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US-Wahlkampf

Die Implosion der Republikaner

Donald Trumps Kandidatur ist kaum noch zu retten. Nun will er die ganze Partei mit in den Abgrund reißen.

14.10.2016
  • Peter De Thier mit dpa

Washington. Weniger als vier Wochen vor den US-Wahlen ist der Augenblick gekommen, vor dem sich viele Konservativen gefürchtet hatten: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat erkannt, dass er den Bogen überspannt hat. Wähler, die bisher mit bemerkenswerter Toleranz ein Auge zudrückten und seine abstrusen Entgleisungen mit jener erfrischenden Offenheit begründeten, die Trump zu einem Durchmarsch bei den Vorwahlen verholfen hatte, sind mit der Geduld am Ende. Nun hat der aufmüpfige Selbstdarsteller, eine Entscheidung getroffen: In den Sog seiner drohenden Niederlage sollen auch sämtliche „illoyalen“ Republikaner gezogen werden, die in seiner Wahrnehmung einzig und allein für seine Talfahrt verantwortlich sind.

Immer schlimmere Vorwürfe

Begonnen hatte der Sturzflug mit der Veröffentlichung eines Videos, in dem der Trump behauptete, dass er sich es als „Star“ leisten könne, sich an Frauen zu vergreifen. Es seien „nur Worte“ gewesen, verteidigte sich Trump. Doch selbst daran werden immer mehr Zweifel laut. Zwei Frauen beschuldigen Trump in einem Interview mit der „New York Times“, sexuell übergriffig geworden zu sein. „Seine Hände waren überall“, sagt die heute 74-jährige Jessica Leeds, die behauptet, von Trump vor 35 Jahren während eines Fluges betatscht worden zu sein. „Er war wie eine Krake.“

Mittlerweile haben ein Drittel aller republikanischen Senatoren und über zwei Dutzend Abgeordnete Trump den Rücken zugekehrt. Paul Ryan, der Sprecher und somit Fraktionschef des Repräsentantenhauses, faktisch der mächtigste Republikaner auf dem Kapitolshügel, brachte das Fass zum Überlaufen. Auch er könne sich nicht für den Präsidentschaftskandidaten aussprechen, sagte Ryan. Prompt warf der selbstverliebte Showman dem Parteifreund vor, „schwach und ineffektiv“ zu sein. Hinter dem Massenexodus vermutete Trump zuletzt „eine dunkle, unheilvolle Verschwörung“. Den Abtrünnigen „werde ich es zeigen“, wetterte er auf Twitter. Seine Umfragewerte sanken fast stündlich.

Wie auch andere Republikaner hat Ryan mittlerweile erkannt, dass die Präsidentschaftswahl kaum noch zu gewinnen sein wird. Ihnen geht es nun darum, die Mehrheiten im Parlament zu behaupten. Diese könnten angesichts des Chaos in den eigenen Reihen durchaus wackeln. Genüsslich schlachten demokratische Kandidaten aus, dass viele Republikaner Trump bisher unterstützt haben.

Diese Strategie könnte aufgehen. Im Senat müssen die Demokraten lediglich vier von 34 zur Disposition stehende Mandate zurückerobern und im Unterhaus 17 Sitze hinzugewinnen. Beides Ziele, die angesichts der bürgerkriegsähnlichen Zustände in der republikanischen Partei durchaus realistisch sind.

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14.10.2016, 06:00 Uhr

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