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Das Schweigen des Kaisers

Die Fußballwelt wartet auf klärende Worte von Franz Beckenbauer

In dem Skandal um die Vergabe der Weltmeisterschaft des Jahres 2006 an Deutschland dreht sich alles um den verantwortlichen Präsidenten des Bewerbungs- und Organisationskomitees - doch er ist abgetaucht.

12.11.2015
  • ARMIN GRASMUCK

Ulm/Frankfurt Der letzte Auftritt des Kaisers liegt gut zwei Wochen zurück. Mit zornesrotem Gesicht flüchtete Franz Beckenbauer vor einer Fernsehkamera und den Reportern, die ihm in der Salzburger Altstadt aufgelauert hatten. Kurz darauf stellte er sich in München den Ermittlern der Kanzlei Freshfields, die der Deutsche Fußball-Bund als unabhängige Aufklärer in dem Skandal rund um die Weltmeisterschaft 2006 engagiert hat. Danach verschwand er von der Bildfläche, aber keineswegs aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Im Gegenteil: Nach dem Rücktritt des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und dem Bekanntwerden eines dubiosen Schriftstücks wächst der Druck auf Beckenbauer praktisch im Tagesrhythmus. Spitzenkräfte aus Sport und Politik erwarten von ihm, dem Präsidenten des Bewerbungs- und Organisationskomitees, knallharte Fakten, die Licht in das düstere Treiben rund um die WM 2006 bringen.

Doch der deutsche Fußballkaiser ist abgetaucht. Kein Wort von ihm. Kein Foto. Selbst die Vertragspartner wie der Bezahlkanal Sky oder die Bild-Zeitung, für die er seit Jahren als Experte Rede und Antwort steht, erlauben sich keine Angaben zu dem geschätzten Freund des Hauses. Auf seine Dienste müssen sie in nächster Zeit verzichten, so viel steht fest. Gestern am Nachmittag funkte sein Management zumindest ein Lebenszeichen. "Franz Beckenbauer steht den zuständigen Gremien weiterhin zur Verfügung und wird sich daher öffentlich nicht äußern", so lautete die schnöde Botschaft, die über die Agenturen verbreitet worden ist.

Wieder kein Franz aus Fleisch und Blut und wieder kein klares Wort. Beckenbauer verpasste es auch, zu der vertraglichen Vereinbarung Stellung zu beziehen, die er offenbar im Sommer des Jahres 2000 und vier Tage vor der Abstimmung zu der Vergabe der WM 2006 mit dem damaligen Vizepräsident des Weltverbands Fifa, Jack Warner, abgeschlossen hatte. Das von den unabhängigen Ermittlern aufgedeckte Schriftstück legt den Verdacht nahe, dass Beckenbauer und wohl auch die Mitstreiter an der Spitze des Bewerbungskomitees sich zumindest ernsthaft damit befasst haben, die Stimmen mit unlauteren Methoden zu sichern.

Der Beschuldigte schweigt. Er scheint jedoch bereit zu sein, sich noch einmal den Ermittlern zu stellen. Auf den Zuspruch und die Kraft des Heimatvereins kann der in das Zwielicht geratene Kaiser allen Vorwürfen zum Trotz ohnehin bauen. "Wenn ein Freund in Schwierigkeiten ist, dann muss man ihm zur Seite stehen und das werden wir beim FC Bayern auch tun", sagte Karl-Heinz Rummenigge. "Ich verstehe, dass der DFB hier größtes Interesse haben muss, die ganze Angelegenheit aufzuklären. Aber ich würde mir auch dort manchmal einen etwas sensibleren Umgang mit der Person Franz Beckenbauer wünschen. Ich glaube, dass auch der DFB der Person Franz Beckenbauer viel zu verdanken hat." Der Kaiser, Weltmeister als Spieler und als Trainer, gilt als Vater des Sommermärchens von 2006, das viel von seiner Strahlkraft zu verlieren droht.

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12.11.2015, 12:00 Uhr

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