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Häsle-Express vor dem Start

Die Killesberg-Bahn läutet die Saison ein.

Obwohl die Züge der Killesberg-Bahn viel kleiner als normale Loks sind, brauchen sie dieselbe Pflege. Ein Werkstattbesuch. V

30.03.2018
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Stuttgart. Das Springerle liegt darnieder. Von der Dampflok ist nur ein Gerippe übrig. Wo sonst ihr Herz, der Kessel, sitzt, ist ein Loch. Die Lokomotive, Baujahr 1950, befindet sich in der Hauptuntersuchung. „Nach zehn, zwölf Jahren sind im Kessel die Röhren verschlissen“, sagt Thomas Stegmüller und legt die Hand aufs Metall. Der schwarze Lack glänzt blitzeblank. Sämtliche Teile sind abgenadelt und frisch lackiert worden. Bis die 50-PS-Lok wieder mit 30 Kilometern pro Stunde über den Killesberg zuckeln wird, wird's noch eine Weile dauern. Im Spätsommer könnte das Springerle wieder den Betrieb aufnehmen. „Dann wird es technisch wie neu sein“, sagt Thomas Stegmüller.

Im Lokschuppen des Höhenparks Killesberg brummt es. Am Karfreitag eröffnen die Dampfloks Tazzelwurm und Santa Maria die Bimmelbahn-Saison, auch die Dieselloks Blitzschwoab und Schwoabapfeil gehen wieder auf die Schiene. Davor werden die Züge penibel unter die Lupe genommen. Thomas Stegmüller (26), angehender Maschinenbauingenieur, arbeitet neben dem Studium auf dem Killesberg als Lokschlosser und Lokomotivführer. Mit einem Öltropfen im Schläfenhaar widmet er sich mit Peter Makein gerade den Dieselloks. Motorwartung, Ölwechsel, Ventilspiel überprüfen, Bremsanlage und Getriebe checken.

Erste Fahrt 1939

Obwohl die Zugmaschinen viermal kleiner sind als ihre großen Geschwister, brauchen sie dieselbe Pflege und müssen dieselben TÜV-Prüfungen durchlaufen. Hinzu kommt: Die Bähnle sind richtige Oldies. Der Youngster ist der 48 PS starke Schwoabapfeil, der seit Anfang der 90er durch den Stuttgarter Norden schnauft, die Grande Dame ist Santa Maria. Die Dampflok, Baujahr 1928, ist der Stolz des Fördervereins Killesbergbahn. Der Klub wurde 1995 gegründet, um die Stilllegung des Bähnles zu verhindern. Mit Erfolg: Nur ein Jahr später wurden die Minizüge, die seit 1939 über den Killesberg tuckern, unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2011 ist die Stuttgarter Straßenbahnen AG für den Betrieb verantwortlich.

Dass auf der zwei Kilometer langen Strecke alles sitzt, dafür sorgen nicht nur die neun schraubenden Lokführer. Jürgen Czersovsky und Thomas Mayer haben in der Halle nebenan die Wagen in der Mache. Die Holzsitze sind abgeschliffen, damit sich keiner der 80 Passagiere pro Zug einen Spreißel einfängt. Jetzt wird frisch lackiert.

Pro Saison müssen die Sitze einiges aushalten. Zwischen April und November sind unter der Woche nachmittags die Dieselzüge auf der Piste, am Wochenende sind ab vormittags Diesel- und Dampfloks unterwegs. 2017 sind 120 000 Passagiere zugestiegen. Durchschnittlich 80 Fans kaufen eine Jahreskarte, Fördervereinsmitglieder fahren kostenfrei. Die Dampfloks, die der Fahrer pro Runde mit vier, fünf Schaufeln raucharmer walisischer Steinkohle füttern muss, sind die Stars der Kinder.

Mechaniker packen Osternester

Thomas Stegmüller kennt diese Faszination. Er hat schon als Bub seinem Vater beim Job als Heizer zugeschaut und die Liebe für große Maschinen entdeckt. Im Lokschuppen fräst, sägt, schweißt und lötet er. Teile, die nicht verfügbar sind, werden selbst hergestellt. Eine recht ursprüngliche Arbeit ohne viel Elektro-Schnickschnack, die dem Studenten viel Spaß macht. „Man kann an einfachen Dingen sehr Kompliziertes bauen. Am Schluss kann es komplexer sein als eine Platine“, sagt er.

In der Werkstatt geht's kernig zu. Schwarzer Humor, schwarze Hände. Aber der Schein trügt. Denn nach dem Grillfest am Karsamstag, bei dem der Saisonstart gefeiert wird, packen die Männer Nester für die Kinder und verstecken sie am Sonntag noch rasch im Park. Thomas Stegmüller holt einen Holzhasen, den ein Kollege einst ausgesägt hat. Er wird wieder den Häsle-Express schmücken, mit dem Kinder auf Eiersuche gehen. Die beliebte Ostersonntagsfahrt ist in diesem Jahr ausverkauft. Thomas Stegmüller wird den Häsle-Express steuern. Er lächelt. Die leuchtenden Kinderaugen, „das macht schon was aus“, sagt er. „Unser Ziel ist, Kinder für die Eisenbahn zu begeistern.“

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30.03.2018, 06:01 Uhr

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