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Abschied von einer Kämpferin

Die Hebamme Susanne Locher starb völlig unerwartet im Alter von 52 Jahren

Vor 26 Jahren gründete Susanne Locher zusammen mit Kolleginnen die bis heute bestehende Rottenburger Hebammenpraxis. Völlig unerwartet starb sie am Abend des Feiertags Allerheiligen.

11.11.2015
  • Ursula Kuttler-Merz

Rottenburg. „Sie war ein Tausendsassa und voll Lebensfreude“, vor allem aber „Hebamme mit Leib und Seele“ sagt ihre Familie über Susanne Locher. Sie starb am Sonntag vor einer Woche während eines Kurzurlaubs in Barcelona im Alter von 52 Jahren an einer Hirnblutung.

Susanne Locher (geborene Hahn) kam am 18. Oktober 1963 in Tübingen als zweites von vier Kindern einer Juristenfamilie zur Welt. Sie besuchte die Geschwister-Scholl-Schule und wurde nach dem Abitur von ihrem Großvater Viktor Probst zur „Berufsberatung“ einbestellt. Er war früher Ärztlicher Direktor der Tübinger Frauenklinik gewesen. Seinem Rat entsprechend begann die Enkelin mit der Ausbildung in der Tübinger Hebammenschule. Schnell zeigte sich, dass dies genau zu ihr passte. In ihrer Freizeit ging sie gerne in den Tübinger „Zoo“, wo sie ihren Mann Albrecht Locher kennenlernte: Er arbeitete damals im Zivildienst als Sanitäter. 1986 feierten die beiden Hochzeit und wurden in der folgenden Zeit zwei Mal Eltern.

Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung vertrat Susanne Locher zunächst im Raum Ravensburg eine Landhebamme. 1988 ließ sie sich als selbstständige Hebamme in Rottenburg nieder. Sie bot auch Schwangerschafts-Schwimmen an und machte hierfür noch den „Rettungsschwimmer“. Darauf folgte die Gründung einer Gemeinschafts-Hebammenpraxis in angemieteten Räumen des Hauses Jahnstraße 12, wo schon Jahrzehnte zuvor die Rottenburger Hebamme Maria Hehr ihren Beruf ausgeübt hatte.

2003 mieteten die mittlerweile vier Hebammen große Räumlichkeiten im ehemaligen Fouquet-/Sturm-Fabrikgebäude in der Gartenstraße – im Hinblick auf das vorhandene kleine Budget ein mutiges Unterfangen. Mehrere Tausend kleine Rottenburger/innen sind in diesen 26 Jahren durch Lochers Hände gegangen; sei es direkt bei der Geburt, sei es im Wochenbett und bei der Nachsorge.

Susanne Locher übte ihren Beruf mit großer Hingabe und Begeisterung aus. Weniger begeisternd entwickelten sich in den vergangenen Jahren die Rahmenbedingungen. Sie machte sich große Sorgen um die Zukunft ihres Berufsstands, vor allem wegen der drastisch steigenden Versicherungsbeiträge (für etwaige Schäden bei der Geburt) und für Einschränkungen bei Hausgeburten. Anfang Oktober 2015 meldete sie sich beim Film „Einsame Geburt – Hebammen in Not“ im Kino Waldhorn noch unmissverständlich zu Wort: Zum ersten Mal müssten sie und ihre Kolleginnen derzeit Schwangeren absagen, weil die Kapazitäten erschöpft seien.

Glücklicherweise war Susanne Locher persönlich noch nicht erschöpft: Seit ihrer Kindheit spielte sie Volleyball in der TSG Tübingen, kam um 1978 von der Jugendmannschaft zu den „Damen“ und blieb ihrem Heimatverein und den Sportkameradinnen treu und verbunden bis zuletzt, war immer noch aktiv dabei. Sie war eine große Frankreich-Verehrerin und, als echte Genießerin, in diesem Nachbarland fast zuhause.

In ihrer freien Zeit tankte sie Kräfte mit ihrer Kontaktfreude und Kreativität, mit vielen Vorlieben und Begabungen. Dazu gehörten das Singen, Gitarre- und Ukulele-Spielen, das Lieder-Dichten für Feiern aller Art, das Kochen mit der Familie und das Produzieren der „besten Salatsoße der Welt“. Sie zauberte Blumensträuße „aus dem Nichts“, war eine exzellente Pilzkennerin und Sammlerin mit großer Freude an der Natur. Der Wald hatte es ihr ebenso angetan wie ihre unzähligen Blumentöpfe, ihr großer Neckarhalde-Garten voller Akelei, Lavendel und Rosen – eine richtig schöne „schwäbische Macchia“.

Und nicht zuletzt war sie auch eine mütterliche Freundin für die Freunde ihrer Kinder, die Susanne Locher sehr mochten – und umgekehrt. Sie hatte, so beschreibt es die Familie, „Freude am Leben und ein großes Herz, in das Vieles reingepasst hat“.

Info Requiem für Susanne Locher ist am Donnerstag, 12. November, um 11 Uhr in der Morizkirche. Die Urne wird zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis beigesetzt.

Die Hebamme Susanne Locher starb völlig unerwartet im Alter von 52 Jahren

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11.11.2015, 12:00 Uhr

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