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Rück- und Ausblick beim Regionaltheater Lindenhof

Die Gründerjahre sind vorbei

Zuhause leichte Verluste, auswärts leichter Gewinn: So präsentiert sich die Spielzeitbilanz des Melchinger Lindenhofs.

16.08.2012
  • Wilhelm Triebold

Melchingen. „Wir haben viele Dinge auswärts gemacht“, sagt Intendant Bernhard Hurm: Den Theaterabend zu „200 Jahre Friedrichshafen“ ebenso wie den Pausa-Kulturherbst oder die Heimkehr der Stettener Produktion „Mitten im Dorf oder der Krämer als Eigenbrötler“ in den Krämer-Laden im Neuhausener Freilichtmuseum. Trotzdem wurden droben auf der Alb in Melchingen immerhin noch 19 309 Zuschauer bei 236 Veranstaltungen erreicht, so die Lindenhof-Bilanz.

Im Jahr zuvor waren es bei 229 Veranstaltungen (allerdings die zusätzlichen Sommertheater-Aufführungen mitgezählt) noch 21 506 Zuschauer. „Wir haben etwas Publikum eingebüßt“, räumt Hurm ein, und grübelt: Ist das eine allgemeine Tendenz? Verliert das Theater an Attraktivität gegenüber der Party- und Eventkultur?

„Die Gründerjahre sind endgültig vorbei“, das schwant Hurm als Mann der ersten Stunde. 31 Jahre nach der „Ur-Premiere“ („Semmer Kerle oder koine“) müssen die Melchinger ein ums andere Mal beweisen, dass sie Kerle sind – und Mädle sowieso. „Das Alleinstellungsmerkmal, das uns unverwechselbar macht“, erlaubt sich Hurm einen leisen Zweifel, „das liegt nicht immer auf der Hand.“

Dagegen die Auswärtsbilanz des Regionaltheaters: 119 Aufführungen, die von 26 214 Zuschauern gesehen wurden. Eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr, als 106 Vorstellungen von 23 580 Personen besucht wurden. Dietlinde Ellsässers Inszenierung von Maria Beigs „Hochzeitslose“ mit Gina Maas und als Gast Brigitte Walter „lief gut“ (23 Aufführungen 63 Prozent Platzauslastung) –¨was sich wiederum von Albrecht Hirches „Sturm“-Version nicht gerade sagen lässt. 15 Aufführungen mit einer Auslastung von 27 Prozent – damit blieb dieser zentrale Spielplanposten weit hinter den wirtschaftlichen Erwartungen zurück.

Hurm: „Da waren wir unserem Publikum am weitesten voraus – vielleicht zu weit voraus!“ Auch wenn der Melchinger „Sturm“ frei nach Shakespeare sogar einmal in der Landeshauptstadt Stuttgart gegeben wurde – der Misserfolg hat die Theatermacher „schon ein bisschen aus dem Takt gebracht“, wie Hurm sich eingesteht. Die Fans hätten die Melchinger „so früh verlassen“, wie sie das nie erwartet hätten.

„Mit dieser Art Ästhetik stoßen wir in Baden-Württemberg an Grenzen. Das wird uns nicht aus der Hand gerissen, wir stehen für ein anderes Segment.“ Auch Mit-Intendant Stefan Hallmayer sieht einerseits beim „Sturm“ ähnliche Probleme wie früher bereits mit „Herzattacken“ und „Präsidentinnen“, die andererseits aber nicht so dramatisch, weil nicht so personalintensiv zu Buche schlugen. „Die Schlagzahl wird höher“, fügt Hallmayer an. „Man kommt an Grenzen, und wir müssen kämpfen.“

Die Einnahmen im Haus seien zwar zurückgegangen, und Melchingen sei eben „nicht mit den Zug zu erreichen“. So gesehen: „19 000 – für uns ist das viel.“ Als Reaktion nahm das Regionaltheater relativ spontan Ingrid Lausunds Westernkomödie „Hoimwärts nach Amerika“ auf den Spielplan. Bisher 18 Mal gespielt, Auslastung solide 70 Prozent.

Hallmayer: „Wir haben die Reaktion schon vollzogen. Und wir müssen das junge Publikum halten.“ Des weiteren lief auch der wiederaufgenommene „Don Quichote“ nicht schlecht, die gute alte „Geierwally“ sogar noch besser. Die „Schwabenkinder“ waren alle 13 Mal ausverkauft. Trotzdem, klagt Hallmayer, gebe es „kein Stück, das so richtig brummt und mit dem Lindenhof in Verbindung gebracht wird.“

Bereits am 7. September macht der Lindenhof schon wieder weiter mit der Eröffnung von „BaWü-la-la“, einer „heiteren Völkerverständigung zu 60 Jahren Baden-Württemberg“. Die erste Premiere in der kommenden Spielzeit ist zur Eröffnung des Mössinger Kulturherbstes in der Pausa am 12. September mit Kressmann Taylors „Empfänger unbekannt“, einer jüdische-deutschen Beziehungsgeschichte zur rechten Nazi(un)zeit. Sie arbeitet zudem mit den Mitteln der Musik (Wolfgang Schnitzer) und des Tanzes (Katja Büchtemann). Das Konzept stammt von Hallmayer und von Oliver Moumouris, der auch Regie führt. Damit will der Lindenhof, sagt Hallmayer, „den Bogen spannen“ zum Mössinger Generalstreik-Projekt.

Am 27. September folgt Susanne Hinkelbeins „Seefahrerstück über die Alb“, die „Arche Konrad“, eine „Auseinandersetzung mit dem Ende der Welt“, wie Hallmayer erklärt. Siegfried Bühr inszeniert. Anfang Oktober gibt‘s, ebenfalls mit Hinkelbein, den Kabarettabend „Rennfahrer Bieberle – Schwaben im Crashtest“. Und Am 30. November kommt (zuerst in Balingen, dann in Melchingen) die Lindenhof-Fassung von „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ heraus: Das Quasi-Volksstück bearbeitet von Regisseur Christoph Biermeier und Dramaturg Georg Kistner. Hallmayer spielt den Brandner Kaspar, Plankenhorn, den Boanlkramer.

Außerdem kündigt Heiner Kondschak (statt des „Stuttgarter Hutzelmännchens“) nun voraussichtlich für Ende Februar einen Robert-Gernhardt-Abend an, ehe ab Mai Franz Xaver Otts Generalstreik-Opus „Ein Dorf im Widerstand“ in Mössingen zu sehen ist.

Die Gründerjahre sind vorbei
Bitteschön, die Spielzeitbilanz: Hier präsentiert von Berthold Biesinger und Gerd Plankenhorn in „Hoimwärts nach Amerika“.

In zwei Jahren ist der „Tübinger Vertrag“ 500 Jahre alt, und in jenem Jahr 1514 erhoben sich auch die geheimen Bauernbünde, die sich „Armer Konrad“ nannten, gegen Herzog Ulrich von Württemberg, den sturen Feudalherrn. Das Lindenhoftheater, das 1990 bereits das Künstlerdrama „Jerg Ratgeb, Maler“ und das Frischlinstück „Ein unbehäb Maul“ herausbrachte, schreibt dazu ein Theaterstück, das indoor bereits im Mai 2014 in Fellbach und danach ab 8. Juli als Tübinger Sommertheater zu sehen sein wird. Klaus Hemmerle wird inszenieren, der Tübinger Spielort ist noch offen: Womöglich der Marktplatz, was von dem Stand der Rathaussanierung abhängen wird. Oder der Schlosshof in Verbindung mit dem Hof hinterm Bürgerheim.

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16.08.2012, 12:00 Uhr

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