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Tübingen und Ann Arbor feiern 50 Jahre Städtepartnerschaft mit Ausstellungen, Konzert, Festakt und großer Party

Die Freundschaft hält und hält und hält

Die Verbindung zwischen Tübingen und der Partnerstadt Ann Arbor in Michigan lebt seit 50 Jahren von der Bürgerbeteiligung auf beiden Seiten. Dieses Jahr feiern alle das große Jubiläum ausgiebig.

30.06.2015
  • Lorenzo Zimmer

Tübingen. Der Verein „Freunde der Städtepartnerschaft Tübingen, Ann Arbor“ zeigt als Teil des einwöchigen Festprogramms in Tübingen eine Ausstellung. Sie wird am Donnerstag in der Kulturhalle eröffnet und soll die Partnerschaft mit all ihren Facetten und Aspekten darstellen. Zwanzig Themenbanner sind das Herzstück der Ausstellung „Meet my sister“. Sie befassen sich mit den unterschiedlichsten Aspekten – von Stadtgeschichte und Architektur, über Teilhabe und Inklusion bis hin zu Sport und Wirtschaft. „Wir verstehen die Ausstellung wie ein Erinnerungsalbum, das Leute auf die Partnerschaft neugierig machen soll“, sagt Ulrike Pfeil vom Partnerschaftsverein.

Als sich die Partnerschaft 1965 gründete, verstand man sie als Grundlage demokratischen Austauschs – sie sollte Frieden stärken. Doch über die Jahre hält eine solche Beziehung nicht nur durch gute Vorsätze. Erst zwischenmenschliche Kontakte machen eine so lange Freundschaft möglich:. „Durch den Partnerschaftsverein bleibt die Verbindung lebendig“, so Dagmar Waizenegger, stellvertretende Leiterin des Kunstamts. Gerade weil es in Ann Arbor kein Kulturamt und keinen Etat für Städtepartnerschaften gibt, seien die Vereine so wichtig für die Partnerschaft. „Ohne sie würde es nicht gehen“, so Waizenegger.

Die Bilder, die auf den Bannern zu sehen sind, wurden aus einem Fundus von über 8000 Stück ausgesucht und illustrieren die lebendige Beziehung der beiden Städte: „Aber das ist nicht ihre einzige Aufgabe“, so Sabine Weißinger von der Casa Magica über das Konzept. „Die Fotos und Grafiken sollen nicht nur in Verbindung mit den Texten Sinn ergeben, sondern auch eigene Geschichten erzählen.“ Denn Geschichten geschrieben hat die Städtepartnerschaft viele. Sie werden bei der Ausstellung nicht nur von Texten und Bildern erzählt.

Der Tübinger Constantin Pläcking führte im Auftrag des Vereins in Tübingen Interviews mit Bürgern, die bei einer Reise nach Ann Arbor dabei waren und noch immer Freundschaften nach Michigan pflegen. Auf der anderen Seite des großen Teichs sprach der Lokalsender von Ann Arbor, Community Television Network (CTN), mit Bürgern aus Ann Arbor über deren Erlebnisse und Eindrücke aus Tübingen. So entstand ein lebhafter Film, den man bei der Ausstellung in sechs kürzeren Episoden anschauen kann. Er erzählt amüsante Anekdoten aus 50 Jahren Städtepartnerschaft. Etwa über einen amerikanischen Austauschschüler, der während seines Besuchs in Tübingen 18 Jahre alt wurde und einen über den Durst trank – schließlich in der Klinik landete. Oder die beiden Ehepaare, aus deren Zusammentreffen eine jahrzehntelange Freundschaft entstand, die heute von Enkeln und Urenkeln über E-Mail, Facebook und gegenseitige Besuche weitergeführt wird. „So etwas kommt durch die home stays zustande“, weiß Carolyn Melchers, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins. Diese Art der Unterbringung sei bei allen Beteiligten sehr beliebt geworden.

