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Schulsystem ist eine Baustelle

Die Ministerialdirektorin Margret Ruep war zu Gast in der Reihe „Menschen zur Zeit“

Sie will die Gemeinschaftsschule, um „soziale Ungerechtigkeit im System“ auszugleichen, und hätte gern das neunjährige Gymnasium behalten. Am Mittwochabend war Margret Ruep, Ministerialdirektorin im Kultusministerium, in der Reihe „Menschen zur Zeit“ Gesprächsgast.

16.11.2012
  • Ulrich Eisele

Rottenburg. Sie wirkt bedächtig, abwägend, blitzgescheit und ausgleichend. Margret Ruep hat eine angenehme Art und eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Dazu sagt sie nur bescheiden: „Ich hab‘ eigentlich immer gerne gelernt“ und „im entscheidenden Moment ist für mich immer wieder eine Tür aufgegangen“.

Geboren wurde sie 1950 in Mingolsheim bei Karlsruhe, studierte nach dem Abitur Deutsch fürs Lehramt in Freiburg, Hannover und Karlsruhe, war danach an verschiedenen Realschulen tätig. 1991 promovierte sie in Pädagogik an der PH und Uni Karlsruhe und bekam anschließend die Leitung einer Realschule in Sinsheim übertragen. 1997 kam sie erstmals ans Kultusministerium. Von 2000 bis 2004 war sie Oberschulamtspräsidentin in Tübingen, danach in Stuttgart. 2008 wurde sie Rektorin der PH Weingarten, nach dem grün-roten Amtsantritt Ministerialdirektorin.

Das Lernkonzept ist wichtiger als die Schulart

Als Kind sei sie „außerordentlich gern in die Schule gegangen“, gestand sie Reinhold Gieringer, dem ehemaligen Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung. Ihre Lehrer seien streng, aber zugewandt gewesen. Nur einer ihrer Physiklehrer habe ihr die Freude an diesem Fach ausgetrieben, weil er fand: „Mädchen verstehen ja sowieso nichts von Physik, die haben da nichts verloren.“ Auch ihr Vater, „ein typischer Landarzt“, unterstützte sie nicht in ihrem Wunsch, Medizin zu studieren. Er fand, seine Älteste (von fünf Kindern) solle Lehrerin werden, das gehe schneller, und sie fügte sich.

Ein Gespür für brennende Fragen der Schulpädagogik entwickelte sie schon früh an einer Karlsruher Hauptschule. „Heute würde man dazu Brennpunktschule sagen.“ Da hatte sie 21 Schüler, von denen nur vier die deutsche Staatsbürgerschaft besaßen. „Kluge Köpfe“, wie sie fand, die nur wegen ihrer Sprachschwierigkeiten auf der Hauptschule waren. „Da wurde mir klar, dass was falsch läuft.“

Deshalb ist Margret Ruep heute auch ohne Wenn und Aber für die Gemeinschaftsschule. „Es gibt zu viel Ungerechtigkeit in unserem sozialen System“, findet sie, „da sollte wenigstens die Schule etwas ausgleichen.“ Dabei ist ihr das Lernkonzept wichtiger als die Schulart. Das Schulsystem sei derzeit ohnehin „eine Baustelle“. Es bewege sich auf ein „Zwei-Säulen-Modell“ hin, wobei die eine Säule das Gymnasium und die andere etwas sei, das man noch nicht klar benennen könne. Die Werkrealschule werde es jedenfalls in absehbarer Zeit nicht mehr sein, und ob die Realschule überlebe, lasse sich derzeit auch nicht sagen. Das Problem sei, dass sich das Schulsystem mit jedem neuen Schulversuch weiter aufsplittere und immer teurer werde. Es müssten „Brücken“ und „Verbünde“ für den Übergang zu etwas Neuem geschaffen werden, forderte Ruep.

Am Jahresende klar, wer bei G 9 dabei ist

G 8, G 9 oder Gemeinschaftsschule? Auf welche würde sie die eigenen Kinder schicken? „Ich würde mir die Schule genau anschauen“, antwortete die Ministerialdirektorin ausweichend auf eine Frage von Anton Hofmann, dem Rektor des Sankt-Meinrad-Gymnasiums. Ihr Sohn habe dasselbe Gymnasium wie sie selbst besucht, erzählt sie; er habe es „schrecklich“ gefunden, sie hingegen habe die eigene Schulzeit sehr positiv erlebt.

Ob Rottenburg eine Gemeinschaftsschule in Ergenzingen genehmigt bekommt, konnte die Ministerialdirektorin noch nicht sagen; noch weniger, ob der von der Stadt beantragte G 9-Schulversuch am Eugen-Bolz-Gymnasium genehmigt wird (wir berichteten). Groß genug für einen Schulversuch sei das EBG, antwortete Ruep auf eine Frage von Schulamtsleiter Karlheinz Geppert. Doch sicher sei bisher nur, dass nicht mehr als 22 weitere solche Versuche im Land zugelassen werden, 44 insgesamt. Die Antragsliste liege bereits vor, spätestens nach Weihnachten könne man sagen, wer drin sei und wer nicht.

Sehr spät, wie Karlheinz Geppert fand: Schon vor Weihnachten würden die Informationsveranstaltungen der weiterführenden Schulen beginnen. Und da müsse man doch wissen, ob G 9 angeboten werde oder nicht.

Die Ministerialdirektorin Margret Ruep war zu Gast in der Reihe „Menschen zur Zeit“
Beim Talk „Schulen zur Zeit“ im Nepomukhaus befragten Anton Hofmann, Rektor des St. Meinrad-Gymnasiums (links) und Reinhold Gieringer, ehemaliger Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung (rechts), Ministerialdirektorin Margret Ruep.

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16.11.2012, 12:00 Uhr

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