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Die Grenzwerte des Zeitgeistes

Früher war vieles besser. Selbst wenn es schlechter war. Es gab Zeiten, in denen funktionierten Autos nach einem einfachen Prinzip: Man schüttete Benzin in einen Tank, ließ dieses verbrennen, kuppelte, legte einen Gang ein, fuhr los und fertig. So funktionierte das.

16.09.2014
  • Winfried Gaus

Außer die Tankanzeige war defekt und der Tank leer. Oder eine Zündkerze hatte sich losgerüttelt – beliebt bei 2CV-Enten. Oder die Karre heizte nicht – speziell beim VW-Käfer im Winter eine wiederkehrende Freude. Keilriemen rissen, Mäuse verirrten sich in Luftfilter und fraßen sich dort tot, Kupplungen verrauchten, es gab hie und da Rost in größeren Mengen.

Die Schadensfälle waren – im Wortsinn – übersichtlich. Der Kfz-Meister des Vertrauens konnte einem noch gut erklären, was (und vor allem warum) kaputtgegangen war und ausgetauscht werden musste. Manche Dinge konnte man falls gewünscht selbst reparieren.

Gute alte Zeit. Vergangen. Heerscharen von Konsumenten haben nach dem Fortschritt verlangt und ihn von den Ingenieuren bekommen. Mit Folgen. Wer heute mit einem Automobil fährt, sollte sich über zwei Hauptstörenfriede im Klaren sein: der eine ist der Verbrennungsmotor (Ressourcen! Weltklima!), der andere der Fahrer (fehleranfällig vom Nichteinparkenkönnen bis zum Sekundenschlaf; die Bandbreite dazwischen sprengt hier den Rahmen).

Diesen beiden Hauptstörenfrieden rückte irgendwann die Elektronik auf den Pelz. Wiederum mit Folgen: Ein Auto scheint nicht mehr zuallererst fahren zu sollen, sondern muss gereinigte Abgase hinterlassen. Tut dies die Abgasreinigung nicht innerhalb der Grenzwerte des Zeitgeistes, dann hat auch der Motor gefälligst aufzuhören – und der fehleranfällige Fahrer sich sowieso rauszuhalten.

Sprotz-Sprotz-Plopp-Stille. Die Karre steht. Das Katalysator-Fehler-Meldesymbol vor dem Lenkrad leuchtet, dann kommt noch eine Latte von Hinweisen auf Folgefehlfunktionen, weil der Motor nicht mehr läuft: Fahrwerksstabilisierungsprogramm, Bremskraftverstärker, Servolenkung, Berganfahrhilfe – alles mehrsprachig, so viel Funktion muss sein. Der Mann vom Pannendienst – ich danke übrigens dem Fortschritt für die Erfindung des Handys – steht so wie ich wie der Ochs vor dem Berg: orgelt mit dem Anlasser, merkt, dass sich nichts tut – und sagt das Zauberwort: Werkstatt!

Die sagt am nächsten Nachmittag das Zauberwort: Fehlerspeicher! Ausgelesen aber nichts gefunden. Und nein, der Sensor für die Synchronisierung der Nockenwelle mit der Kurbelwelle (Liebe Leser, sind Sie noch wach?) sei auch nicht schuld. Und jetzt? Man sei mit dem Latein am Ende. Vielleicht helfe noch ein Reset der Elektronik.

Ich bin fürs Autonome Automobil. Das ist die Zukunft. Pannen ohne Fahrer. Und der Reset-Knopf drückt sich selbst.

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16.09.2014, 12:00 Uhr

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