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Die Messe forciert ihr Exportgeschäft
Das Messegelände Pragati Maidan in Neu Delhi: In den wenigen guten Hallen bringt die Frankfurter Messegesellschaft Austeller zusammen, zum Beispiel aus der Lichtbranche. Foto: Messe Frankfurt
Frankfurt

Die Messe forciert ihr Exportgeschäft

Fast zwei Fünftel des Gesamtumsatzes machen der deutsche Marktführer im Ausland. Auch in Indien geht es trotz mancher Widrigkeiten voran.

20.10.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Die 17 Hallen sind zum großen Teil über 40 Jahre alt. Die meisten sind nicht mehr nutzbar. Hunde und Affen haben es sich hier im Herzen der indischen Hauptstadt Neu Delhi gemütlich gemacht. Für Wolfgang Marzin und Raj Manek, der eine Chef der Messe Frankfurt, der andere Chef des Ablegers in Indien, ist das Messegelände Pragati Maidan, das größte des Landes, trotzdem enorm wichtig. Sie nutzen die wenigen relativ guten Hallen, gestalten mit viel Aufwand ein ansehnliches Ambiente für die Aussteller. Wie in diesen Tagen für die Lichtmesse Light India.

Wie keine andere deutsche Messegesellschaft forcieren die Frankfurter ihr Auslandsgeschäft, um deutschen Firmen den Weg über die Grenzen zu erleichtern und einheimischen Firmen eine Plattform für das Inlandsgeschäft zu bieten. Sie sollen sich so auch für Deutschland und die Messen der Frankfurter interessieren.

Selbst schlechte Messegelände sind in Indien voll ausgebucht und teuer, sagt Bernhard Steinruecke, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-indischen Handelskammer in Delhi. Das hält die Messemacher von ihren Plänen nicht ab, nicht nur in Indien. 2015 machten sie 247 Mio. EUR Umsatz im Ausland, 38 Prozent vom Gesamtumsatz (648 Mio. EUR). Im Jahr zuvor waren es noch 50 Mio. EUR weniger. Auch wenn es nicht in jedem Land reibungslos läuft: Das Auslandsgeschäft lohnt: Gut 31 Mio. EUR blieben 2015 als Gewinn übrig.

„Seit 25 Jahren sind wir im Ausland aktiv“, sagt Wolfgang Marzin bei der Eröffnung der Light India. Angefangen hat es mit Textilmessen. Was in Frankfurt eine weltweit von der Branche genutzte Plattform war, sollte mit Ablegern im Ausland noch mehr auf die jeweilige Region ausgerichtete Unternehmen anlocken.

„Mittlerweile sind die Auslandsmessen für Frankfurt ein Exportschlager. Und sie sind ein wichtiger Rückhalt für das Geschäft in Deutschland“, sagt Marzin. 2015 organisierten die Frankfurter mehr eigene Messen im Ausland als zu Hause in Frankfurt – knapp 90 zu knapp 50. Großmessen wie die Internationale Automobilausstellung oder die Buchmesse bleiben bei diese Zahlen außen vor. Da stellen die Frankfurter nur ihr Gelände zur Verfügung.

Das Prinzip: In Frankfurt erfolgreiche Messen und ihre Marke exportiert das Unternehmen, im Textilbereich, in der Auto-Branche, in Sachen Licht, Konsum oder Sicherheit. Allein die Automechanika findet schon in 15 Ländern statt. „Unsere Marken sind unsere Assets“, sagt Marzin. Nord-, Mittel- und Südamerika sind für die Frankfurter wichtige Messemärkte, genauso wie China und Dubai oder Südafrika. Auch in den schwierigen ostafrikanischen Messemarkt steige man ein.

Vor fünf Jahren war für Marzin klar: Indien muss noch stärker in den Fokus rücken. Schließlich ist es nach China das bevölkerungsreichste Land der Welt mit einer immer stärker wachsenden Mittelschicht und wachsenden Herausforderungen im Energiesektor und im Klimaschutz. 2011 stellte man gerade mal eine Textil-Messe auf die Beine. Heute sind es 20.

Seit 1998 sind die Frankfurter in Indien mit einer eigenen Tochtergesellschaft vertreten. Vor allem mit Konsumgüter- und Textilmessen sind sie auf dem Subkontinent vertreten. Die Light India zeigt den Erfolg der Strategie. Seit 2012 hat sich die Zahl der Aussteller auf 275 verdoppelt. Die meisten kommen aus Indien und China, auch eine Handvoll deutscher Unternehmen sind vertreten. Seit 2011 hat sich der Umsatz der Messe in Indien von 3,5 auf 7,5 Mio. EUR mehr als verdoppelt. Bis zum Jahr 2020 hofft Marzin auf die nächste Verdoppelung.

Dem Beispiel der Messegesellschaften in Hannover, München und Düsseldorf, die an der Shanghai New International Expo beteiligt sind, folgen die Frankfurter nicht. „Der Bau von Messegeländen würde uns sofort in die Verlustzone schieben“, sagt Marzin. So geben sich die Frankfurter auch mit Pragati Maidan zufrieden. Und damit, dass Hunde und Affen erst einmal verjagt werden müssen, wenn die Mitarbeiter aus Frankfurt anrücken.

Aber Raj Manek ist optimistisch: Die Eigentümer von Pragati Maidan haben zugesagt, das Gelände bis 2019 zu sanieren und auszubauen. „Die Erkenntnis muss reifen, dass gute Messegelände auch die wirtschaftliche Entwicklung fördern“, sagt Marzin. In Indien habe man das erkannt. Nicht nur in Delhi werde neu gebaut.

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20.10.2016, 06:00 Uhr

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