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Die Jungen wissen, dass sie privat vorsorgen müssen
Die Rente mit 67 ist bereits eine erste Antwort auf die steigende Lebenserwartung

Die Jungen wissen, dass sie privat vorsorgen müssen

Finanzminister Wolfgang Schäuble denkt laut über einen späteren Rentenbeginn nach. Dabei ist schon die Rente mit 67 auf dem Weg. Junge Leute rechnen damit, deutlich länger arbeiten zu müssen.

22.04.2016
  • DIETER KELLER

Berlin. "Wir müssen die Sozialsysteme demographiefest machen", fordert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Bei der Rente mache es "viel Sinn", die Lebensarbeitszeit und die Lebenserwartung in einen festen Zusammenhang zu bringen, sagte er bei einer Diskussion des Konvents für Deutschland. Für das größte Problem hält er allerdings das Gesundheitssystem.

Was bedeutet Schäubles Überlegung bei der Rente? Ein weiteres Anheben der Altersgrenze. Denn die Lebenserwartung steigt weiter. Bleibt das Renteneintrittsalter unverändert, müsste damit auch länger Rente gezahlt werden. 1950 wurden Frauen im Westen im Schnitt 64,6 Jahre alt, Frauen 68,5 Jahre. Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts liegt die Lebenserwartung neugeborener Mädchen aktuell bei 83 Jahren und 3 Monaten. Bei Jungen sind es 78 Jahre und zwei Monate. Experten gehen davon aus, dass die Lebenserwartung weiter pro Jahrzehnt um etwa zwei Jahre steigt. Die Folgen zeigt die Statistik der Rentenversicherer: 1960 bekamen Frauen im Westen im Schnitt 10,6 Jahre lang Rente, Männer 9,6 Jahre. 2014 waren es 20,8 beziehungsweise 17,3 Jahre, also fast doppelt so lange.

Warum ist das ein Problem? Die Babyboomer kommen langsam ins Rentenalter. Die Zahl der Rentner steigt. Durch den Pillenknick gibt es immer weniger Erwerbstätige, die mit ihren Beiträgen die Renten finanzieren. 1960 waren erst 12 Prozent der Bundesbürger 65 und älter. 2040 dürften es 30 Prozent sein.

Wird nicht gegengesteuert? Doch. Mehrere Reformen haben bereits dazu geführt, dass das Renteneintrittsalter ansteigt. Zuletzt wurde 2012 die "Rente mit 67" eingeführt: Die Regelaltersgrenze steigt von 65 auf 67 Jahre, allerdings in vielen kleinen Stufen. Für den Jahrgang 1951, der in diesem Jahr 65 wird, liegt sie bei 65 Jahren und 5 Monaten. Die Anhebung ist erst 2031 abgeschlossen: Der Jahrgang 1964 ist der erste, der wirklich erst mit 67 Rente ohne Abschläge bekommt. Allerdings wurde die Anhebung mehrfach ausgehebelt, zuletzt durch die "Rente mit 63" nach 45 Versicherungsjahren, die auf Betreiben der SPD Mitte 2014 eingeführt wurde.

Gibt es in anderen Ländern bereits eine Koppelung des Renteneintrittsalter an demografische Faktoren? Italien hat 2012 eine Automatik eingeführt. In den Niederlanden geschieht dies 2023, wenn die Rente mit 67 erreicht ist. Griechenland plant es für 2021. Dänemark und Großbritannien prüfen regelmäßig, allerdings muss das Parlament entscheiden.

Was denken junge Leute in Deutschland über das Rentenalter? Sie stellen sich darauf ein, dass ihre Generation bis weit über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten muss. Davon gehen fast 90 Prozent der 17- bis 27-Jährigen aus, ergab eine Umfrage von TNS Infratest für die Metallrente, das gemeinsame Versorgungswerk von IG Metall und Metallarbeitgebern, die mit 2500 Befragten repräsentativ ist. Vor Altersarmut fürchtet sich über die Hälfte der jungen Leute, auch wenn der Anteil gegenüber einer Befragung 2010 etwas zurückgegangen ist.

Was tun die jungen Leute dagegen? Sie wissen sehr gut, dass sie privat vorsorgen müssen. Tatsächlich sparen nur 35 Prozent regelmäßig fürs Alter, Tendenz rückläufig. Größere Anschaffungen oder Urlaubsreisen haben Vorrang. Unter den Vorsorgeformen gewinnt die betriebliche Altersversorgung an Zustimmung, während die Riester-Rente verliert. Am beliebtesten aber ist das Sparbuch.

Was lässt sich gegen die mangelnde Vorsorge der Jungen tun? Neun von zehn jungen Leute sind dafür, eine automatische Sparregel etwa für die Betriebliche Altersvorsorge oder die Riester-Rente einzuführen. Das heißt: Die Firma schließt einen Vertrag ab, wenn der Arbeitnehmer nicht ausdrücklich widerspricht (Opting out). Außerdem fordern die jungen Leute jährliche Informationen über die Höhe ihrer Rentenansprüche ab dem Start der Berufstätigkeit; bisher gibt es dies frühestens ab 27. Zudem sollen diese verständlicher formuliert sein.

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22.04.2016, 06:00 Uhr

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