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Schöller will fünf Windenergieanlagen bauen

Die Nase im Wind

Die Schöller Wind GmbH hat zwei weitere Windparks in Betrieb genommen und konkrete Vorstellungen entwickelt, wo man auf Reutlinger Gemarkung Windkraftanlagen installieren könnte: zwischen der Alteburg und Gomaringen.

27.07.2012
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. Seit einem halben Jahr sei man mit dem Reutlinger Rathaus im Gespräch. Dem TAGBLATT gegenüber zeigten sich die beiden Unternehmer Willi und sein Sohn Marcel Schöller optimistisch, bald eine Antwort, besser noch, das Plazet, zu erhalten. Bei einer Leistung zwischen zwei und drei Megawatt würden die fünf geplanten Anlagen 35 bis 40 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liefern – ein Volumen, mit dem sich 9000 Vierpersonenhaushalte versorgen ließen. Schon 2014 könnte man mit dem Bau beginnen, vorausgesetzt, das Rathaus zieht mit.

Im Februar befasste sich der Bauausschuss des Gemeinderats mit der Standortsuche. „Die Zeit wird knapp“, verkündete in der Sitzung Stadtplanungsamtsleiter Stefan Dvorak. Bis zu sieben Windräder, sagte er, könnten um Käpfle und Saurer Spitz gebaut werden und fasste zusammen: „Auf uns kommt jetzt sehr viel Arbeit zu.“

20 Standorte im Bundesgebiet

Im Regionalplanentwurf sind für Reutlingen zwar keine Vorranggebiete ausgewiesen. Allerdings sind Windkraftanlagen als privilegierte Vorhaben auch außerhalb der im Plan definierten Gebiete zulässig. Um geeignete Standorte zu finden, hat der Nachbarschaftsverband Reutlingen-Tübingen Ende April ein Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans eingeleitet, dessen Ziel es ist, Konzentrationszonen für Windkraftanlagen zu definieren. Erst dann ist für „Schöller Wind“ der Weg auch auf Reutlinger Gemarkung frei.

Derweil braucht die Schöller Wind GmbH nicht zu darben. „Woanders rennen wir offene Türen ein“, sagt Willi Schöller und nennt Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen als Beispiele. In vier Jahren hat das in der Oberen Wässere ansässige Unternehmen an 20 Standorten im Bundesgebiet 50 Windräder installiert. Bei dem noch stark mittelständisch geprägten Geschäft machen ortsansässige Firmen die Vorarbeit. Schöller erwirbt die Standorte, betätigt sich als Bauherr, verkauft und verwaltet dann die Windräder, von denen jedes als eigene GmbH und Co. KG firmiert. Ein technischer Betriebsleiter kümmert sich vor Ort um die Anlagen, das kaufmännische Management erfolgt von Reutlingen aus. Gerade wurden zwei Windparks bei Halle und Berlin in Betrieb genommen. Bei Eisleben soll ein bestehender Windpark um ein, zwei Windräder erweitert werden.

Billiger und sauberer als Atomstrom

Die wichtigsten Entwicklungen auf diesem Sektor kommen aus Baden-Württemberg, wo die wenigsten Windräder stehen. Willi Schöller, der das Windradgeschäft mit Begeisterung betreibt, hält das für paradox und fährt fort: „Wir sind bis heute Stromexporteure und brauchen kein einziges Atomkraftwerk.“ Bei einem Wirkungsgrad von 50 Prozent sei „Wind die günstigste und sauberste Art, Strom zu erzeugen“.

Sein Sohn Marcel rechnet vor: „Wenn man die Kilowattstunde Atomstrom richtig kalkulieren würde, käme man auf vier Euro. Bei der Windkraft sind es 9 Cent.“ Und eine Lüge sei es zu behaupten, „dass alternative Energie den Strom verteuert“. Obendrein mache man sich unabhängig von Importen, und „die Wertschöpfung bleibt im Land“. Willi Schöller spricht gar von einer dritten Industriellen Revolution, die Wohlstand in weite Teile der Bevölkerung bringe.

Einen durchaus erklecklichen Gewinn bringt die Windkraft den Investoren selbst. Schöller bietet Beteiligungen ab 80 000 Euro bei einer Verzinsung bis sieben Prozent an, bis zu zwölf Prozent Verzinsung per anno bezogen auf das Eigenkapital ab 300 000 Euro verspricht das Unternehmen beim Erwerb einer eigenen Windenergieanlage als Sachwert.

In das noch ausstehende Reutlinger Windkraftprojekt könnte man sich freilich schon mit 5000 Euro einkaufen. Schöller spricht von „Bürgerstrom“, den man wegen des Wegfalls der Netzentgelte um bis zu 30 Prozent günstiger anbieten könne. Die Stadt hätte einen weiteren Gewerbesteuerzahler, und überhaupt: Den monetären Vorteil könne jeder „konkret in seinem Geldbeutel erfahren“.

Die Nase im Wind
Günstiger Strom und hohe Renditen: Schöller plant auf Reutlinger Gemarkung fünf Windkraftanlagen, die 9000 Vierpersonenhaushalte versorgen können. Bild: privat

Seit 32 Jahren entwickelt Schöller und Partner Stadtquartiere in Reutlingen. Seit vier Jahren ist „Schöller Wind“ im Geschäft und hat seitdem Windparks mit einer
Gesamtleistung von 70 Megawatt in Betrieb genommen. Über 50 Windenergieanlagen wurden realisiert. Unter anderem plant Schöller fünf Windenergieanlagen auf Reutlinger Gemarkung.

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27.07.2012, 12:00 Uhr

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