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IT-Branche ist noch immer Männerdomäne

Die Managerinnen Martina Koederitz und Sabine Bendiek sind in Deutschland die Ausnahme

Yahoo, Facebook, YouTube und nun auch Microsoft Deutschland. In vielen Tech-Firmen sitzen Managerinnen im Chefbüro. Doch in der Branche insgesamt herrscht noch immer Frauenmangel. Warum eigentlich?

07.11.2015
  • DPA

Berlin Was lassen sich die großen Tech-Unternehmen in den USA nicht alles einfallen, um ihren Mitarbeiterinnen eine steile Karriere zu erleichtern. Facebook und Apple bezahlen das Einfrieren von Eizellen. IBM übernimmt den Transport abgepumpter Muttermilch zum Nachwuchs, wenn die Mutter dienstlich unterwegs ist. Zwar gibt es in einigen Chefetagen mächtige Vorzeigefrauen wie Sheryl Sandberg (Facebook), Marissa Mayer (Yahoo) oder Susan Wojcicki (YouTube) doch das Silicon Valley ist nach wie vor eine Domäne weißer Männer - und in Deutschland sieht es auch nicht besser aus.

Laut Branchenverband Bitkom beträgt der Frauenanteil in der deutschen Technologiebranche 15 Prozent. Beim Nachwuchs sind die Männer ebenfalls in der Mehrheit. Im Dezember 2014 lag der Anteil der Frauen bei den IT-Auszubildenden bei 8 Prozent. Etwas ausgewogener ist es beim Informatik-Studium: Im Wintersemester 2014/2015 waren immerhin 23 Prozent der Studienanfänger weiblich.

In Berlin und Bremen gibt es sogar Informatik-Studiengänge nur für Frauen. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass an Mädchenschulen ein größeres technisches Selbstbewusstsein entwickelt wird", sagt Professorin Gerlinde Schreiber von der Hochschule Bremen. "In einem Frauenstudiengang herrscht eine andere Atmosphäre, bei uns kann man alles fragen, man muss keine Angst haben, sich zu blamieren."

Frauen schätzen ihre technische Kompetenz defensiver ein als Männer. Sie seien zurückhaltender in der Selbstdarstellung und haben leichter Zweifel. Es sei für viele "unsexy", als junge Frau gut in Physik und Informatik zu sein. Das passe nicht zu der Geschlechter-Wahrnehmung, erklärt sie. "Es sind einfach Männerdisziplinen." Umso wichtiger sei es, dass Frauen wie Sandberg (49) und Mayer (40) als Vorbilder fungieren. "Das ist ein tolles Signal". Die Frauen könnten erfolgreich Karriere machen und verkörperten dennoch Weiblichkeit.

Auch in der hiesigen Tech-Branche gibt es Erfolgsbeispiele. Martina Koederitz lenkt seit vier Jahren die Geschäfte von IBM in Deutschland. Vergangene Woche wurde bekannt, dass mit Sabine Bendiek 2016 erstmals eine Frau an der Spitze von Microsoft Deutschland stehen wird. Für die 49-Jährige, die bislang beim Speicher-Spezialisten EMC tätig war, sind Mut und ein gesundes Selbstvertrauen unerlässlich, um in der männerdominierten Branche Karriere zu machen.

"Natürlich muss man getrieben sein und gute Arbeit leisten", sagte sie einmal in einem Interview der "Computerwoche". "Aber man sollte nicht versuchen, perfekt zu sein. Das bringt Sie um. Ansonsten einfach: Keine Angst haben und sich etwas zutrauen."

Auch IBM Deutschland schreibt sich auf die Fahne, den Anteil der weiblichen Führungskräfte zu erhöhen. "Wir wollen eine positivere gesellschaftlicher Diskussion und Akzeptanz zu dem Thema erzeugen", sagt Koederitz. "Die Basis an Frauen ist insgesamt und vor allem in den technisch orientierten Berufen zu gering, hier müssen wir ansetzen."

Nach Einschätzung von Informatik-Professorin Schreiber setzt bei vielen Konzernen ein Umdenken ein: "Der Bedarf nach Fachleuten ist groß und viele Firmen merken inzwischen, dass gemischte Teams besser funktionieren." Zudem würden immer mehr IT-Produkte für weibliche Nutzer produziert.

Bereits die Anfänge der Branche waren übrigens weiblich geprägt. So gilt die Mathematikerin Ada Lovelace (1815-1852) als erste Programmiererin weltweit.

Die Managerinnen Martina Koederitz und Sabine Bendiek sind in Deutschland die Ausnahme
Austausch einer Festplatte an einer Speicherplattform: Immer mehr Frauen arbeiten in IT-Firmen; sie sind aber immer noch eine kleine Minderheit. Foto: dpa

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07.11.2015, 12:00 Uhr

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