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Die Frauenklinik empfiehlt Eltern, ihr Baby in Ruhe zu begrüßen und erst dann Fotos zu posten
Garantiert ohne Selfie-Stick: Das Foto von Emma Lorena Wagner, dem ersten Kind des Jahres 2014, machte TAGBLATT-Fotograf Erich Sommer. Im Hintergrund die Eltern Monja Wagner und Florian Heer.
Kein Live-Stream von der Geburt

Die Frauenklinik empfiehlt Eltern, ihr Baby in Ruhe zu begrüßen und erst dann Fotos zu posten

Baby-Fotos guckt fast jeder gern an und man zeigt sie auch gern, speziell im Internet. Endlos ist die Zahl der Babyseiten bei Instagram, allein die Seite #babygirl verzeichnet sagenhafte 26 Millionen Beiträge. Auch im Kreißsaal, so war unsere Vermutung, wird heutzutage, heftig fotografiert und gepostet. Gibt es womöglich schon Mütter, die fünf Minuten nach der Geburt den Selfie-Stick ausfahren, um die Facebook-Community zu informieren?

28.12.2016
  • Ulrich Janßen

„Nein“, sagt Susanne Ihle von der Tübinger Universitäts-Frauenklinik entschieden. Die erfahrene Hebamme war schon bei vielen Geburten dabei, doch Selfies kurz nach der Geburt hat sie noch nicht erlebt. „Die meisten Menschen“, beobachtete sie, „sind doch eher von der Situation überwältigt.“ Auch gebe es im Kreißsaal, stellte sie fest, „eine gewisse Schüchternheit“, die werdenden Eltern seien eindeutig „nicht im Alltagsmodus“.

Den Hebammen und Medizinern ist das ganz recht, auch wenn sie gegen Fotos prinzipiell gar nichts einzuwenden haben. Jedoch: „Wir ermuntern die Paare eher, den besonderen Moment zu genießen und nicht die Zeit mit dem Hochladen von Bildern zu vergeuden“, sagt Prof. Harald Abele, der Leiter des Tübinger Mutter-Kind-Zentrums. Auch auf den hauseigenen Vorbereitungs-Seminaren erhalten die Eltern den Ratschlag, nach einer Geburt nicht sofort mit Botschaften nach außen zu gehen, sondern sich lieber ein paar Stunden Zeit zu nehmen, um mit dem neuen Familienmitglied in Kontakt zu treten. „Publik machen kann man die Bilder auch später noch.“ Dass jemand etwa aus dem Kreißsaal Live-Videos sendet, ist auch Abele noch nicht aufgefallen: „Während der Geburt wird nicht gestreamt.“ Verboten wäre das freilich nicht, sofern es die Mediziner bei ihrer Arbeit nicht behindert. „Wir können und wollen da niemanden Vorschriften machen.“

Markus Kurz aus Hirrlingen ist frischgebackener Vater. Er war im November bei der Geburt seines Sohnes Magnus dabei und hat im Kreißsaal auch Fotos gemacht. „Fünf Fotos waren es“, erinnert er sich, „aber bei uns war nach zwanzig Minuten auch schon alles vorbei.“ Während der Geburt hat er den Fotoapparat auf jeden Fall weggelegt. „Da kann man als Mann gar nicht fotografieren, man muss ja der Frau die Hand halten.“ Ins Internet gestellt hat er bis jetzt auch keines seiner Fotos. „Da halte ich ganz allgemein nicht so viel davon.“

Damit allerdings ist der Hirrlinger nicht unbedingt repräsentativ. Mediziner Abele weiß, dass viele der stolzen Eltern heutzutage „die Bilder ihrer Babies auch posten und bei Snapchat oder Facebook reinstellen“. Abele hat dafür Verständnis, würde es aber selbst nicht tun. „Viele Eltern reagieren erstaunlich gelassen, was den Datenschutz betrifft“, stellte er fest. Ganz generell rät er bei Bildern von kleinen Kindern zur Vorsicht.

Die Babies, die auf der Homepage der Tübinger Klinik zu sehen sind, sind alle bekleidet. Das Foto macht ein professioneller „Baby-Erlebnisfotograf“ für die Glückwunschkarte, die mittlerweile alle Eltern von der Klinik erhalten. Auf Wunsch können die Eltern das Bild noch per „E-Card“ an Freunde und Verwandte senden lassen und in die Bilder-Galerie der Uniklinik stellen lassen. Knapp 400 Eltern nutzen dieses Angebot pro Jahr.

„Fotos sind ja auch wertvolle Erinnerungen“, meint Hebamme Susanne Ihle. Sie hat festgestellt, dass die Männer im Kreißsaal ganz unterschiedlich mit ihren Fotoapparaten oder Handys auftreten. „Es gibt Väter, die alles dokumentieren wollen, und andere, die erst ein Foto machen, wenn die Frau sagt: Jetzt mach mal.“

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28.12.2016, 01:00 Uhr

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