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"Die Kinder werden fitter"
Ball statt Stuhl: Kinder in der Schule von Bjerkreim. Foto: André Anwar
Norwegische Schule ersetzt in den Klassenzimmern Stühle durch Sitzbälle

"Die Kinder werden fitter"

Eine norwegische Dorfschule hat die Stühle in den höheren Klassen durch Sitzbälle ersetzt. Das Projekt war nach eigenen Angaben so erfolgreich, dass zahlreiche Schulen im Land jetzt nachziehen wollen.

05.04.2016
  • ANDRÉ ANWAR

Bjerkreim. Es ist ein ungewöhnlicher Anblick: In einigen Klassenzimmern der Dorfschule im kleinen Bjerkreim stehen keine Stühle mehr. In den Klassen fünf bis sieben sind sie Sitzbällen gewichen. Der Physiotherapeut Tore Jacobsen aus dem nahe Stavanger in Südwestnorwegen liegenden Örtchen hatte Rektor Dag Voigt und den Schularzt überredet, eine Klasse auf den Wechsel vom Stuhl zum Ball vorzubereiten. Dagegen gab es zunächst Bedenken, denn eine andere Schule der Gemeinde hatte Bälle ausprobiert und dann doch wieder die alten Stühle aus dem Lager geholt.

Die Schüler seien zu unruhig gewesen, das Unterrichtsklima habe sich verschlechtert, wurde Rektor Voigt von seinen Kollegen zuvor gewarnt. Aber "unser Ansatz war es, das behutsamer und mit mehr Geduld einzuführen", sagte Vogt. "Letztlich ist es einfach", sagt Voigt. "Die Schüler finden selbst heraus, wie sie auf den Bällen sitzen und wie sie das im Unterricht variieren." Anfangs hätten Muskelschmerzen sogar zu- und die Konzentration abgenommen. "Das liegt daran, dass der Schülerkörper lernt, ganz andere, tiefere Muskeln beim Sitzen zu nutzen."

Danach sei es aber besser geworden. "Die Konzentration stieg sogar an", sagt Voigt. "Die Kinder werden viel fitter. Immer mehr Klassen wollten auch Bälle haben." Mehrere Tests an der Schule hätten ergeben, dass die Kinder mit Bällen deutlich stärkere Muskeln entwickelten.

Auch für die Steuerzahler hat Voigt gute Nachrichten. Nicht nur könnten so die Kosten im Gesundheitswesen für Muskelprobleme drastisch verringert werden. Ein Sitzball sei auch nur halb so teuer wie ein Schulstuhl.

Inzwischen erhält Voigt Anrufe von anderen norwegischen Schulen. Das Interesse daran, Stühle durch Bälle zu ersetzen, sei enorm, sagt er. "Es wäre schön, wenn das landesweit ins Rollen kommt. Ich kann es nur empfehlen."

Nur zur Abwechslung

Gymnastik Sie werden „Sitzball“ genannt, aber die richtige Bezeichnung lautet „Gymnastikball“. Genau dafür sind sie wegen ihrer Instabilität geeignet, unter anderem zum Training der Bauch- und der Tiefenmuskulatur und zur Ganzkörperstimulation, sagte Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln, in einem Gespräch mit „Spiegel-Online“. Als Sitzmöbel im Büro sei der Ball ungeeignet, sagte Froböse. Dauerhaft darauf zu sitzen überlaste die Muskeln, die die Wirbel in optimaler Position halten. Um das auszugleichen, nehme der Sitzende eine ungesunde Haltung ein. Er empfiehlt, im Büro abwechselnd zu sitzen, zu stehen und zu gehen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung rät in ihrer Handreichung „Sichere Schule“ davon ab, Schüler dauerhaft auf den Bällen sitzen zu lassen, „da die Muskulatur nach einiger Zeit ermüdet und Schüler dann ungünstige Körperhaltungen einnehmen können.“ Der Ball sei „nur eine Abwechslung“. ema

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05.04.2016, 06:00 Uhr

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