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Anfang per Handschlag

Die Gesamtgemeinde Kusterdingen wird 25 Jahre alt

KUSTERDINGEN (us). Wenn heute Abend in der Kusterdinger Festhalle vier Redner von den Kämpfen der Gemeindereform reden, die zur Entstehung Kusterdingens führen, werden sich die jüngeren Zuhörer sicher nicht mehr vorstellen können, wie tief einst die Gräben waren.

24.03.2000

Leise rascheln die vergilbten Zeitungsseiten, und irgendwo im Archivordner sticht ein Bild ins Auge, das zwei lachende Gesichter zeigt: Der Handschlag zwischen Willi Bauer, Bürgermeister von Jettenburg, und Gerhard Kindler, Bürgermeister von Kusterdingen, der am 3. Oktober 1974 die Eingemeindung Jettenburgs besiegelte.

Bevor jedoch die Südgemeinden Mähringen, Wankheim und Immenhausen zur Gesamtgemeinde dazustießen, mussten noch höchstrichterliche Urteile abgewartet werden. Und deshalb hat sich Kusterdingen im Zuge der Gemeindereform erst im Jahre 1975 vereinigt. Dass man heute abend, 20 Uhr, in der Turn- und Festhalle Kusterdingen einmal dieses Ereignis sogar feiern würde, das hätten sich die Beteiligten in den Jahren 1974 bis 1975 nicht einfallen lassen. Und schon gar nicht, dass der mühsame Weg der Härtengemeinden zur Einheit einmal Thema wissenschaftlicher Untersuchungen sein würde.

Auch Landrat Albrecht Kroymann wird heute Abend ein Grußwort übermitteln — zu Recht — hat er seinen Posten doch den Härtengemeinden zu verdanken. Schließlich hatten die Härten, als Pufferzone zwischen Tübingen und Reutlingen verhindert, dass beide Kreise zusammengelegt wurden.

Dieses Thema wird Kreisarchivar Dr. Wolfgang Sannwald beleuchten: Der damalige Landrat Oskar Klumpp, der zuerst einer Fusion aufgeschlossen war, rückte von seiner Politik ab, als Reutlingen nicht damit einverstanden war, den Sitz des Gesamtkreises nach Tübingen zu verlegen. Verzweifelt versuchte der Landrat darauf hin, aus den alten Kreisen Horb und Hechingen Land zu gewinnen. Doch ging Horb nach Freudenstadt und Hechingen nach Balingen ab: Damit wäre der Kreis Tübingen eigentlich zu klein gewesen, um zu überleben.

Hätten sich Tübingen und Reutlingen die Härtendörfer einverleibt, hätten sie gemeinsame Grenzen gehabt. Damit wären sie gemeinsames Oberzentrum geworden, und dann hätte man die beiden Kreise fusioniert. Nur eine Gesamtgemeinde auf den Härten konnte die nötige Sicherheitszone bilden.

Wer bei dieser Planung nicht ganz so mitspielte, wie es Oskar Klumpp gern gehabt hätte, waren die Bürger von den Härten. Ihren schwierigen Sonderweg, der bald eine Gesamtge-meinde, bald eine Teilung, bald Eingemeindung nach Tübingen vorsah, diesen Sonderweg wird der Vorsitzende des Geschichtsvereins Harald Bauer würdigen. Als einheimischer Historiker konnte er nicht nur die Archive bearbeiten, sondern mit den Beteiligten sprechen und Hintergrundinformationen recherchieren.

Dem Schöpfer der Vereinigung, Bürgermeister Gerhard Kindler, war es nicht mehr vergönnt, mitzuerleben, wie die Härtengemeinden zusammen wuchsen. Nach einer Gemeinderatssitzung im Frühjahr 1978, die bis in die frühen Morgenstunden ging, ereilte ihn ein Herzinfarkt.

Günter Müller wird der letzte Festredner des Abends sein und auf die letzten 22 Jahre Kommunalpolitik in Kusterdingen zurückblicken. Er hatte damals Sommer 1978 ein schwieriges Amt anzutreten und versucht, die doch großen Gräben, die sich zwischen den Gemeinden aufgetan hatten, wieder zu schließen. Auf die Frage, wie das zu schaffen war, führt er zwei Hauptpunkte ins Feld: „Es war ja befürchtet worden, dass das ganze Geld nach Kusterdingen fließt“, so der Bürgermeister, und eben das sei nicht passiert. „Wenn Wünsche von außen kamen, dann haben wir uns ihnen nie verschlossen.“ So seien Aussegnungshallen gebaut worden, Infrastruktur erweitert worden, das Dorfgemeinschaftshaus Jettenburg entstand.

Zum zweiten führt er die gute Ortschaftsverfassung an, die es in der Flächengemeinde gibt „Es wird nicht alles in Kusterdingen entschieden, sondern die Ortschaften können ihr Dorf nach ihren Wünschen gestalten.“

Die Gesamtgemeinde Kusterdingen wird 25 Jahre alt
Rückschau auf 25 Jahre vereintes Kusterdingen. Kusterdingen, Festakt zur Gemeindereform, v.l.: Landrat Albrecht Kroymann, Hans Erich Messner und Wolfgang Sannwald. Etwas mehr Freigiebigkeit wünschte sich Bürgermeister Günter Müller vom „Herz des Schwabentums" allgemein und insbesondere von Landrat Albrecht Kroymann (von links) und dem ersten Landesbeamten Hans-Erich Messner. Zu den Festrednern des Abends gehörten auch Kreisarchivar Wolfgang Sannwald und Harald Bauer vom Geschichtsverein Härten (rechts).

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24.03.2000, 12:00 Uhr

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