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Ex-Tübinger Student moderiert im Fernsehen

Die Maus für Fortgeschrittene

Saxofon übt Philip Häusser – anders als zu Tübinger Musikschulzeiten – momentan nicht. Der Kepler-Abiturient des Jahrgangs 2008 macht Karriere. Erst im Radio, nun auch im Fernsehen. Zehn Folgen der Wissenssendung „Braintuning“ (frei: „das Gehirn aufmotzen“) sind gedreht. Start ist am 25. November – parallel zum „Tatort“.

05.09.2012
  • Ute Kaiser

Tübingen/München. Um Worte ist der Ex-Tübinger, der morgen 24 Jahre alt wird, nicht verlegen. Als „Sendung mit der Maus für Fortgeschrittene“ charakterisiert er kurz das neue Sendeformat auf Eins Plus. „Junge Inhalte setzen und junge Leute für Naturwissenschaft begeistern“: Das will der Physikstudent mit dem halbstündigen Magazin, das er mit Siham El-Maimouni moderiert.

Als Duo macht das Drehen noch mehr Spaß

Die Kollegin, die er „supergern“ mag, kennt Häusser noch von „Das Ding“, dem multimedialen Jugendprogramm des Südwestrundfunks. Dafür hat er schon während seines Zivildienstes gearbeitet. Vor dem TV-Casting, bei dem er und El-Maimouni getrennt antraten, scherzten sie herum. Es wäre prima, wenn sie beide genommen würden. So kam es dann. Regisseur und Produzent wollten die Politikwissenschaftlerin und den angehenden Physiker im Doppelpack. „Es ist toll, mit jemandem zusammenzuarbeiten, den man kennt“, schwärmt Häusser.

Als „Sprung ins kalte Wasser“ empfindet der Wahl-Münchner das neue Format. Bisher hat er „außer ein paar Reportersachen“ und Moderationen fürs Radio bei Praktika etwa in der TV-Sendung „Planet Wissen“ nur Drehbücher für Beiträge geschrieben. Ein Fernsehmagazin zu moderieren und den „Spagat zwischen Unterhaltung und Wissen“ zu schaffen – das ist für ihn eine neue Herausforderung.

Die nimmt Häusser sportlich. So sollte er bei einer Sendung, in der es – „höher, schneller, weiter“ – um Rekorde der Menschen und ihre Grenzen geht, einen Hundertmeter-Lauf ins Studio absolvieren. „Jetzt gibst du alles“, hat er sich gesagt. Doch seine Straßenschuhe waren für den Kies in einer Kurve nicht gemacht. Häusser schlug es spektakulär hin. Was er als „lustige Panne“ empfand, besorgte die Verantwortlichen. Sie wollten den Notarzt holen. Kühlspray für die aufgeschürfte Hand war das Mindeste. Häussers Fazit: „Beim Drehen wirst du mit Samthandschuhen behandelt“.

Im knallheißen Frühsommer nahm das „Braintuning“-Team in einer echten Münchner Autowerkstatt die erste Staffel auf. Außer Experten sind in jeder Folge auch junge Leute im Studio, die einbezogen werden. Die „größte Sorge“ des Moderators war, dass das Publikum im überhitzten Raum zusammenklappt.

In einer der Sendungen geht es um die Obsoleszenz: die Produktabnutzung. Dazu hörte das Moderatoren-Duo Materialwissenschaftler. Es sprach über Druckerchips, die nach einer bestimmten Zeit gewollt ihren Dienst aufgeben. Aber auch über psychologische Aspekte. Etwa wenn einem das Smartphone schon nach einem Jahr völlig veraltet vorkommt.

Thematisch kennt das Team keine Tabus. In der dritten Aufzeichnung des Tages – sie handelte von Verhütung – gab es ein kleines Missgeschick. Häusser fiel bei der Anmoderation der Nachname der Gynäkologin nicht ein. Nach dem Vornamen blieb er hängen und sagte eher zu sich „ach Scheiße“. Das war ihm hinterher „wahnsinnig peinlich“. Doch die anderen lachten: „Danach war die Anspannung weg, alle waren locker.“

Mit Sendungen wie der über den ökologischen Fußabdruck – Wie konsumiert ihr? Wie verreist ihr? Was bedeutet das für die Umwelt? – kommt der Physikstudent seinem Ziel nahe: Wissen spannend verpackt an die Leute zu bringen. Vorbild dafür ist sein ehemaliger Physiklehrer Hartmut Jetter, der vor zwei Jahren in einem Internetportal von Schüler(inne)n zum besten Lehrer Deutschlands gewählt wurde: „Man hat ihm den Spaß angemerkt.“

Bei einem Projekt erforscht er Blitze

Im Studium läuft es für Häusser gerade nicht so gut wie gewohnt. Nach der TV-Produktion hat er „fast einen Monat gebraucht“, bis er „mit dem Stoff wieder up to date“ war. Auch in den Noten schlug sich das TV-Engagement nieder. Doch seine „tolle Lerngruppe“ unterstützt den angehenden Physiker, der an einem Forschungsprojekt am Münchner Flughafen beteiligt ist. Dabei geht es um Blitzvorhersagen – „superinteressant und etwas Relevantes“, findet Häusser.

Das Saxofon ist für das Multitalent eher „ein Schlechtes-Gewissen-Thema“. Lieber spricht er über seine Impro-Theatergruppe, mit der er im Herbst auftreten will. Oder über den noch ausstehenden Dreh seines Films über den Weltuntergang, den er bei einer Hospitanz vorschlug. An „drei bis vier Baustellen“ ist der Ex-Tübinger, der für Gäste gern Pizza bäckt, gerade aktiv.

Sein Pensum bewältigt der zielstrebige Student und Moderator nur, weil er sich begeistern kann. „Das Wichtigste ist, ein Genre, ein Thema oder einen Bereich zu finden, wofür man total brennt.“ Dann kommt Häusser ausnahmsweise auch mit weniger als acht Stunden Schlaf aus – und wird nicht „grätig“.

Die Maus für Fortgeschrittene

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05.09.2012, 12:00 Uhr

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