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Zwischen Rat und Studium

Die Horberin Jillian Freitag ist immer unterwegs aber auch gerne zuhause

Jillian Freitag ist Vorsitzende des ersten Horber Jugendgemeinderats (JGR). In Tübingen studiert sie an der Universität. Zwischen Sitzungen und Seminaren engagiert sich die 20-Jährige in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Ergenzingen, lernt Arabisch, spricht Grußworte nach Oberbürgermeister Peter Rosenberger auf Kundgebungen, ist gerne unterwegs, genießt es aber auch, zuhause zu sein.

07.11.2015

Von Sara Vogt

Horb. Jillian Freitag lächelt, fast pausenlos. Stillsitzen scheint ihr dagegen nicht wirklich wichtig zu sein. Auf dem Gleis-Süd-Tisch steht ein Milchkaffee vor der 20-Jährigen. Gerade pendelt sie zwischen Horb und Tübingen. Dort studiert sie Orient- und Islamwissenschaft im Hauptfach und Politikwissenschaft im Nebenfach. Ihren Pflichten als Vorsitzende des Jugendgemeinderats geht sie in Horb nach. Am Abend steht noch das Treffen einer Steuerungsgruppe an, bei der es um Horbs Zukunft geht, danach geht?s nach Tübingen. Morgen Mittag geht es zum nächsten Termin wieder zurück nach Horb. Ein Zuhause hat sie in beiden Städten.

„Manchmal nimmt der Jugendgemeinderat ganz viel Zeit in Anspruch, manchmal ganz wenig?, erzählt die Jugendgemeinderätin. Vor allem vor großen Projekten wie dem „Holi Day Horb?. Dann gibt es auch wieder ruhigere Zeiten, in denen kaum etwas zu tun sei für das Gremium. „Am Anfang war ich dann auch noch oft im Gemeinderat, das geht aber im Moment nicht mehr, weil ich zu der Zeit Seminare an der Uni habe?, erzählt die Studentin.

Bis die 20-Jährige ein passendes Hauptfach gefunden hat, verging einige Zeit. Es gebe einfach zu viele interessante Studiengänge, sagt Freitag. Mit Orient- und Islamwissenschaft ist sie nun glücklich. Beim Studiengang „Sprachen, Geschichte und Kultur? müssen die Studenten Arabisch lernen und sich später zwischen Türkisch und Persisch entscheiden. „Das wird aber bestimmt noch hart?, sagt Jillian Freitag und lächelt. „Schon das Lernen des Alphabets geht langsam.?

Der Wunsch Politik zu studieren war schon länger da. „Meine Mutter hat dann nur gesagt: ?Ach her je, willst du dann mal in den Bundestag??, erzählt die 20-Jährige. Sie lacht. „Aber mit dem Studium kann man sich eben vielfältig einbringen.?

Mit 15 Jahren fing sie an, regelmäßig Zeitung zu lesen. Morgens auf dem Weg in die Schule durchforstete sie die verschiedenen Apps überregionaler Medien. Nach der zehnten Klasse am Martin-Gerbert-Gymnasium wechselte sie auf das sozialwissenschaftliche Gymnasium in Nagold. Die einstündige Fahrt zur Schule nutzte sie, um sich über das Geschehen in der Welt zu informieren.

„Up to date? zu bleiben ist für sie nicht nur fürs Studium wichtig. „Wenn wir abends in Tübingen noch zusammensitzen, wird schon viel diskutiert?, sagt die Studentin. „Es ist unglaublich spannend, was alles passiert. Es gibt Themen über die wir uns lange aufregen, aber auch amüsieren.?

Ihre Sonntage verbringt sie auch mal gerne auf einer Demo. „Ich finde, nicht jeder muss zu allem eine Meinung haben?, meint die 20-Jährige. „Zurzeit ist es schlimm, wenn man nichts sagt.? Dabei spielt sie auf die Flüchtlingsdebatte an und spricht sich entschieden gegen Fremdenfeindlichkeit aus. Andererseits findet sie aber auch nicht gut, zu jeder Pro-Flüchtlingsdemo zu rennen und „am Bahnhof stehen und klatschen, wenn der Zug einfährt. Irgendwann ist der Punkt überschritten, dann leg ich das Schild weg und helfe?.

Freitag engagiert sich in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Ergenzingen und hilft dort bei der Kleider-, Hygieneartikel- oder Essensausgabe. Um die 500 Flüchtlinge sind in der ehemaligen Werkshalle untergebracht. „Da ist ein Kommen und Gehen?, berichtet sie: „Wenn Flüchtlinge ankommen, wird die Kleiderkammer leer, dann füllt sie sich wieder, dann wird sie wieder leer.? Auch in Horb würde sie sich gerne mehr engagieren. „Das hat aber bis jetzt immer nicht so richtig geklappt. Oft habe ich JGR-Sitzung zeitgleich mit dem Treffen des Freundeskreis Asyl?, sagt die Horberin.

Seit ein paar Monaten ist Jillian Freitag nun nicht nur im JGR, sonder auch in Tübingen hochschulpolitisch engagiert. Ob und wie ihre Zukunft in der Politik aussehen wird, das weiß die 20-Jährige noch nicht. „Ich möchte einfach was machen, mitwirken und verändern, das muss aber nicht in der Politik sein?, sagt Freitag.

Für Horb würde sie sich Wünschen, dass mehr junge Leute im Gemeinderat sitzen würden. „Nicht weil die, die dort sind, es schlecht machen?, fügt Freitag schnell hinzu. Auf die Frage, wie ihrer Meinung nach der Gemeinderat in zehn Jahren aussehen sollte, lächelt sie: „Mit einer Quote für unter 30-Jährige.?

Zwischen dem Studium und ihrer Rolle aus Vorsitzende des JGRs liest sie gern. „Aber keine Romane, lieber Sachbücher.? Auch hat sie das Reisen für sich entdeckt. „Ich bin noch nicht so viel gereist, das ist aber auch nicht schlimm, ich bin auch jemand, der gerne Zuhause ist, bei meine Mutter und meiner Schwester?, sagt die Horberin und lächelt.

So richtig entscheiden, wo ihr Lieblingsplatz in Horb ist, kann sich Jillian Freitag nicht. Sie geht aber gerne am Neckar entlang spazieren, schaut beim Alten Freibad vorbei und mag ihre Wohnung in der Kernstadt.Bild: Kuball

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Erstellt:
7. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. November 2015, 12:00 Uhr

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