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Zum 50. Mal gibt es den Kölner Kunstmarkt, die Art Cologne

Die Mutter aller Kunstmessen

Sie war die erste Kunstmesse, die sich auf die jüngste Moderne spezialisierte. Heuer findet sie zum 50. Mal statt: 218 Galerien aus 24 Ländern stehen auf der Ausstellerliste der Art Cologne 2016.

14.04.2016
  • BURKHARD MEIER-GROLMAN

Köln. Ja, es begann alles 1967, sozusagen am Vorabend jener Studentenrevolte, die mal so richtig auf den Putz hauen und den tausendjährigen Mief und Muff aus den Talaren treiben wollte. Nicht nur die arg bürgerliche bundesdeutsche Gesellschaft sollte damals total umgekrempelt werden, auch die Werktätigen im Kunstbetrieb zermarterten sich ihre Köpfe darüber, wie man ihr Metier auf Vordermann bringen könne. Demokratisierung hieß so ein Stichwort, nicht nur die hochelitären Opernhäuser sollten demnach gesprengt werden, die allzu heiligen Ausstellungshallen sollten ebenso dran glauben.

So hatten sich die beiden Kölner Galeristen Hein Stünke und Rudolf Zwirner angesichts des Publikumserfolges der Kasseler documenta überlegt, dass man ähnlich wie auf dem Gemüsemarkt alle frisch verfügbaren Produkte aus den Künstlerateliers will sagen Malerei, Bildhauerei, Objektkunst, Multiples, Siebdrucke, Editionen und anderes in einer öffentlich zugänglichen Halle zusammenführen sollte, um sie dann möglichst wohlfeil ans Verbrauchervolk zu bringen.

Wohlfeil hieß damals, dass der Kunstfreund beispielsweise schon mit einem Unikat, für das er ganze 20 Deutsche Mark löhnte, glücklich werden konnte. Irrwitzige Millionensummen, wie sie gerade bei der jetzt eingeläuteten 50. Ausgabe des Kölner Kunstmarkts die Runde machen, waren damals jenseits aller Vorstellungen.

Da Stünke und Zwirner außerdem dem Verein der Progressiven Galeristen angehörten, musste ihr erster Kölner Kunstmarkt, der im altehrwürdigen Allzwecksaal Gürzenich stattfand, natürlich in Sachen Kunstqualität wegweisend und beispielgebend sein. Die Multifunktionalität sollte garantiert werden, indem alle Kunstvermittlungssparten unter einem Dach wirken sollten. Tatsächlich war schon beim ersten Kölner Kunstmarkt 1967 klar, da wird die Kunst aus der kleinen Galerie an der Ecke ins große Show-Schaufenster gehievt, der Gürzenich war alles, Kunsthandelsstation mit eingebauten Artist-Shows und Themenausstellungen.

Im Gürzenich wurde außerdem der Versuch gestartet, der Kunst ein resonanzfähiges großes Forum zu bieten, die Galeristenverbände, die Kunstvereine und - versteht sich - auch die Sponsoren wurden eingebunden, Events, Meetings, Vorträge, Diskussionen sind seither bei der Art Cologne eine Selbstverständlichkeit.

Stünkes und Zwirners Kölner Kunstmarkt wurde ein Volltreffer. Gerhard Richter hat dort erstmals seine Bilder richtig gut verkauft und das berühmte "Rudel" mit dem VW-Bus und den 24 mit Filzdecke und Taschenlampe bestückten Schlitten von Joseph Beuys wurde zum Sensationspreis von 110 000 Mark abgegeben. Unter den 18 damals beteiligten Kunsthändlern finden sich große Namen wie Rolf Ricke, Hans-Jürgen Müller, Alfred Schmela, René Block, Mitbegründer des Kölner Kunstmarkts wie etwa der Münchner Galerist Raimund Thomas und der Düsseldorfer Hans Mayer sind nach wie vor wertvolle Aushängeschilder der Art Cologne.

Dieser Kunstmarkt hat sich mächtig aufgebläht: Kamen beim Start im September 1967 an den fünf Messetagen 15 000 Besucher in den Gürzenich, so rechnet die Art Cologne im Jahr 2016 vom 14. bis 17. April mit über 60 000 Kunstfreunden in den Deutzer Messehallen. Und nicht mehr 18 Galeristen sind angetreten, ihre Kunstarbeiten an die Sammler zu bringen, heute beziehen 218 Aussteller aus 24 Ländern ihre Kojen.

Eines muss man im Rückblick auf diese fünfzig Jahre Kölner Kunstmarkt ganz dick unterstreichen: Die Art Cologne ist unbestritten die Mutter aller Kunstmessen auf diesem Globus. Alle anderen Kunstmärkte, die mit zeitgenössischer Kunst umgehen, ob nun die Art Basel, die Art Miami, die Art Hongkong, die Londoner Frieze, die Pariser FIAC bis zu der erst vor zehn Jahren im Badischen ausgerufenen Art Karlsruhe - sie alle sind Epigonen und Nachfahren des Kölner Kunstmarkts.

Dabei wurde dem Kölner Kunstmarkt nichts geschenkt. Diese fünfzig Jahre, das war ein ständiges Hauen und Stechen, das waren fortwährende Standortrangeleien und beinharte Diadochenkämpfe. Und das ist so geblieben. Die Art Basel etwa trompetet fast unanständig laut ihre globalen Erfolge mit ihren zugegeben glamourösen und exotischen Abstechern Miami und Hongkong in alle Welt hinaus, die Art Cologne soll ruhig kleinere und bescheidenere Brötchen backen, heißt das, und die Kollegen in Paris und London tun auch alles, um den Kölnern eins auf die Mütze zu geben.

Aber in summa haben sich die Kölner ganz gut geschlagen, denn von den Kunstmessen beispielsweise in Düsseldorf, Berlin oder Frankfurt spricht keiner mehr, die haben zugemacht.

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14.04.2016, 06:00 Uhr

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