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Die Flugkurven von Gummibällen
Die 16-jährige Fiona Seger (sitzend) aus Lörrach hat Flugkurven von Gummibällen berechnet. Jetzt wartet sie gespannt darauf, wie die Jury ihre Arbeit bewertet. Ihre Mitbewerber kommen aus 28 Nationen. Foto: Helmut Ulrich
Wettbewerb

Die Flugkurven von Gummibällen

Auf der Internationalen Konferenz für junge Wissenschaftler in Stuttgart kämpfen neun Teilnehmer aus dem Land um Medaillen. Sie stellen ihre Forschungsprojekte vor – auf Englisch natürlich.

19.04.2017
  • BARBARA WOLLNY

Stuttgart. Trotz Osterferien herrscht im Heidehofgymnasium in bester Stuttgarter Halbhöhenlage Betrieb. Vorwiegend englisches Stimmengewirr tönt durch die Gänge. Junge Menschen – mehr Jungen als Mädchen – sind auf den Fluren zwischen den Klassenzimmern unterwegs, die meisten in Jeans und Turnschuhen, aber auch bunte Landestrachten wie Saris sind zu sehen. Einige der 170 Teilnehmer kommen aus Sri Lanka, Malaysia oder Korea und bestaunen in Stuttgart den ersten Schnee ihres Lebens. Zumindest kurzfristig vergessen sie so ihre Nervosität vor dem Auftritt.

„Ich hoffe auf eine Medaille“, sagt Kajetan Abele, 16, der in Ludwigsburg das Otto-Hahn-Gymnasium besucht. Zwei Jahre lang hat er rund zehn Stunden pro Woche an einem Kühlschrank gearbeitet, der wenig Energie braucht und auch mit Solarzellen betrieben werden kann. Damit könnte das Gerät speziell in Entwicklungsländern zu einer besseren Versorgung beitragen, weil Lebensmittel damit auch bei Stromunterbrechungen dauerhaft kühl gelagert werden können.

Alternative zu Antibiotika

Robin Schönegg aus dem deutschen Team befasst sich mit Brombeerpflanzen. Er experimentiert mit Extrakten aus den Blättern, um herauszufinden, ob sie eine Alternative zu herkömmlichen Antibiotika sein können. Erste Anfragen von Pharmafirmen sind bereits eingegangen.

Der Sindelfinger Jonas Gaiser hat sich dagegen mit der Lenkung von Indoor-Robotern beschäftigt und diese so verfeinert, dass Staubsauger oder Rasenmäher wesentlich genauer als bisher gesteuert werden können.

Alle drei kommen gerade aus dem Vortrag ihrer Teamkollegin Fiona Seger. Sie hat die Flugkurven von Gummibällen berechnet und mit denen von Tennis- oder Rugbybällen verglichen. „Mich hat es total fasziniert, warum die Flummys immer auf der gleichen Bahn zurückspringen“ erklärt sie. Sie wollte herausfinden, warum das so ist. „Ein direkter Nutzen war nicht das Ziel meiner Arbeit, auch wenn sie vielleicht für Tennis- oder Tischtennisspieler interessant sein könnte.“

Ihren 15-Minuten-Vortrag hielt Fiona in perfektem Englisch vor einer fünfköpfigen internationalen Jury. Im Zimmer herrschte dabei absolute Ruhe und Konzentration. Mit wandfüllenden mathematischen Formeln demonstrierte sie theoretisch die Flugbahnen der Bälle, auf Videos zeigte sie – in Zeitlupe gefilmt –, wie die Bälle fliegen und dazu hantierte sie vor Jury und Publikum noch selbst mit verschiedenen Bällen – ein absolut professioneller Auftritt der 16jährigen Lörracherin. Die internationale Konferenz der jungen Wissenschaftler wurde 1994 erstmals veranstaltet. Der jährlich in einem anderen Land durchgeführte Wettbewerb soll die Schüler mit wissenschaftlichem Arbeiten vertraut machen und Freundschaften mit Gleichaltrigen aus fremden Kulturen ermöglichen

. Eine Jury bewertet die Einzelpräsentation der Teilnehmer aus technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen und vergibt Gold-, Silber und Bronzemedaillen. Die rund 150 000 Euro teure Veranstaltung in Stuttgart mit Teilnehmern aus 28 Nationen wird unter anderem von der Bosch GmbH, der Bosch-Stiftung und der Heidehofstiftung gefördert.

„Gut sind die Teilnehmer alle. Und sie schaffen vor den Wettbewerben oft Tag- und Nacht. Alle werden nach der Schule an einer Universität studieren – wenn auch nicht unbedingt das Fach, aus dem sie hier ihre Forschung vorgestellt haben“, meint Helmut Ruf, einer der beiden Teamleiter, der die neun deutschen Schüler im Alter zwischen 16 und 20 Jahren während des Wettbewerbs begleitet.

Der ehemalige IT-Spezialist ist nach einigen Jahren in der Industrie in seinen Wunschberuf Lehrer gewechselt und unterrichtet jetzt Mathe und Physik in Tuttlingen. Die Aussichten des deutschen Teams beurteilt Ruf als gut. Er sagt: „Wir haben im letzten Jahr beim Wettbewerb in Rumänien sechs Goldmedaillen geholt und werden auch bei der Abschlussveranstaltung am Freitag erfolgreich sein. Aber es geht hier nicht in erster Linie ums Gewinnen, sondern – wie bei Olympia – ums Dabeisein und Mitmachen.“

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19.04.2017, 06:00 Uhr

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