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Eine schwere Geburt

Die Horber SPD will seit Jahren einen Jugendgemeinderat einrichten – jetzt scheint sich was zu

Mit Nachdruck fordert die Horber SPD einen Jugendgemeinderat für Horb. Soll es nicht länger bei Unterstützungsbekundungen bleiben, kann man nicht früh genug diskutieren, was solch ein Gremium für die Jugendlichen und die Stadt bedeutet. Am Mittwoch wurde zur Infoveranstaltung ins „Kloster“ eingeladen.

23.11.2012

Von Martina Lachenmaier

Horb. Einen Jugendgemeinderat hat die Horber SPD seit Jahren auf ihrer Agenda. Schon 1999 hat sie einen Antrag im Horber Gemeinderat eingebracht. Ersten Zustimmungsbekundungen folgte wenig Konkretes. Die Verwaltung hat das Thema zwar immer wieder aufgegriffen, aber in all den Jahren fehlte entweder das Geld oder das Personal. Vor einem Jahr hat die SPD-Gemeinderatsfraktion einen neuen Vorstoß gewagt und den Antrag auf Einrichtung eines Jugendgemeinderats wiederholt. Nach einjährigem Verharren im Warteschleifenstatus soll das Thema im Kultur- und Sozialausschuss am 27. November beraten werden.

Im SPD-Ortsverein haben sich die Vorsitzende Katrin Kinsler und Viviana Weschenmoser („ich wohne zwar in Bierlingen, bin aber vom Herzen her Horberin?) des Themas angenommen. Viviana Weschenmoser macht in ihrer Studienstadt Tübingen politische Jugendarbeit. „Wenn ich sehe wie viele Möglichkeiten es dort für Jugendliche gibt, wünsche ich mir das auch für Horb. Ihr zusätzlicher Antrieb: „Die jetzigen Jugendlichen sollen nicht die gleichen Frusterlebnisse haben wie meine Generation. Denn es hat sich nichts geändert?, sagt sie und verweist auf die schlechten Busverbindungen in die Teilorte nach 18 Uhr.

Jugendliche könnten und sollten ihre Stadt mitgestalten, sagte die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Katrin Kinsler. „Überparteilich findet der Antrag der SPD-Gemeinderatsfraktion Zustimmung?, ist sie sicher. Auch Oberbürgermeister Peter Rosenberger, und er selbst als Bürgermeister, befürworteten eine wie immer geartete Jugendbeteiligung. Darüber entscheide letztendlich der Gemeinderat, sagte Jan Zeitler, der ebenfalls beim Infoabend war. Dass die örtliche CDU dem Thema nicht ganz abgeneigt ist, machte die Anwesenheit von Horbs CDU-Vorsitzendem Thomas Kreidler deutlich. „Ich bin dafür, will meiner Fraktion aber nicht vorgreifen?, sagte er.

Julia Eberhardt, eine Mitarbeiterin der Landeszentrale für politische Bildung, und früher selbst Heidelberger Jugendgemeinderätin, informierte am Mittwoch über die verschiedenen Arten der Jugendbeteiligung. „Ein Jugendgemeinderat vertritt die Interessen der Jugendlichen gegenüber dem Gemeinderat und Ausschüssen bei allen Fragen, die die Jugend betreffen.? Vor der Gründung dieses Gremiums müsse man die Bedürfnisse und Anliegen der Jugendlichen abfragen. „Vergessen Sie nicht, dass Jugendliche die zentralen Akteure sind?, riet sie. „Unterschätzen sie die Jugendlichen nicht, aber überfordern sie sie auch nicht. Ein Jugendgemeinderat ist nichts von Ewigkeit?, so die Referentin. Man müsse gewahr sein, dass Jugendliche eben nur drei Jahre jugendlich sind, bevor sie theoretisch in den Gemeinderat wechseln könnten.

Jugendforen hingegen seien eher unverbindlich. Sie ermöglichen Jugendlichen ein von vorn herein zeitlich begrenztes Engagement für bestimmte Projekte. In Horb hat es 2003 und 2008 ein Jugendforum gegeben. Aus dem ersten ging beispielsweise das Horber Minirock-Festival hervor.

„Jugendgemeinderäte und Jugendforen brauchen intensive Pflege?, machte die Referentin deutlich. Eine fachliche Betreuung durch Sozialpädagogen sei unabdingbar ? und koste Geld. Es gebe kein für alle Kommunen gültiges Konzept für die Jugendbeteiligung. Auch Horb werde den eigenen Weg finden und klären müssen, in welchem Alter Jugendliche wahlberechtigt sind, ob der Wohnort oder der Schulort maßgeblich ist und wie groß das Gremium sein soll. Erfahrungsgemäß sei es gut, an allen Schultypen von der Förderschule bis zur Berufsschule, Vertreter für den Jugendgemeinderat wählen zu lassen. Danach könnten sich die Mitglieder je nach Interessenschwerpunkten für die Arbeit in Ausschüssen melden.

Sollte der Horber Gemeinderat dem SPD-Antrag folgen, werde es darum gehen, die Jugendlichen zu erreichen, erkannte Katrin Kinsler. Ohne Lehrer und Schulen mit ins Boot zu holen, werde es nicht gelingen. Infoveranstaltungen sollten an Schulen organisiert werden. Ihre Befürchtung war, dass ein allzu bürokratisch geführter Jugendgemeinderat ein hohes Frustarationspotenzial habe, wenn Anträge der Jugendlichen verschleppt würden.

Bislang seien die beiden Jugendforen in Horb keine nachhaltige Art der Jugendbeteiligung gewesen, erinnerte SPD-Stadtrat Volkhard Bähr. Er bezifferte die jährlichen Kosten auf 40 000 Euro. 10 000 Euro für den Jugendgemeinderatsetat und eine halbe Personalstelle. „Umsonst ist der Jugendgemeinderat nicht zu haben.? Bei dieser Zahl legte SPD-Stadtrat Thomas Mattes als Mitglied des Haushaltsausschusses schon die Stirn in Sorgenfalten. Er mag sich daran erinnert haben, dass in früheren Jahren die Installation des Jugendrats schon an 10 000 Euro gescheitert ist. Dann sagte er: „Die Beteiligung der Jugendlichen ist wichtig. Demokratie darf ja auch etwas kosten.? Die Begleitung des Jugendrats durch die Stadtverwaltung binde unbestritten Verwaltungskapazitäten.

Von den anwesenden Jugendlichen sind drei mit konkreten Vorschlägen ins „Kloster gekommen?. Joshua Jethon, Erik Wilde und Adrian Reimers sind begeisterte Anhänger der neuen Trendsportart Parcouring. Was das ist, haben sie per Videoclip gezeigt. Hindernisse, sei es in der Stadt oder im Wald, überwinden sie auf effiziente und elegante Art und Weise. Die drei wünschen sich in Horb eine Trainingsmöglichkeit, damit sie nicht immer nach Freudenstadt zum Training fahren müssen. Dafür würden sie auch im Jugendgemeinderat mitarbeiten.

Eine ziemlich geringe Beteiligung zwar, aber das Thema Jugendgemeinderat ist erst einmal gesetzt. Die SPD will ihn haben und hat am Mittwoch zum Infoabend ins „Kloster“ eingeladen. Die Organisatorinnen waren SPD-Chefin Katrin Kinsler (oben rechts) und Viviana Weschenmoser (unten links). Bild: la

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Erstellt:
23. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. November 2012, 12:00 Uhr

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