„Dadurch, dass man bei Leuten zuhause wohnt, hat eine solche Reise einen völlig anderen Charakter als eine normale Touristenreise“, fügt Pfeil hinzu. So gewinne man bei einem home stay Einblicke in die Lebenswelt der Gastfamilie – ihren Kühlschrank, ihr Autofahrverhalten, ihre Tischsitten. Ihren Lebensstil eben. Das klappt nach Einschätzung der Vereinsmitglieder auch deshalb so gut, weil sich Tübingen und Ann Arbor sehr ähnlich sind. „Die Universität, das Umweltbewusstsein, die Nähe zur Autostadt Detroit“, sagt Pfeil, „das alles erinnert schon sehr an Tübingen.“

Die Ausstellung zeigt neben den Bannern und Filmen noch Originale bildender Kunst aus Tübingen und Ann Arbor. Darunter eine Karikatur von Sepp Buchegger und Emaille-Kacheln von Sabine Weißinger und Friedrich Förster. Weil die Partnerschaft vor 50 Jahren auf Bürgerwunsch aus Ann Arbor hin entstand, richtet sich die Jubiläumsfeier dieses Jahr auch ganz bewusst an die Bürger der Städte: „Früher gab es Banketts für die Bürgermeister und damit war die Sache erledigt“, erinnert sich Dagmar Waizenegger. „Wir haben uns ein Programm überlegt, das möglichst viele Tübingerinnen und Tübinger auf die Partnerschaft aufmerksam und neugierig machen soll.“

Die „Ann-Arbor-Woche“ von Stadt, Deutsch-Amerikanischem Institut (DAI) und Verein beginnt heute Abend mit einer Diskussionsrunde im Kupferbau. Ab 20.15 Uhr diskutieren Schüler, Studierende und Lehrer aus beiden Städten über Vorurteile, Stereotypen und die Realität. Am Mittwoch, 1. Juli, lädt die Stadt zum großen Festakt in die Alte Aula. Am Donnerstag 2. Juli eröffnet der Partnerschaftsverein dann ab 19 Uhr seine Ausstellung „Meet my sister“ in der Kulturhalle.

Großes Jubiläumsfest auf der Neckarinsel

Am Freitag, 3. Juli, spielt ab 19 Uhr die Pianistin Kathryn Goodson aus Ann Arbor afroamerikanischen Musik aus den 20-er Jahren. Sie musiziert zusammen mit dem Stuttgarter Bariton Ulrich Wand und Schülerinnen und Schülern der Tübinger Musikschule. Am Samstag, 4. Juli, kommt es schließlich zum Höhepunkt der Festtage: DAI und Stadt laden zum großen Jubiläumsfest auf die Neckarinsel. Die Party beginnt um 13 Uhr, es wird Live-Musik, typisch amerikanisches Essen und Spiele geben. Außerdem begleitet das DAI das Jubiläum mit der Ausstellung „Close-Ups – Begegnungen mit Ann Arbor“. TAGBLATT-Fotograf Ulrich Metz zeigt Szenen aus Arbor, fotografiert bei seiner Reise mit der Lebenshilfe im Mai. Seine Ausstellung ist bis 31. Juli zwischen 9 und 18 Uhr – und dann wieder zwischen dem 7. und 18. September im DAI zu sehen.

Die Freundschaft hält und hält und hält
Bei der Ausstellung „Meet my Sister“ sind 50 Jahre Städtepartnerschaft auf 20 Bannern sorgfältig dokumentiert und lebhaft illustriert Von links: Carolyn Melchers,Ulrike Pfeil, Sabine Weißinger und Christoph Melchers..Bild: Metz

Die Freundschaft hält und hält und hält
Die Smoothies haben aus Amerika die Welt erobert – aber dazu darf der klassische Burger nicht fehlen. Die Alltagsszene aus Ann Arbor, fotografiert von Uli Metz während einer Gruppenreise mit der Lebenshilfe, ist mit anderen Fotografien aus Tübingens Partnerstadt derzeit im Deutsch-Amerikanischen Institut zu sehen.

Dienstag, 30. Juni, ab 20.15 Uhr: Diskussionsrunde zu Vorurteilen und Stereotypen im Kupferbau. Mittwoch, 1. Juli, ab 19 Uhr: Festakt der Stadt Tübingen mit anschließendem Empfang in der Alten Aula. Donnerstag, 2. Juli, ab 19 Uhr: Ausstellungseröffnung „Meet my sister“ vom Verein „Freunde der Städtepartnerschaft Tübingen, Ann Arbor“. Freitag, 3. Juli, ab 19 Uhr: Konzert der Pianistin Kathryn Goodson aus Ann Arbor im Pfleghof. Samstag, 4. Juli, ab 13 Uhr: Großes Jubiläumsfest mit Bullriding, Tanzvorstellungen, verschiedenen Bands und einem großen Kinderprogramm.

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30.06.2015, 12:00 Uhr

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