Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Das Nicknegerle ist wieder da

Die Franziskaner im Weggental hatten die umstrittene Spendenfigur verstaut. Nun ist sie wieder da.

Die Nachricht verbreitete sich an Weihnachten in Windeseile durch Rottenburg: „Das Nicknegerle ist wieder da.“ Nach heftiger Kritik an der historischen Krippenfigur hatte der damalige Hausherr, der Franziskaner-Guardian Pater Franz, das Negerle im Februar 2008 aus dem Verkehr gezogen und an unbekanntem Ort verstaut (siehe Kasten).

29.12.2016

Von Ursula Kuttler-Merz

Nun, wenige Wochen nach dem Wegzug der Franziskaner, ist die Figur wieder aufgetaucht und bittet wieder um Spenden. Das Opfergeld der aktuellen Krippen-Saison kommt jungen Menschen in Afrika, Indien und Lateinamerika zugute, im Rahmen der Aktion „Berufliche Bildung: Motor für Entwicklung“ des Internationalen Kolpingwerks.

Als Ersatz für das abgeräumte Negerle diente eine hellhäutige Hirtenfigur, in die man ebenfalls Geldmünzen stecken konnte. Beim Publikum war sie nur mäßig beliebt.

Die Rückkehr des Negerles geht auf eine Initiative von Mitarbeitern der „geistlichen Krippenführungen“ und der Ehrenamtlichen zurück, die sich seit vielen Jahren und den Auf- und Abbau des Kripple kümmern. „Hinter uns“, so betont Krippenführer Ludwig Rudloff, „steht auch Dompfarrer Harald Kiebler.“ Seit dem Wegzug der Franziskaner-Patres ist der Dompfarrer auch für die Weggentalkirche zuständig. Wir konnten ihn telefonisch nicht erreichen.

Reinhold Vollmer, Ansprechpartner der ehrenamtlichen Krippenbauer, ist froh, dass es dieses Jahr mit der Aufstellung geklappt hat und das Negerle „wieder still und bescheiden in seim Eckle sitzt“. Der hellhäutige Hirte durfte ebenfalls bleiben, doch dessen Spendenertrag bleibt erheblich hinter dem seines dunkelhäutigen Kollegen zurück. „Wen ich auch höre: Jeder sagt, ich werfe mein Geld beim Negerle rein!“ berichtet Krippenbauer Wolfgang Pantalitschka.

Krippenbauer und Krippenführer haben unter der Figur ein Informationsblatt angebracht. Darauf steht, dass das Negerle seit vielen Generationen zur Weggentaler Krippe gehört wie die Hirten, Engel, Schafe, Ochs und Esel, die Magier und die Heilige Familie: „Gott kommt in der Geburt Jesu zu allen Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Nationalität, Glaube und Alter. Dies wird in der Weggentaler Krippe dargestellt und verkündet.“

Beim Negerle ist mittlerweile schon ziemlich viel Farbe von den Ärmchen und vom blauen Hemdle abgeblättert. Doch seine schwarzen „Kugeläuglen“ blitzen noch genau so feurig wie vor hundert Jahren.

Das Weggentaler Kripple zieht jedes Jahr viele Tausend Besucher an, auch von auswärts. Das imposante Ensemble stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die weihnachtliche Ursprungsszene wird in den folgenden Wochen mehrfach umgebaut, bespielsweise zu Dreikönig.

Die Kritik an den Nick-Figuren

Nicht nur im Weggental, auch in vielen anderen katholischen Kirchen sind die traditionellen Nick-Negerle in den vergangenen Jahrzehnten in Ungnade gefallen. Die Kritik: Die Darstellung der dunkelhäutigen Figuren mit ihren schwulstigen Lippen und dem artigen Kopfnicken stammt noch aus Kolonialzeiten. Manche halten sie schlicht für rassistisch.

Viele Gemeinden haben die alten Figuren eingelagert; mancherorts wurden sie auch umgestaltet, etwa in Wachendorf, wo das frühere Negerle einen weißen Engelskopf bekam.

Bereits 1998 ließ Pater Franz im Weggental die umstrittene Figur entfernen. Von Weihnachten 2005 bis Februar 2008 wurde sie wieder aufgestellt (damals war Pater Franz in Mannheim tätig). Die Diskussion um das Negerle wurde daraufhin noch heftiger, auch in vielen TAGBLATT-Leserbriefen. Nach seiner Rückkehr ins Weggental ließ Pater Franz die Figur nach der Saison 2007/2008 wieder abbauen.

Zum Artikel

Erstellt:
29. Dezember 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Dezember 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2016, 01:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen