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Seminar fürs halbe Kollegium

Die Kreuzerfeld-Realschule baut ihr Präventionsprogramm systematisch aus

Für viele Schüler der Kreuzerfeld-Realschule war diese Woche ein Tag Heimarbeit angesagt. Der Grund: Die Hälfte des Lehrerkollegiums war auf einer zweieinhalbtägigen Fortbildung. Es ging um Lions Quest, ein Jugendförderprogramm zum sozialen Lernen.

10.11.2012

Von Hete Henning

Rottenburg. „Lions Quest – Erwachsen werden“ ist der Titel des Programms, das Kindern der fünften bis achten Klasse systematisch zu einem gesunden Sozialverhalten verhelfen soll. Peter Eberle, Lehrer an der Kreuzerfeld-Realschule, erklärt das Prinzip so: Statt Regeln wie „Ihr sollt Euch nicht über andere lustig machen“ von außen vorzugeben, bringe das Programm die Schüler dazu, solche Verhaltensregeln von allein zu entwickeln und auch zu beherzigen.

28 Lehrerinnen und Lehrer der Schule nahmen an der Fortbildung auf der Liebfrauenhöhe in Ergenzingen teil, die Kosten in Höhe von 4500 Euro übernahm der Lions Club Tübingen, der zuvor schon fünf andere Schulen im Landkreis auf diese Weise gesponsert hatte. Das Programm Lions Quest wurde 1984 in den USA entwickelt und später an deutsche Verhältnisse angepasst. Es soll, so Hans-Georg Leute vom Lions Club, den Kindern beim Erwachsenwerden helfen, „wir wollen hier etwas für die Menschheit tun“.

Während das Seminar für die Schüler mit einem Tag Heimarbeit verbunden war, lernten ihre Lehrer und Lehrerinnen, worauf das soziale Lernprogramm basiert und wie es im Unterricht einsetzbar ist. Die Basis sei das Tun und nicht die Theorie, erfuhr Moni Sulzberger. Marianne Düring gefiel vor allem der positive Zugang auf die Mitmenschen, der dem System zugrunde liege, Gabi Baur war beeindruckt vom schrittweisen Aufbau, der es den Schülern ermögliche, mit Konflikten immer kompetenter umzugehen. Im Lauf der Zeit entwickle sich eine Schülergruppe, die sich gegenseitig vertrauen könne und in der es möglich sei, Erfahrungen und Gefühle in einem geschützten Raum preiszugeben.

Warum Lions Quest für eine Schule wie die Kreuzerfeld-Realschule mit einem Knabenanteil von 80 Prozent besonders gut passt, erklärt Ulrike Ruf, Präventionsbeauftragte beim Regierungspräsidium und Lehrerin am Tübinger Uhland-Gymnasium: „Die vielen praktischen Übungen kommen den Jungen entgegen, die oft nicht so viel reden wollen wie die Mädchen.“

Für die Kreuzerfeld-Realschule ist Lions Quest ein weiterer Baustein in der seit über zehn Jahren bewusst betriebenen Präventionsarbeit, dessen Schwerpunkte die Gewalt- und Suchtprävention sind. Auf dem Stundenplan der Schüler(innen) steht wöchentlich eine Stunde PS – pädagogischer Schwerpunkt –, die die Jungen und Mädchen vom Ich zum Du bringen und schließlich über die Klassen- und die Schulgemeinschaft für die Gesellschaft fit machen soll. Aufgrund dieser Erfahrungen wurde die Schule eine Pilotschule bei „stark.stärker.Wir“, einem neuen übergreifenden Präventionsprogramm in Baden-Württemberg (das TAGBLATT berichtete).

„Die sozialen Lernziele sind im Lehrplan vorgegeben“, freut sich Kreuzerfeldrektor Rolf Pfeffer. Dass das Kultusministerium die Ressourcen dafür aber nicht gibt, ärgert ihn. „Zwei bis drei Stunden dürften es schon sein.“

Für Kreuzerfeld-Lehrerin Brigitte Strölin-Bresch, die ebenfalls Präventionsbeauftragte des Regierungspräsidiums ist, ist die Lions-Quest-Fortbildung ein wertvoller Zugewinn auch deshalb, weil so viele Kollegen und Kolleginnen daran teilgenommen haben. So könne die Präventionsarbeit praktisch in alle Fächer einfließen. Auch den Lehrern persönlich habe das Seminar viel gebracht: „Es hat uns in der Gruppe gestärkt“, so Strölin-Bresch, es sei geeignet, wieder Freude am Unterrichten zu vermitteln, bringe einen Wechsel der Perspektive mit sich und diene letztlich auch der Gesundheit.

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Erstellt:
10. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
10. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. November 2012, 12:00 Uhr

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