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30.11.2016

Von Ulla Steuernagel

Traditionell ist der November der Monat der Toten, der Monat, in dem man sich um Gräber kümmert und über Friedhöfe wandelt. Doch Tübingen unterzieht das Novemberbild einem gründlichen Lifting.

Hier hat sich dieser Monat längst ein neues Image gezimmert. Er ist der Monat, in dem man sich auf weite Reisen begibt, in Liebesgeschichten stürzt, für Frauenrechte und gegen Diktatoren kämpft, zu Zeugen entsetzlichen Unrechts wird, durch den Dschungel schleicht, Schlachthöfe besucht, mit Drogen dealt oder sich zum Anwalt der Unterdrückten in aller Welt erklärt.

Der November bietet alle Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Denn im November ruft das Kino. Lauter als sonst. Dass der Monat begonnen hat, merkt man schon an der Sprache, die ist so französisch wie die Französischen Filmtage. Zum Glück sind zugleich Herbstferien, so dass wenigstens ein paar Leute die Möglichkeit haben, sich zum hauptamtlichen Kinobesucher zu machen.

Und kaum sind die letzten Brocken Französisch verhallt, öffnet sich schon das Tor zu vielen anderen (Welt-) Sprachen. Es beginnen die „Frauenwelten“. Mit dem Frauenfilmfestival – heute ist sein letzter Tag – lässt sich ein Blick in Welten werfen, die vielleicht nur vier Flugstunden entfernt sind, aber genauso gut auf einem anderen Planeten liegen könnten. Zum Beispiel auf einem Planeten, auf dem Frauen wie Gegenstände gehandelt und gehalten werden.

Der Kinomonat klingt aus, aber dennoch ist für Kontinuität gesorgt. Denn mit dem ersten Tag des Dezembers beginnen schon die spanischen Filmtage. Eine Woche später, nach ihrem Ende, ist erst einmal Winterschlaf angesagt. Erst im April wird die Festivalszene wieder geweckt und in den spanischsprachigen Raum des „Cine Latino“ geführt. Nicht dass damit schon die Liste der Tübinger Filmfestivals erschöpft wäre. Im Oktober wird die Parade mit dem Arabischen Filmfestival eingeläutet.

Es gibt vielleicht Tage, an denen Filmkritiker innerlich schlappmachen und flehen: Lasst mich doch endlich mal wieder in ein festivalloses Stück Film, lasst mich doch endlich den neuen Jarmusch anschauen! Doch das sind die dunklen Stunden des Zweifels. Denn egal, wo die Gründe für dieses reiche Tübinger Filmfestangebot liegen – ob die einen Festivalmacher nicht mit den anderen können oder umgekehrt. Wir Kinofreundinnen und -freunde sind die Profiteure dieser reichen Festivalkultur.

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Erstellt:
30. November 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
30. November 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. November 2016, 01:00 Uhr

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