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Schnitzen lässt sich alles

Die Holzbildhauerwerkstatt von Josef Baur wird 75 Jahre alt

Zwei Brüder schnitzen kräftig im Bierlinger Familienbetrieb Baur: Kreuze nehmen inzwischen zwar andere Formen an, Standuhren sind nicht mehr so gefragt; aber Narrenmasken, Krippen und sogar Schutzengel erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit.

10.11.2010

Von WALTHER PUZA

Bierlingen. Schon der Großvater hatte eine Schreinerei, Enkel Ludwig geht diesem Beruf noch heute nach. Seine beiden Brüder Josef und Reinhold stiegen dagegen in die Fußstapfen ihres Vaters. Der, Anton Baur, hatte sich vor genau 75 Jahren als Holzbildhauer selbstständig gemacht. Heute wie damals hat der Betrieb seinen Sitz in der Bierlinger Pfarrgasse 10.

In der Schreinerei des Großvaters wurden vor allem Möbel hergestellt, erzählt der heutige Firmeninhaber Josef Baur. Weil Möbel mit geschnitzten Auflagen Mode waren, habe sich der Großvater die Kunst selbst beigebracht. Sein Sohn Anton professionalisierte das Können und besuchte die Schnitzereischule Furtwangen. „Er hat es aufgrund seiner Erfahrungen daheim von der Pike auf gelernt“, so Josef Baur. Weil er seine Ausbildung im Schwarzwald gemacht hat, fand Anton Baur auch schnell die passende Nische für seinen jungen Betrieb: Landschaftsreliefs, Kuckucksuhren, Barometer und Teller mit Schwarzwaldmotiven.

Bei Wind und Wetter, erinnert sich Josef Baur, sei der Vater mit dem Motorrad losgefahren – im Rucksack die Modelle seiner Arbeit. Die Händler in den Touristenorten waren sein Ziel. Noch heute können in Todtmoos, Triberg und Titisee Bierlinger Schnitzereien erworben werden. Alpenansichten fanden ebenfalls Abnehmer, beispielsweise in Oberstdorf; auch dorthin liefert Josef Baur noch.

Die Landschaftsreliefs, sogar auf Couchtischen und in Form von mehrere Quadratmeter großen Wandvertäfelungen, erfreuten sich einst unglaublicher Beliebtheit – so lange nämlich amerikanische Soldaten im Land waren, die nur zu gern eine Erinnerung an Europa in die Heimat mitnehmen „Damals hätte mein Vater zehn Bildhauer beschäftigen können“, sagt Josef Baur: „Und die Sachen waren für die Amerikaner auch recht günstig.“ Doch dann kam der Dollarverfall, gefolgt von einem abrupten Rückgang der Nachfrage.

Auch die jetzige Schnitzer-Generation ist noch stark geprägt von des Vaters Spezialisierung auf Reliefs, denn beide Söhne haben bei ihm gelernt. Josef Baur: „Die richtige Lehre ging für mich erst los, als ich mit Figuren begonnen habe.“

Allein 40 Krippen stehen jetzt auf Weihnachten hin im betriebseigenen Laden; verschiedene Größen, Stile und Farbgebungen sind da zu sehen. Generell gelte, so Josef Baur: „Man kann alles schnitzen – Sakrales, aber auch Firmenschilder.“ Einmal durften die Bierlinger einen während des Kriegs zerstörten gotischen Altar in Kevelaer komplett neu herstellen. Gelegentlich bekommen sie einen Auftrag für ein Feldkreuz.

Derzeit liegen viele Rohlinge für Masken in der Werkstatt. Die Fasnet wirft ihre Schatten voraus. Josef Baur: „Die Saison läuft schon eine geraume Zeit.“ Bei den Masken wie bei den Krippenfiguren helfen inzwischen Fräsen, den Preis niedrig zu halten. Nur die Entwürfe müssen komplett von Hand geschnitzt werden; mit der Fräse abgetastet ergeben dann die Rohlinge.

„Sieben Stunden brauch? ich trotzdem noch für eine Maske“, gibt der Bildhauer zu bedenken. Ganz verschiedene Zielgruppen bedienen die Bierlinger mit ihrem Sortiment: „Die wegen der Masken kommen, schauen die Kreuze gar nicht an“, lächelt Josef Baur. Zudem sind die angebotenen Produkte immer einem Wandel unterworfen, beispielsweise die Kruzifixe: „Junge Leute nehmen eher welche mit Symbolfigur.“

Statt eines Gekreuzigten wollen sie lieber ein Herz oder einen Strahlenkranz auf dem Kreuz sehen. Hinzu kommt ein größerer Bedarf an schlichten Formen. „Und Natur kommt immer mehr, habe ich das Gefühl“, so Josef Baur: „Bei den Krippen haben wir aber schon die traditionelle Gestalt beibehalten.“

Individuell geht freilich auch. Gerne schnitzt Josef Baur auf Kundenwunsch Figuren: „Es ist schön, wenn jemand mit Vorstellungen kommt und man findet einen gemeinsamen Nenner.“ Das schönste aber an diesem Handwerk ist für ihn: „Man hat den Beruf ja nie ausgelernt.“

Info: Vom heutigen Mittwoch an bis zum kommenden Sonntag hat die Ausstellung der Gebrüder Baur in der Bierlinger Pfarrgasse 10 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Schon lange vor Saisonbeginn stapeln sich die Masken dutzendweise in der Bierlinger Werkstatt Baur. Reinhold Baur (im Bild links) hat sich auf das Bemalen der Schnitzereien seines Bruders Josef (rechts) spezialisiert. Während der eine ein Schwarzwaldrelief koloriert, arbeitet der andere an einer Christophorus-Figur. Bild: Puza

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Erstellt:
10. November 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
10. November 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. November 2010, 12:00 Uhr

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