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Geheimer Text

Die Knöllchen werden umgerüstet

"Fahren Sie Bahn, TüBus und Rad oder werden Sie Mitglied in einer Teilauto-Organisation. Dann haben Sie in der Stadt keine Parkplatzprobleme mehr und schützen das Klima.“ Diese Formulierung auf den örtlichen Knöllchen ist seit zweieinhalb Jahren ein echter Aufreger. Erboste Leserbriefe hat sie ausgelöst, auch Anrufe und, wie zu hören ist, verärgerte Äußerungen gegenüber Tübinger Stadträten.

07.11.2012

Nun sind diese zwei Sätze an sich ja nicht so problematisch, dass man sich über sie ärgern müsste. Das Problem ist das Medium, auf dem die Sätze stehen.

Falschparker haben es an sich, dass sie sich zuerst darüber ärgern, keinen offiziellen Parkplatz zu finden, dann ihr Auto irgendwo abstellen, wo sie das nicht dürfen, und sich anschließend darüber ärgern, erwischt worden zu sein. In Tübingen ärgern sie sich daraufhin statt über sich selbst (was ja ganz schön unbefriedigend ist) über diese beiden Sätze, die Boris Palmer höchstpersönlich unterzeichnet hat.

„Die Formulierung drückt eine Haltung aus, die man vielen in Tübingen zuschreibt, vor allem aber Ihnen, Herr Palmer – es ist eine besserwisserische und belehrende Haltung“, klärte die SPD-Fraktionssprecherin Dorothea Kliche-Behnke den Oberbürgermeister am Montag in der Sitzung des Verwaltungsausschusses auf.

Die SPD, die, wie berichtet, beantragt hatte, den Text zu ändern, war am Montag aber bereits besänftigt. Denn Palmer hatte in einer Vorlage den Knöllchen-Text zwar als „höflich, aber ungewöhnlich“ verteidigt, sich aber dennoch bereit erklärt, ihn künftig nicht mehr abzudrucken. Künftig heißt ab Mitte Dezember. Bis dahin reicht der bereits gedruckte Knöllchen-Vorrat voraussichtlich noch. Ihn wegzuschmeißen, kommt nicht in Frage.

Ein bisschen pikiert war Palmer aber doch. Immerhin habe er neulich auf dem Städtetag in Nordrhein-Westfalen „sehr positive Reaktionen“ auf seine erzieherische Maßnahme bekommen. Aber der Prophet im eigenen Land gelte eben nichts. Anders als der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder werde er zwar vermutlich nicht als Klimaretter in die Geschichte eingehen, aber es sei doch „legitim, den Autofahrer zu fragen, ob es nötig war, mit dem Auto in die Stadt zu kommen.“ Was Martin Sökler (SPD) zu der Feststellung veranlasste, dass „richtig parken kein bisschen CO2 weniger verbraucht“.

Damit das Umsteigen auf Bus und Bahn klappt, könnten Falschparker ja anders dazu angeregt werden, nahm die SPD einen Vorschlag des TAGBLATTs auf: Man könnte Bustickets auf die Knöllchen drucken. Oder vielleicht Gutscheine für Parkhäuser? Bruno Gebhard-Pietzsch (Grüne) hatte noch eine andere Idee: eine vierteljährliche Knöllchen-Lotterie, bei der es einen Freiparkschein zu gewinnen gibt.

Palmer lehnte das alles ab. Die Bustickets müsste die Stadt alle von Naldo kaufen, was rund 60 000 Euro im Jahr für die rund 110 000 Knöllchen ausmache. Außerdem glaubt er nicht so recht an den Erfolg dieser Strategie.

Ob er sich bereits einen neuen Text überlegt hat, ließ Palmer offen. Und als Sabine Lüllich (CDU) misstrauisch darum bat, diesen neuen Text vor dem Druck dem Gemeinderat vorzulegen, lehnte Palmer das rundweg ab. „Ich werde doch jetzt nicht jeden Brief, den ich schreibe, dem Gemeinderat vorlegen.“

So ist der Text nicht nur Chef-, sondern auch Geheimsache. Wir sind gespannt. Und bedauern heute schon, dass Palmer vermutlich Gebhard-Pietzschs Formulierungsvorschlag nicht umsetzen wird. Der heißt: „Alles wird wieder gut.“ Sabine Lohr

Die Knöllchen werden umgerüstet

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07.11.2012, 12:00 Uhr

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