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Nichts aus der Zauberflöte

Die Koloratursopranistin Katarzyna Dondalska singt bei der Sommernachtsklassik

Die Sopranistin Katarzyna Dondalska tritt am Samstag, 1. August bei der Sommernachtsklassik zusammen mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen auf dem Rottenburger Marktplatz auf. Wir sprachen mit ihr vorab über ihr Programm und die Vorteile von Open-Air-Auftritten.

24.07.2015
  • Martin Zimmermann

Welche Stücke haben Sie sich für die Sommernachtsklassik ausgesucht?

Zunächst singe ich auf besonderen Wunsch von Herrn Baur die Arie „Lascia ch’io pianga“ aus der Oper Rinaldo von Georg Friedrich Händel. Ein sehr bekanntes, nachdenkliches Stück mit sehr schönen Koloraturen. Ich habe das vor einigen Jahren beim Neujahrskonzert schon einmal in Rottenburg gesungen und Karl Friedrich Baur wollte, dass ich das noch einmal singe. Dann kommt „Let the bright Seraphin“ von Händel, ein sehr schönes Koloraturstück und ein schöner Dialog zwischen Sopran, Solotrompete und Orchester. „Una voce poco fa“ von Giacomo Rossini ist auch ein sehr bekanntes, anspruchsvolles Stück über eine Frau die einen reichen Mann verführen will, um ihm sein Geld abzunehmen. Und was war noch?

Das Schwips-Lied aus der Fledermaus ...

Das ist gar nicht aus der Fledermaus. Man kann es zwar in die Fledermaus einbauen, aber es gehört nicht dazu. Es ist eigentlich ein Instrumentalstück, die Annenpolka, für die einer einen Text dazu geschrieben hat. Für die Zuschauer ist das leicht zu hören, aber für mich schauspielerisch gar nicht so einfach darzustellen, weil ich da eine Betrunkene spielen muss.

Das ist ja alles fürs Publikum recht einfach zu hörende Musik. Also Klassik für Leute, die sonst auch zu Helene-Fischer-Konzerten gehen und einmal im Jahr halt auch zur Sommernachtsklassik. Stört Sie das?

(Dondalska lacht) Nein, ich mag solche Veranstaltungen, weil man die Leute da sehr gut erreichen kann. Die Leute haben doch Angst vor Opernhäusern. Alles ist so steif und förmlich. Ich finde es gut, wenn sich das etwas lockert. Ich habe selbst schon in der Fernsehsendung „Kein schöner Land“ gesungen und mache in Danzig ein Programm mit Filmmusik. Auf dem Marktplatz ist es für Klassik-Einsteiger etwas einfacher und dann sollte auch das Programm entsprechend sein, um die Leute nicht zu überfordern. Vielleicht kommt der eine oder andere ja dann auch mal ins Konzerthaus. Immerhin hat sich Karl Friedrich Baur ja von mir nichts aus der Zauberflöte gewünscht. Da bin ich ihm auch sehr dankbar, denn die Zauberflöte ist doch ein bisschen totgesungen.

Ist es für Sie eine Umstellung beim Open Air mit Mikrofon zu singen?

Es ist von der Gesangstechnik ein wenig eine Umstellung, aber ich mache das sehr gerne.

Sie leben in Berlin, das Orchester ist aus Reutlingen. Wie proben Sie eigentlich?

Ich studiere das bei mir zu Hause ein, fahre nach Reutlingen. Wir machen zwei Orchesterproben und dann sitzt das. So ist das Profigeschäft.

Warum ziehen Sie ihr Leben als freischaffende Solistin einem festen Engagement vor?

Erstens sind die Engagements nicht so toll bezahlt. Zweitens sind die Intendanten vor allem Wirtschaftsmanager und verheizen ihre Sänger teilweise, weil sie sie zu oft auftreten lassen. Da ist dann nach ein paar Jahren die Stimme kaputt. Als Sänger spürt man, wenn man seine Stimme schonen sollte. Dann heißt es: Klappe zu und heute mal einen Tag nicht proben. Außerdem achten viele Intendanten mehr auf das Äußere einer Sängerin, als auf den Gesang. Die suchen einen bestimmten Typ. Oft gibt es ein Vorsingen, aber die Rolle ist bereits besetzt. Einmal habe ich in Darmstadt für die Königin der Nacht vorgesungen und dann hieß es: „Ihr Gesang ist toll, aber wir suchen einen dunkleren Typ“ Später wurde ich dort dann für eineinhalb Jahre als Aushilfe engagiert. Da wurde mir eine dunkle Perücke aufgesetzt und plötzlich ging es. Mir hat man in Würzburg auch schon mal gesagt, ich hätte zu viel Ausstrahlung.

Lesen Sie eigentlich Musikkritiken?

Ja und ich amüsiere köstlich darüber, wie viel Respekt die Kritiker vor großen Namen haben. Bei großen Namen heißt es etwa, dass das Orchester zu laut war. Wenn es ein unbekannter Solist ist, heißt es, dass sich seine zaghafte Stimme nicht gegen das Orchester durchsetzen konnte. Überhaupt dieser Hype um einige Opernstars wie Netrebko, Villazon, Domingo und so weiter. Wenn man die Kulturseiten liest, könnte man auf den Gedanken kommen, dass es auf der ganzen Welt nur vier oder fünf Leute gibt, die Opern singen können.

Sie sind gebürtige Polin, warum singen Sie eigentlich keine Stücke von polnischen Komponisten?

Das müssten Sie eigentlich die Konzertveranstalter fragen. Ich glaube allerdings, dass Karl Friedrich Baur mein polnisches Repertoire gar nicht angeboten wurde, sondern eben die Standardsachen. Ich würde sehr gerne polnische Stücke singen, denn es gibt tolle polnische Komponisten. Der einzige, der gespielt wird, ist Chopin und von dem denken viele Leute, er wäre Franzose gewesen. Polen hat ein Imageproblem. In Deutschland interessieren sich nur wenige Leute für Polen. Auch in den Medien wird kaum über Polen berichtet und wenn dann negativ, wenn mal wieder ein polnischer Autoschieber gefasst wurde. Deutsch-polnischer Kulturaustausch wird aber auch kaum gefördert. Von Berlin aus sind es nur hundert Kilometer nach Polen und es leben hier ja auch mittlerweile sehr viele Polen, aber gefördert wird zur Zeit hauptsächlich deutsch-türkischer oder deutsch-arabischer Kulturaustausch. Das ist sehr schade.

Die Koloratursopranistin Katarzyna Dondalska singt bei der Sommernachtsklassik
Katarzyna Dondalska mag Open-Air-Veranstaltungen, weil man da sein Publikum, wie sie sagt, sehr gut erreichen kann. Am 1. August singt sie auf dem Rottenburger Marktplatz. Bild: Suse Beck

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24.07.2015, 12:00 Uhr

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