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Ein Tipi ist kein Hotel

Die Hopfenburg bietet ein besonderes Campingerlebnis

Einmal wie die kirgisischen Hirten in Jurten oder wie die Indianer im Tipi schlafen – die Hopfenburg bei Münsingen lässt solche Träume wahr werden. Selbst für verhinderte Artisten hat sie die richtige Übernachtungsmöglichkeit parat.

28.08.2012
  • Moritz Siebert

Münsingen. Entwickelt wurde das alternative Camping- und Urlaubskonzept von dem Münsinger Architekt Andreas Hartmaier. Seine Idee: Die Natur und das traditionelle Landleben mit dem modernen Menschen vereinbaren, die Begebenheiten der Region berücksichtigen – und trotzdem Elemente aus der ganzen Welt zusammenbringen, das Menschliche, nicht das Wirtschaftliche in den Vordergrund stellen.

Hartmaier scharte Schreiner, Restauratoren, Zimmerleute, Bauunternehmer sowie Landschaftsgärtner um sich – und er investierte: Zeit, Geduld und Kapital. Er kaufte ein seit längerer Zeit brachliegendes Hofgut und reaktivierte das Hofleben. Das Team terrassierte neun Hektar Land zu großflächigen Ebenen, verwandelte die Scheune in einen Festsaal und besorgte Übernachtungsmöglichkeiten für die Gäste. Keine einfachen Zelte, sondern Tipis oder Jurten aus Kirgisien, Heidewägen oder Zirkuswägen, restaurierte Originale oder originalgetreue Nachbauten. Im Frühjahr 2011 öffnete die Hopfenburg schließlich ihre Pforten für Gäste. In der ersten Saison wurden es gleich 6000. Nach nicht einmal einem Jahr verlieh der ADAC dem Projekt seinen Camping-Award.

Es ist die Erfolgsgeschichte einer Idee, die Wirklichkeit wurde: Die Bewirtung erfolgt nur mit regionalen Produkten und Kräutern aus dem eigenem Bauerngarten, das Brot kommt aus der hauseigenen Backstube, im Hofladen gibt es nur regionale Produkte, das Regenwasser wird gesammelt und der Strom in einem Blockheizkraftwerk produziert. In diesem Jahr ist die Hopfenburg fast an jedem Wochenende ausgebucht. Die Geschäftsführung geht von dreimal so vielen Besuchern wie im ersten Jahr aus.

Barrierefrei und mit richtigen Betten

Die Gäste kommen nicht nur aus der Region, auch in Norddeutschland und im umliegenden Ausland hat man die Schwäbische Alb und ihr im 2009 von der UNESCO anerkanntes Biosphärengebiet längst als Touristenziel entdeckt – und die Hopfenburg als aufregende und günstige Unterkunft.

Eine Hamburger Familie ist auf ihrer Fahrradtour quer über die Alb hier abgestiegen. „Wir konnten uns nicht entscheiden, ob wir Zirkuswagen, Tipi oder Jurte buchen sollen.“ Schließlich hätten sie sich dem Willen des Sohnes gebeugt und die Jurte gewählt. „Er hat es schon bereut“, sagt der Vater. Warum? „Sie riecht nach Schaf“, antwortet der Neunjährige. Auf der Hopfenburg legt man Wert auf Originalität und Naturbelassenheit. Und kirgisischen Hirten bespannen ihre Jurten nun mal mit Wolle.

„Wir haben hier gewissermaßen die Schlafstätten unterschiedlichster Nomaden dieser Erde an einem Ort versammelt“, erklärt Michael Zöller, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Hopfenburg. Und auch für die „modernen Nomaden“ ist Platz: Auf Gelände gibt es Stellplätze für Wohnwagen und für Gäste, die ihr eigenes Zelt mitbringen. Es klingt abenteuerlich, tatsächlich sind die Schlafstätten aber recht luxuriös ausgestattet. Sämtliche Schlafmöglichkeiten sind barrierefrei zugänglich, Zelte und Jurten sind mit Holzböden und Betten ausgestattet, die sanitären Anlagen sind sauber. „Glamping“, nennt es Michael Zöller, „glamouröses Campen“. Geschäftsführer Hartmaier relativiert: „Ein Tipi ist kein Hotel, darüber muss man sich im Klaren sein.“

Und die Schwäbische Alb ist auch nicht die Südsee. Die Sommer sind unzuverlässig. Die Tipis mussten die Betreiber beispielsweise mit zusätzlichen Hauben versehen. Den Tipp lieferten die Missouri-Indianer, ein Volk, das wie die Schwaben häufig mit Regen zu kämpfen hat. Auch an diesem Wochenende hat es geregnet. Die Hamburger Familie entscheidet sich, ihre Radtour erst am nächsten Tag fort zu setzen und stattdessen das Gelände zu erkunden.

Im Stall werden bedrohte Haustierrassen gehalten, Hinterwälder Rinder und zwei Poitou-Esel, eine Spezies, von der nur noch 400 reinrassige Tiere erhalten sind. In der historischen Backstube ist zu beobachten, wie Brot entsteht, das am nächsten Tag auf den Frühstückstisch kommt. In der hofeigenen Schreinerei kann man zusehen, wie nach und nach neue Wagen und Elemente für Scheuen entstehen. Ideen werden auf der Hopfenburg nicht nur verwirklicht – sie gehen auch nie aus: Der alte Kuhstall soll bald in ein Appartementhaus verwandelt werden, für Gäste, denen Tipis doch zu wenig Hotel sind – oder denen die Jurten zu sehr nach Schaf riechen.

Die Hopfenburg bietet ein besonderes Campingerlebnis
Nicht in der kirgisischen Hochebene, sondern bei Münsingen stehen diese Jurten, allesamt restaurierte Originale oder originalgetreue Nachbauten. Bild: Faden

Neben der Zielsetzung, im Einklang mit der Natur zu wirtschaften, steht für die Betreiber der Hopfenburg auch das soziale Engagement im Vordergrund. Auf dem Hofgut werden Menschen mit Behinderung beschäftigt und Jugendliche mit Lernschwäche ausgebildet. Die Arbeitsplätze werden den Fähigkeiten der Menschen entsprechend eingerichtet. Das Hofgut Hopfenburg kooperiert mit dem Netzwerk Lebenshilfe Reutlingen und der Bruderhaus-Diakonie.

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28.08.2012, 12:00 Uhr

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