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Wie die Eisenbahn nach Kiebingen kam

Die Gnade der Lage

Bei ihrer szenischen Lesung „Rottenburg kommt ans Gleis“ am Montag im Kiebinger Rathaus gingen Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert und Stadtarchivar Peter Ehrmann auch auf Kiebinger Besonderheiten ein.

07.03.2012
  • Werner Bauknecht

Kiebingen. Der Ort habe „die Gnade der richtigen Ortslage“ gehabt, deshalb kam er überhaupt zu einer Bahnstation, als vor über 150 Jahren die Eisenbahn in Rottenburg ankam. Am „Kiebinger Tor“, von dem heute kaum mehr etwas zu sehen sei, wie Geppert erzählte, warteten an jenem 12. Oktober 1861 viele auf die erste Durchfahrt der Eisenbahn zum Rottenburger Bahnhof. Zuerst habe es noch genieselt, aber dann sei der Himmel aufgebrochen und die Menschen in Rottenburg hätten Häuser und Plätze feierlich geschmückt.

Wie in einer Live-Radioreportage „schalteten“ Geppert und Ehrmann hin und her zwischen dem erwartungsfrohen Empfangskomitee am Bahnhof und den Geschichten dazu, wie es überhaupt so weit kam.

Notizen aus Gemeinderatssitzungen, Zeitungsartikel und sogar Gedichte aus jener Zeit zitierten die Vortragenden und erstellten so ein lebendiges Bild von alten Loks, Wanderarbeitern, einem grummelnden evangelischen Pfarrer oder Salutschüssen zu Ehren der Eisenbahn. Viel Wissen zum Schmunzeln, aber auch historische Detailarbeit in den Stadtarchiven.

Auch wenn man der Bahn anfänglich von einigen Seiten mit Misstrauen begegnete und glaubte, sie könne die schweren Getreidelasten nicht tragen oder sie sei zu langsam – nach kurzer Zeit schon bestimmte sie den Warenverkehr. „Zu Beginn“, so Geppert, „war die Bahn ja nicht auf Personen- sondern auf Warentransporte ausgelegt.“

Als die Bahn nach wenigen Jahren schon „die unglaubliche Geschwindigkeit von 45 km/h“ erreichte, begann sie ihren Siegeszug als Transportmittel Nummer eins. Gleichzeitig verschwanden, so hatte Archivar Ehrmann herausgefunden, nach und nach die Neckarflößer (die auf dem Bild ebenfalls zu sehen sind. Andere Gewerbe wie Transportkutscher, die Waren zum Verladebahnhof fuhren, entstanden dagegen neu.

Einige Fragen der etwa 25 Zuhörer konnten die Vortragenden nur spekulativ beantworten, weil es darüber keinerlei Aufzeichnungen gibt. Warum, so eine davon, wurden die Bahnhöfe so weit von den Ortskernen entfernt gebaut? Bei der Kiebinger Haltestelle mutmaßte einer, damit hätte man auch den Wurmlingern einen Zugang zur Bahn ermöglichen wollen.

Es war übrigens auch ein Kiebinger, der Bahngeschichte schrieb: Der Architekt Ludwig Gaab entwarf nicht nur den Rottenburger Bahnhof, sondern auch den in Friedrichshafen.

Die Gnade der Lage
Rottenburger Stadtansicht mit Eisenbahn (rechts) und Flößern (Mitte), Lithografie nach einem Stahlstich aus dem 19. Jahrhundert. Links sieht man die Wurmlinger Kapelle, Kiebingen und den dortigen Bahnhof ließ der unbekannte Künstler im Ungefähren verschwimmen. Repro: Stadtarchiv

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07.03.2012, 12:00 Uhr

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