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Die Grande Dame des Festzelts ist tot
Edles Dirndl, akkurate Frisur: So kannte man Josefine Maier. Foto: Martin Kalb
Nachruf

Die Grande Dame des Festzelts ist tot

Sie hat „Göckelesmaier“ zum Markenzeichen gemacht – jetzt ist Josefine Maier mit 90 Jahren gestorben.

16.12.2016
  • HANS GEORG FRANK

Stuttgart. „Wenn man einen geliebten Menschen verliert, gewinnt man einen Schutzengel dazu“, steht in der Traueranzeige für Josefine Maier. Die wohl bekannteste Festwirtin des Landes ist am Montag in Stuttgart mit 90 Jahren gestorben. Über den Betrieb, den Sohn Karl seit 1998 leitet, hatte sie auch nach ihrem offiziellen Rückzug 2013 stets gewacht.

„Göckelesmaier“ wurde zwar von ihrem Mann Karl, einem Bäcker aus Weinheim, nach ziemlich bescheidenem Anfang ab 1928 mit einem Eiswagen und einer Imbissbude aufgebaut, aber nach dessen Tod 1973 erwarb sich die umtriebige Witwe Anerkennung und Respekt auf den Rummelplätzen, bei Besuchern und Beschickern gleichermaßen. „Verschrotte den Betrieb oder mach‘ weiter“, hatte Karl Maier sen. auf dem Sterbebett gesagt, „aber du machst das.“ Und sie schaffte „das“, nämlich 14 Feste pro Saison. „Damals war es nicht normal, dass eine Frau so etwas macht“, blickte sie 2012 zurück. Die in München geborene Josefine Roithmaier arbeitete zuerst als Zahnarzthelferin, dann als Lohnbuchhalterin. Nebenbei verdiente sie sich ein Zubrot auf der Wiesn in München, wo sie Gefallen fand am Bedienen und Jonglieren mit den Maßkrügen. 1952 traf sie den Hähnchenbrater Karl Maier, der seit 1949 als Generalunternehmer Festplätze im Südwesten dirigierte. 1957 heirateten sie.

Josefine Maier, die oft als „Frau Göckelesmaier“ angesprochen wurde, war Festwirtin mit Leib und Seele. Auf Reisen konnte sie gut verzichten, sie war ja genug unterwegs, logierte in ihrem Wohnwagen neben dem Bierzelt. Ob Heilbronner Volksfest oder Bietigheimer Pferdemarkt, Göppinger Maientag, Balinger Volksfest – es war unvorstellbar, dass die charmante, aber taffe Bayerin mit dem edlen Dirndl und der akkuraten Frisur nicht durch die Reihen der Biertische ging. Ein freundliches Wort für die Zecher, ein waches Auge auf das Personal. „Daheim würde ich vertrocknen“, sagte sie 2009, als sie noch mobil war.

Sohn Karl (49) setzt die Familientradition fort. Dabei lässt er moderne Elemente einfließen, auf dem Cannstatter Wasen ebenso wie auf der Heilbronner Theresienwiese. Beim Stuttgarter Frühlingsfest von 15. April bis 7. Mai 2017 sind die ersten Plätze schon reserviert. Hans Georg Frank

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16.12.2016, 06:00 Uhr

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