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Die Freiwillige Feuerwehr Unterjesingen feiert am Wochenende Jubiläum
Auch am Tag nach der Brandnacht auf Schloss Roseck löschten die Feuerwehrmänner noch Glutnester. Archivbild
150 Jahre brandaktuell

Die Freiwillige Feuerwehr Unterjesingen feiert am Wochenende Jubiläum

Seit 150 Jahren löscht die Feuerwehr Unterjesingen Brände und hilft in anderen Notlagen. An diesem Wochenende feiert sie ihr Jubiläum.

28.07.2012
  • gernot stegert

Tübingen. Aus Schloss Roseck schlugen die Flammen wie aus einem Vulkan. Adolf Zeeb erinnert sich im Gespräch mit dem TAGBLATT noch genau an seinen spektakulärsten Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr Unterjesingen. Es war am 9. August 1991. Der heute 62-Jährige erzählt, dass er mit dem Privatauto hochgefahren ist und als erster vor Ort war. „Ist noch jemand drin“, habe er zunächst gefragt und dann eine Wasserleitung zum Löschen gelegt. Dann kamen auch schon die Feuerwehren aus Tübingen und anderen Teilorten.

Zeeb weiß auch noch, wie er mit dem Atemschutzgerät ins Gebäude gegangen ist . Auch einen erfahrenen Feuerwehrmann lässt das nicht kalt: „Wenn man da reingeht, bekommt man schon Angst“, sagt einer, der zwei Drittel seines Lebens bei der Feuerwehr aktiv war. Schließlich sehe man die Hand vor Augen nicht mehr, wenn der Qualm einem entgegenschlage. Das sei ganz anders als in Filmen. Verletzt wurde bei dem Schloss-Brand am Ende niemand, nur hoher Sachschaden entstand.

Zeeb verkörpert einen Teil der Unterjesinger Feuerwehrgeschichte. 42 Jahre ist er schon dabei. Von 1996 bis 2006 war er Abteilungskommandant, davor 15 Jahre Stellvertreter. Auf die Frage nach den Gründen seines Engagements schweigt der 62-Jährige eine Weile, zuckt die Schultern und sagt dann „Das war mein Leben“, als wäre es das Selbstverständlichste.

Doch das ist es längt nicht mehr. Zeeb berichtet: Arbeitgeber haben zunehmend weniger Verständnis, wenn ehrenamtliche Feuerwehrleute ihren Arbeitsplatz verlassen, weil ein Einsatz ruft. Michael Müller nickt. Der 42-Jährige ist seit 1988 aktiv dabei und seit 2011 Abteilungskommandant. Gleichwohl schütteln Zeeb wie Müller bei der Frage nach Sorgen mit den Köpfen. Die Unterjesinger Feuerwehr hat 27 aktive Kräfte. 27 ist auch das Durchschnittsalter. Im Jahr 2008 wurde sogar eine Jugendfeuerwehr neu gegründet, völlig gegen den Zeitgeist.

„Wir tun viel schon im Kindergarten und an den Grundschulen“, erklärt Schriftführer Matthias Obermüller. Junge begeistere vor allem die Fahrzeugtechnik und die Freundschaft, aber auch die Tradition und das Verantwortungsgefühl. Der aus Hessen Zugezogene hat die Erfahrung gemacht: „Die Akzeptanz im Ort ist immer dagewesen.“ Obermüller ist mit seinem Engagement allerdings offenbar eine Ausnahme. „Für die meisten Zugezogenen sind wir eher ein Dienstleister. Sie nehmen an Veranstaltungen gar nicht teil“, beklagt Zeeb: „Die Alteingesessenen dagegen sehen uns als selbstverständlich an.“

Brände sind für Zeeb wie Müller besondere Erlebnisse. Der Alltag der Feuerwehrleute sieht indes anders aus. Da werden eher Ölspuren nach Verkehrsunfällen beseitigt oder Schäden nach Unwettern behoben. Aus Zeebs Sicht hat sich insgesamt viel zum Guten verändert. Seit 1970 Spinde eingeführt wurden, sei alles ordentlicher geworden. Und seit Piepser zum Einsatz riefen, seien am Ort des Geschehens nicht mehr so viele Schaulustige wie früher, als eine Sirene am Rathaus noch das ganze Dorf aufmerksam gemacht habe. Auch sind die Unterjesinger Feuerwehrleute mittlerweile mit ihrer Ausrüstung und damit mit der Stadt Tübingen zufrieden.

„Das Lustigste geschah bei einem Rohrbuch in der Drogerie“, erzählt Zeeb. Der Keller sei voll mit Wasser gelaufen. Beim Leersaugen habe sich eine Strömung entwickelt. Plötzlich sei „eine ganze Armada von Präservativen angeschwommen gekommen“, sagt der 62-Jährige schmunzelnd.

Die Freiwillige Feuerwehr Unterjesingen feiert am Wochenende Jubiläum
Adolf Zeeb

Die Freiwillige Feuerwehr Unterjesingen feiert am Wochenende Jubiläum
Michael Müller

Es begann drei Jahre nach einem großen Gebäudebrand: 1862 wurde der Feuerwehrverein Unterjesingen gegründet. Das war 25 Jahre, bevor das Königreich Württemberg zur Bildung einer Wehr verpflichtete. Lange wurden Brände mit Ledereimern und Handdruckspritzen bekämpft. 1928 erfolgte die Umwandlung in eine Freiwillige Feuerwehr. 1957 kam ein Spielmannszug hinzu. Mit der Gemeindereform 1971 wurden die Unterjesinger eine Abteilung der Feuerwehr Tübingen. Im Jahr 2008 wurden der Freundeskreis als Verein und die Jugendfeuerwehr gegründet.

Das Fest beginnt am heutigen Freitag um 19.30 Uhr mit einem Festakt in der Unterjesinger Kelter mit geladenen Gästen. Am Samstag wird ab 18.30 Uhr im Festzelt gefeiert. Ab 20.30 Uhr spielt die Live-Band „Flash“ (Eintritt vier Euro). Am Sonntag ist um 9.30 Uhr ein Gottesdienst im Festzelt. Danach geht es ab 11 Uhr mit Fahrzeugschau, Schauübung, Kinderhüpfburg und mehr weiter.

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28.07.2012, 12:00 Uhr

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