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Die Geigerin und Oboistin Cecilia Kaiser ist ein Talent mit großen Zielen
Geige spielt Cecilia Kaiser, seit sie fünf Jahre alt ist. Inzwischen sind noch Oboe und Klavier dazugekommen. Bild: Metz
Ein Tübinger Teenager strebt auf die großen Konzertbühnen

Die Geigerin und Oboistin Cecilia Kaiser ist ein Talent mit großen Zielen

Die 13-jährige Tübingerin Cecilia Kaiser ist seit Jahren bei dem alljährlich stattfindenden Wettbewerb erfolgreich. Wohin der Weg gehen soll, ist klar: Auf die bedeutenden Konzertbühnen dieser Welt.

16.04.2017
  • Julius Fiedler

New York City“ steht auf dem grauen Pullover, den Cecilia Kaiser anhat. Klar, ein Modeaccessoire. Aber für die 13-Jährige gleichzeitig auch ein Ziel: Mit Musik will sie hoch hinaus, in die ganze Welt.

Ihr Vater ist Deutscher, ihre Mutter Chinesin. Jedes Jahr in den Sommerferien ist sie für sechs Wochen bei ihren Großeltern in Peking. „Wir reisen viel“, sagt ihr Vater. Dorthin, wo Cecilia ihre Karriere einmal hintragen könnte und sollte: An die Carnegie Hall in New York, die Royal Albert Hall in London oder die Elbphilharmonie in Hamburg.

Cecilia spielt zwei Instrumente: Geige, seit sie fünf ist, und mit Oboe hat sie ein Jahr später begonnen. Seit 2011 nimmt sie am Jugendmusikwettbewerb Jugend musiziert teil. Meist mit beiden Instrumenten, manchmal auch nur mit einem.

Die Anforderungen unterscheiden sich von Jahr zu Jahr, mal wird solo gespielt und mal im Trio oder im Quartett. In den jüngeren Altersklassen gibt es nur Regionalwettbewerbe, in den höheren geht es bis zum Landeswettbewerb. Nur eins ist immer gleich: Cecilias Platzierung. Erste. In ihrer jetzigen Altersklasse gibt es erstmals auch einen Bundeswettbewerb, für den hat sie sich auch qualifiziert. Anfang Juni misst sie sich in Paderborn mit jungen Musikern aus ganz Deutschland.

Ihr Talent hat ihre Mutter schon früh erkannt. „Ich habe anscheinend schon als ich ganz klein war, mitgetanzt, wenn die irischen Tänzer von Riverdance im Fernsehen liefen“, sagt Cecilia. 2004 ist sie geboren, „da war Riverdance in“, erinnert sich Helmut Kaiser, ihr Vater. Cecilia hat verschiedene Instrumente ausprobiert, seit sie zwei Jahre alt ist. Blockflöte etwa, ganz klassisch.

Bei der Geige ist sie dann hängengeblieben, hat gleich Unterricht an der Musikschule genommen. Weiterprobiert, weil sie für ein eventuelles späteres Musikstudium zwei Instrumente braucht, bis zur Oboe. „Damals war sie sechs, normalerweise fängt man Oboe mit acht oder neun Jahren an. Alle haben sich gewundert, woher sie die Kraft nimmt, das Instrument zu spielen“, sagt ihr Vater stolz. Heute nimmt Cecilia an der Tübinger Musikschule Unterricht, insgesamt drei Stunden pro Woche, eine pro Instrument. Seit 2015 spielt sie nämlich auch Klavier. „Das sind ganz unterschiedliche Instrumente und deshalb Formen von Musik“, sagt sie. Mit dem Unterricht ist es aber nicht getan, auch zu Hause muss sie üben. Durchschnittlich sind das insgesamt rund zwei Stunden, vor Wettbewerben oder Vorspielen auch mal das Doppelte. Und dann noch die Orchesterproben, Cecilia spielt im Jugendblasorchester der Musikschule, mindestens anderthalb Stunden nimmt auch das in Anspruch.

Und in die Schule geht Cecilia natürlich auch, in die achte Klasse auf dem Uhland-Gymnasium. Die Fächer Kunst und Englisch mag sie am meisten.

Aber fehlt da nicht für irgendetwas die Zeit? „Sport im Verein mache ich nicht“, sagt sie. Manchmal gehe sie aber schwimmen. Und für andere Aktivitäten habe sie eben nur in den Ferien Zeit. Musik zu machen mache ihr aber einfach enorm viel Spaß, auch das üben. „Es entspannt“, sagt sie. Ihr fällt gleich auf, dass das nach einem Widerspruch klingt, sie lacht kurz und erklärt: „Beim Musik machen kann ich abschalten, da ist nicht der ganze Stress.“ Ob sie Schule oder Musik lieber mag? Cecilia muss nicht lange überlegen: „Musik.“ Die Eltern sorgen aber dafür, dass die Schule nicht zu kurz kommt. „Jetzt hat sie Spaß und auch das Talent, später Musik zu studieren. Aber sie soll offen bleiben. Wer weiß, wie es aussieht, wenn sie älter ist“, sagt ihr Vater.

Wie es aussehen soll, ist klar: Als Solokünstlerin – idealerweise an ihren beiden Instrumenten Geige und Oboe – soll sie alleine, aber auch in Orchestern auftreten können. Sprachbarrieren werden sie kaum aufhalten können, sie spricht Deutsch, Englisch und Chinesisch fließend. Schon als kleines Kind hat sie sich mit ihrer chinesischen Mutter auf Chinesisch verständigt und mit ihrem Vater auf Deutsch. Wenn alle zusammen sind, wird Englisch gesprochen. „Damals hieß es, so ein Konzept würde Kinder überfordern. Heute ist es Stand der Wissenschaft“, sagt Helmut Kaiser.

Cecilia Kaiser hat ein absolutes Gehör, die Fingerfertigkeit, Instrumente zu spielen, und das Interesse und die Freude am Spielen. Es gab allerdings auch Stolpersteine auf dem Weg. Musik machen ist immer auch mit üben verbunden, und dazu hatte Cecilia phasenweise nicht allzu viel Lust. Ihre Mutter übte da Druck aus, damit ihre Tochter trotzdem dranblieb und besser wurde. Heute sagt Cecilia: „Einige Mitschüler können nicht verstehen, warum ich so viel Musik mache.“ Aber für das Adrenalin und den Applaus beim ersten Auftritt lohne sich die Arbeit, man wolle das immer wieder.

Viele Mitschüler oder Lehrer wissen aber auch gar nichts von Cecilias musikalischen Erfolgen. „Wir haben das bisher zurückgehalten, weil sie noch sehr jung war“, sagt Helmut Kaiser. Jetzt, mit 13, sehe er seine Tochter aber gefestigt, auch gegenüber Leuten, denen nicht gefalle, was sie mache. Und für bestimmte Förderungen oder Nominierungen brauchten Musiker eben die Öffentlichkeit.

Die große Frage bleibt aber: Woher hat Cecilia ihr Talent? Das ist viel diskutiert worden in der Familie, am Ende haben sie sich auf Gott als Urheber geeinigt. Ihre Eltern sind musikalisch, aber keine aktiven Musiker – also keine klassische Musikerfamilie. Für Helmut Kaiser ist das nicht unbedingt ein Nachteil: „Wir wissen, dass es bei ihr Talent pur ist, und nicht Routine und Know-how der Familie.“

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16.04.2017, 01:00 Uhr

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