Zum Jubiläum kommen auch beiden Partnerwehren aus Bad Häring (Tirol) und Werben (Brandenburg) mit einer Abordnung.

Die Feuerwehr wird 125 Jahre alt
Eine Spritze mit der Aufschrift 1843 und ein paar Mannen drum herum in historischer Montur. Das Gruppenbild dürfte von 1984 sein, als das 100-jährige Jubiläum anstand. Von links nach rechts sind zu sehen: Heinrich Müller, Martin Paul, Willi Müller, Rudi Barth, Siegbert Lohmüller und Edwin Lohmüller.

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12.06.2009, 12:00 Uhr

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