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Wir haben Tübinger Studenten gefragt, wie sie mit ihrem Budget zurechtkommen

Die Hälfte des Geldes geht für Miete drauf

Breit gefächert: Die Spanne der studentischen Lebenshaltungskosten reicht in Tübingen von monatlich 600 Euro bis 1000 Euro. Doch wofür geht das Geld eigentlich drauf? Und: Woher kommt es? Kassensturz bei drei Tübinger Studierenden.

28.06.2015
  • Laura Walter

Tübingen. Miete, Ausgehen, Benzin – „1000 Euro sind da schnell zusammen“, stellt Annika H. fest. Ihre Ausgaben liegen damit deutlich über den 673,16 Euro, die Tübinger Studenten durchschnittlich zum Leben brauchen (siehe Kasten). Die 21-Jährige, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hält ihre Ausgaben zwar in einer Excel-Tabelle fest, doch es ist immer dasselbe: „Am Ende vom Geld ist noch Monat übrig. Dabei bin ich eigentlich sehr kontrolliert.“ Trotzdem lebe sie meist über ihre Verhältnisse, gesteht die Medienwissenschaftstudentin.

Wobei mit 560 Euro bereits über die Hälfte des monatlichen Budgets für die Miete ihrer Zwei-Zimmer Wohnung draufgeht. Dazu kommen dann unter anderem je rund 100 Euro für Lebensmittel und Benzin, je 20 für Handy und Internet und nochmal 150 Euro fürs Ausgehen. Hier ein Cocktail, da etwas zu essen, dann die ein oder andere Partynacht: „Wenn es ums Weggehen geht, dann kann ich Freunden eben schlecht absagen“, gibt sie zu. Unterstützt wird sie größtenteils von ihren Eltern, 180 Euro verdient sie selbst noch dazu.

Was Annika H. allein für die Miete ausgibt, muss bei Jeanette S. für den gesamten Monat ausreichen. Auch sie möchte nicht mit vollem Namen genannt werden. Anfangs, als sie vor drei Jahren fürs Lehramtsstudium nach Tübingen kam, habe sie „ziemlich sparsam gelebt“. Da wisse man ja noch nicht, wie viel Geld man brauche.

Ihr als „Planungsmensch“ fiel es aber nicht schwer, mit 600 Euro im Monat auszukommen. 290 Euro zahlt sie für die Miete ihres WG-Zimmers. Verglichen mit dem Landesdurchschnitt ist das ganz normal (siehe Kasten).

Für ihre Krankenversicherung und den Einkauf von Lebensmitteln gibt die 21-Jährige monatlich je 80 Euro aus, fürs Ausgehen 50 Euro. Die Uniausgaben belaufen sich auf rund 30 Euro. Unterstützt wird auch sie hauptsächlich von ihren Eltern, etwa 100 Euro verdient sie als Nachhilfelehrerin dazu. Besondere Ausgaben wie Shoppen, Urlaube oder andere größere Anschaffungen finanziert sie durch Erspartes oder Ferienjobs.

Dass manche Kommilitonen deutlich mehr Geld haben, sieht sie gelassen: „Mein monatliches Einkommen reicht fürs Normale, wenn ich mehr bräuchte, müsste ich mehr arbeiten.“ Ihr ist es wichtiger, neben dem Studium noch genug Zeit für Freizeitaktivitäten und ihren Freund zu haben.

Im Gegensatz zu den beiden Studentinnen ist Nicolai Halter eher planlos, was seine monatlichen Ausgaben angeht. Ob das am Geschlecht liegt? „Ich habe einen entspannten Umgang mit Geld“, sagt der 24-Jährige. Deshalb kann er seine Ausgaben auch nicht so genau aufzählen. Seine Eltern unterstützen ihn monatlich mit 280 Euro, das deckt gerade die Miete seines WG-Zimmers.

In den vergangenen vier Jahren hat er sich trotzdem selten ernsthafte Gedanken um seine Finanzen gemacht. „Eigentlich ist es aber dumm, dass ich keine wirkliche Kontrolle über meine Ausgaben habe“, sagt er. Doch bisher habe es ja auch so immer ganz gut geklappt. Nur ganz selten wird es knapp: „Letzte Woche habe ich zum ersten Mal mein Konto überzogen“, stellt er lachend fest. Das lag jedoch weniger an unverhältnismäßig hohen Ausgaben, sondern daran, dass er die letzten Semesterferien nicht wie sonst gearbeitet hat. Hausarbeiten hielten ihn von seinem Ferienjob in einer Fabrik ab. Damit finanziert sich der Deutsch- und Englisch-Student normalerweise seine restlichen Ausgaben.

Grob geschätzt sind das je 100 Euro für Lebensmitteleinkäufe und Ausgehen, 12 Euro fürs Semesterticket, rund 16 Euro gibt er für Bücher und sonstige Unimaterialien aus. Dazu kommen noch insgesamt 17 Euro für ein Spiegel- und Spotify-Abo. Verglichen mit den Ausgaben anderer Studenten scheinen die von Nicolai Halter nicht überdurchschnittlich. Seine monatlichen Ausgaben interessieren ihn trotzdem: „Vielleicht mache ich im Mai auch mal eine Liste.“

Die Hälfte des Geldes geht für Miete drauf
Reicht das Geld noch fürs Aufladen? Allein 60 Euro gibt Nicolai Halter im Monat fürs Essen in der Mensa aus. Bild: Walter

Tübinger Studenten ohne Auto geben monatlich im Schnitt 673,16 Euro aus. Damit liegen sie unter dem Durchschnitt in Baden-Württemberg (719,93 Euro) und fast gleichauf mit dem Bundesdurchschnitt (672,83 Euro). Größter Kostenpunkt ist die Miete, in BW sind das 292,75 Euro, die Tübinger liegen mit 261,81 trotz höheren Mietspiegels ein wenig darunter. Auch was Lebensmittel angeht, sind die Tübinger im Schnitt mit 156,95 Euro sparsamer als der Landesdurchschnitt (166,07 Euro). Weitere Ausgaben, die erhoben wurden, betreffen Telefon, Internet, Versicherung, Lernmittel und Transportmittel.
Quelle: unicum.de (Stand 28. April 2015)

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28.06.2015, 12:00 Uhr

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